vergrößernverkleinern
Raul (l.) und Christoph Metzelder spielten vergangene Saison gemeinsam bei Real Madrid © imago

Raul ist nach dem Schalker Befreiungsschlag gegen St. Pauli der Held. Auch Metzelder steigert sich, Magath schaut nach oben.

Von Martin Hoffmann und Matthias Becker

München/Gelsenkirchen - Man hätte befürchten können, dass das Thema Raul belasten würde.

So stark wie nie zuvor hatten sich die Medien ja mit der zunehmenden Kritik an der lebenden Real-Legende in Schalker Diensten beschäftigt.

Doch wer dachte, dass dies den spanischen Stürmerstar lähmen würde, der übersah ein entscheidendes Detail.

"Raul hat ja einen Vorteil", bemerkte Teamkollege Christoph Metzelder nach dem 3:0-Sieg gegen St. Pauli bei "Sky": "Ich nehme nicht an, dass er die Zeitungen liest - und wenn, dann versteht er sie nicht."

Erster Bundesliga-Heimsieg der Saison

Es war womöglich sein Glück, denn so kam bei ihm nur das an, was aus Sicht von Trainer Felix Magath entscheidend war:

Seine Mahnung nämlich, dass Raul zu viel wollen würde, dass er sich an der Arbeit im Mittelfeld zu sehr aufreiben würde, statt sich auf seinen Hauptjob zu konzentrieren: Das Wühlen im Strafraum. 308592(DIASHOW: Der 11. Spieltag)

Raul vernahm die Kritik. Er beherzigte sie. Und das Ergebnis war sein erstes Doppelpack in der Bundesliga und drei wichtige Zähler für sein Team - das gleichzeitig den ersehnten ersten Bundesliga-Heimsieg der Saison feiern durfte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich glaube schon, dass ich noch einen Torriecher habe", verteidigte sich Raul und kündigte an: "Ich bin überzeugt, dass noch weitere Tore folgen werden."

Lob von Huntelaar

Davon sind auch die Teamkollegen überzeugt, ließen die Gelegenheit aber nicht aus, Raul freundlich darauf hinzuweisen, dass er sich doch bitte fortan immer weiter vorne bewegen soll.

"Ich denke heute hat er gezeigt, dass er sehr gefährlich ist, wenn er im Strafraum ist, meinte etwa Sturmpartner Klaas-Jan Huntelaar. Raul habe eine "freie Rolle", das schon, aber: "Es ist einfacher, wenn er mit im Strafraum ist."

Ähnlich sah es Metzelder. "Raul war heute in der Nähe des Strafraums, da wo er gefährlich ist und daraus resultierten auch die zwei Tore", analysierte der Verteidiger.

Magath hofft auf "Erlösung"

Zwei Tore, von denen Trainer Felix Magath hofft, dass sie eine "Erlösung" für Raul darstellen und das sprichwörtliche Knotenplatzen bewirken.

Rauls Doppelpack war nicht das einzige, woran sich Magath erfreuen konnte. Auch Huntelaar überwand mit seinem Treffer zum 2:0 seine kleine Durststrecke.

Zudem gaben Jefferson Farfan und Atsuto Uchida auf der rechten Seite ein bärenstarkens Flügelduo ab.

Szenenapplaus für Metzelder

Und auch die Wackelabwehr stabilisiert sich zunehmend - wofür besonders der Formanstieg von Sorgenkind Metzelder steht, der ja sehr wohl lesen und verstehen konnte, was zu Beginn alles über ihn in der Zeitung stand.

Gegen St. Pauli lieferte er einen tadellosen Auftritt ab: Zweikampfstark, passsicher und souverän.

In dieser Form schlossen die Schalker Fans den ehemaligen Angestellten des Erzrivalen Dortmund nur allzu bereitwillig in die Arme. Es gab nach gelungenen Rettungsaktionen sogar Szenenapplaus für "Metze".

Magath schaut nach oben

Und genauso erfreut werden die Fans auch registrieren, wie Metzelder den Abend zusammenfasste: "Gut für unser Punktekonto, gut für unser Selbstvertrauen und gut für die Schalker Seele, die ja sehr gelitten hat in den letzten Wochen."

Dass die Anhänger das Team trotzdem von Beginn an uneingeschränkt unterstützten, freute vor allem Coach Magath. "Ich muss mich für die Geduld bedanken, die unsere Fans aufgebracht haben. Das hat sich ausgezahlt", sagte er: "Jetzt können wir optimistisch nach oben schauen."

Bei gerade mal neun Punkten nach elf Spielen ist das zwar etwas gewagt, aber auch Raul ist zuversichtlich. "Ich hoffe, dass dies jetzt der Anfang einer Siegesserie ist", sagte der Spanier.

"Niederlage wirft uns nicht um"

Auf dem Weg nach oben könnten die Schalker dem Gegner aus Hamburg begegnen. Der macht sich nach der dritten Niederlage in Folge nämlich auf den entgegengesetzten Weg.

"Wer aus einer Vielzahl klarer Chancen nichts macht, hat keinen Punkt verdient", stellte Pauli-Trainer Holger Stanislawski nüchtern fest, glaubt aber: "Auch diese Niederlage wirft uns nicht um."

Eines ist ihm angesichts der anstehenden Gegner Leverkusen, Wolfsburg und Bremen aber klar. "Da stehen wir und träumen. Es ist gefährlich, wenn du anfängst zu träumen", warnt Stanislawski.

Vielleicht wäre es für die "Kiezkicker" ja auch eine gute Maßnahme für ein paar Tage auf den Blick in die Zeitung zu verzichten.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel