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Frank Schaefer (l.) genießt dank seiner Kölner Vergangenheit viele Sympathien bei den Fans © getty

Frank Schaefer hat dem 1. FC Köln neues Leben eingehaucht. Im Interview spricht er über seinen Start und sein Sturm-Duo.

Von Jakob Gajdzik

München - Tabellenplatz 18, wütende Fans und ein ratloser Manager. Es gibt bessere Startvoraussetzungen für einen neuen Trainer.

Trotz brisanter Ausgangslage gelang es dem Kölner Interimstrainer Frank Schaefer mit Siegen im DFB-Pokal gegen 1860 München und in der Liga gegen den Hamburger SV das Ruder rumzureißen.

Als Belohnung darf der ehemalige FC-Amateurtrainer weiterhin auf der Profibank Platz nehmen.

Im SPORT1-Interview spricht der 47-Jährige über seinen Start, das schwierige Kölner Umfeld und wie er die FC-Stars Lukas Podolski und Milivoje Novakovic einbinden will.

SPORT1: Herr Schaefer, sie sind erst elf Tage im Amt. Wie haben Sie es geschafft den FC in so kurzer Zeit aufzuwecken?

Schaefer: Es kam mir entgegen, dass wir bereits am folgenden Tag ein Spiel hatten (3:0 im DFB-Pokal gegen 1860 München, Anm. d. Red.), so blieb mir das Vorgeplänkel erspart. Es war schwierig, doch nach dem Sieg haben wir uns etwas freigespielt und konnten es gegen Hamburg bestätigen. Die Mannschaft war willig, den Weg der Besserung mitzugehen und wurde durch die beiden Siege auch bestärkt.

SPORT1: Haben Sie konkret etwas anders gemacht?

Schaefer: Schwer zu beurteilen, dafür war ich bei meinem Vorgänger nicht nah genug dran. Wir haben nur das gemacht, was für für richtig hielten und wovon wir überzeugt waren.

SPORT1: Sie sagten, es werde dauern, bis Ihre Handschrift erkennbar ist. Wie soll der FC unter Ihnen spielen?

Schaefer: Ich will den Begriff "Philosophie" nicht überstrapazieren. Einzig: Wichtig ist eine aktive Grundhaltung. Wir wollen eine klare Ordnung und Raumaufteilung. Die Spieler müssen die entsprechenden Abläufe für Ihre Positionen verinnerlichen. So was kann sich nur mit der Zeit entwickeln.

SPORT1: Ist das neue Vertrauen in Milivoje Novakovic, der gegen Hamburg gleich dreimal traf, der Schlüssel zum Erfolg gewesen?

Schaefer: Nein, der Schlüssel zum Erfolg war, dass die Mannschaft funktioniert hat. Dadurch Stand Novakovic näher vor dem Tor und konnte seine Torgefahr einbringen. Auch er ist nur ein Teil der Mannschaft.

SPORT1: Auch Lukas Podolski spielte erstaunlich stark.

Schaefer: Podolski war in den letzten Spielen ein Leader. Bei ihm ist es ähnlich wie bei Novakovic. Ich habe den beiden gesagt, ich gebe euch auf euren Positionen Rechte, aber auch Pflichten. Das erfordert eine absolute Laufbereitschaft. In dem System was uns vorschwebt - Milivoje als Stoßstürmer und Lukas dahinter -, passen die beiden taktisch gut zusammen. Wichtig ist nur, dass diese Spielweise dauerhaft funktioniert.

SPORT1: Sie sind bereits seit vielen Jahren beim FC Köln, sind gebürtiger Kölner. Ist es diese Identifikation nach der sich die Kölner Fans sehnen?

Schaefer: Es ist schon so, dass Dirk Lottner und mir viel positive Resonanz entgegengekommen ist. Wir sind nicht hier, um im Mittelpunkt zu stehen, sondern für die Sache 1. FC Köln an sich. Ich denke, das merken die Leute. Das wichtigste ist jedoch, dass die Fans uns unterstützen und sich diese positive Stimmung auf die Mannschaft überträgt.

SPORT1: Sehen Sie die ständige unruhige Situation abseits des Rasens, wie zuletzt die Kritik der Fans an Michael Meier, als Hauptproblem beim FC?

Schaefer: Das Umfeld in Köln ist sehr speziell, das Drumherum gewaltig. Auf der anderen Seite kann das für uns positiv sein, wir tragen eine große Verantwortung. Wir werden auch alles dafür tun, für Michael Meier gute Ergebnisse zu erzielen, er hat mich und Dirk Lottner in den ersten Tagen sehr unterstützt.

SPORT1: Wäre mehr Erfolg möglich, wenn man im Umfeld für Ruhe sorgen würde?

Schaefer: Für Ruhe sorgt man in Köln nur, wenn man Erfolg hat. Wir müssen einfach professionell arbeiten und versuchen uns von dem Drumherum nicht ablenken zu lassen.

SPORT1: Sie haben nach dem letzten Sieg die Abstiegsränge verlassen. Hinter Ihnen sind jedoch potenziell stärkere Mannschaften wie Schalke oder Stuttgart. Sorgt sie das?

Schaefer: In der jetzigen Situation schauen wir nur auf uns und wollen der Mannschaft unseren Weg vermitteln. Darüber zu spekulieren, wie andere Teams abschneiden bringt gar nichts.

SPORT1: Als nächstes geht es gegen einen momentan starken 1. FC Nürnberg. Wie wollen Sie den Club knacken?

Schaefer: Natürlich hat der FCN gut gepunktet, doch auch wir haben uns Stück für Stück in den Spielen weiterentwickelt. Nicht nur von den Ergebnissen, auch von unserer Art und Weise zu spielen. Wir müssen die Elemente, die wir gegen den HSV eingebracht haben, auch mit nach Nürnberg mitnehmen.

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