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Trainer Louis van Gaal kam 2009 von AZ Alkmaar zum FC Bayern © imago

Der Trainer sieht in Gladbach zunächst die "besten Bayern der Saison", nach dem Zusammenbruch in Halbzeit zwei zürnt er heftig.

Von Martin Hoffmann

München/Mönchengladbach - Louis van Gaal blieb noch eine Weile auf der Bank sitzen.

Allein zurückgelassen, ins Nichts starrend. Der Bayern-Coach wirkte regelrecht verstört von dem, was da über ihn und seine Mannschaft gekommen war.

In der Halbzeit hatte er sein Team nach eigenen Angaben noch gepriesen als "der beste FC Bayern, den ich in dieser Saison gesehen habe".

45 Minuten später verpasste er ihnen eine Kabinen-Standpauke, so laut, dass selbst die Journalisten in der Mixed Zone noch zusammenzuckten - frustriert und wütend über zwei verschenkte Punkte beim Schlusslicht Mönchengladbach308592(DIASHOW: Der 11. Spieltag).

Stagnation statt Klettertour

Den Start einer "Klettertour" hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Spiel ausgerufen.

Doch nach dem 3:3 beim einstigen Erzrivalen verharrt der Rekordmeister weiter in tabellarischer Stagnation.

Anstelle des theoretisch möglichen Sprungs auf Platz drei ist Bayern nun Neunter (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und bei einem Sieg der Dortmunder am Sonntag in Hannover (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) zwölf Punkte von Platz eins weg.

"Wie eine Niederlage"

"Das Unentschieden fühlt sich wie eine Niederlage an", meinten Philipp Lahm und Rummenigge wortgleich.

Deftiger formulierte Mario Gomez: "Es ist zum Kotzen. Nie und nimmer dürfen wir so ein Spiel unentschieden spielen."

Und Louis van Gaal meinte bei LIGA total!: "Ich bin sauer auf die Mannschaft."

Die Schlüssel-Anweisung missachtet

Präziser: Er ist sauer wegen der zehn Minuten in der zweiten Hälfte, in denen sich die 2:1-Führung der Bayern durch Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger in einen 2:3-Rückstand verwandelte.

Weil seine Schützlinge da genau das falsch gemacht hatten, wovor er sie in der Halbzeit gewarnt hatte.

Er habe "ihnen gesagt, dass sie nicht überrascht sein sollten, wenn Borussia ab sofort aggressiver zu Werke geht".

Trotzdem wirkte sein Team nach der Pause so, als wäre dieses Szenario so etwas wie ein Schweigegelübde von Franz Beckenbauer - etwas mit dem man nun wirklich nicht hätte rechnen können.

Die Gegentore von Marco Reus und Igor De Camargo waren die Folge.

"Dürfen keine Punkte liegen lassen"

Eine Schlussoffensive bescherte Bayern zwar noch den Ausgleich durch Philipp Lahm. Ein Tor, das van Gaal "fast Tränen in die Augen getrieben hätte". Tröstlich war es für seine Schützlinge trotzdem kaum.

"Katastrophal" fiel das Fazit von Gomez aus. Und Lahm meinte halb verzweifelt: "Wir sind so weit hinten, dass wir keine Punkte mehr liegen lassen dürfen. Aber genau das ist schon wieder passiert."

Der Glaube, noch Meister werden zu können, sei zwar noch da: "Aber dazu müssen wir diese Fehler abstellen."

So sah es auch van Gaal, der zu den besagten Fehlern meinte: "Das darf nicht passieren. Wir sind eine Spitzenmannschaft und dürfen ein Spiel nicht so weggeben."

Auch Gladbach nicht glücklich

Doch auch die Gladbacher waren mit ihrem Überraschungs-Punkt nicht recht glücklich.

"Mein Team sitzt in der Kabine und ist ein Stück weit enttäuscht, das sagt alles aus", berichtete Coach Michael Frontzeck.

An den Gladbachern nagte der späte Ausgleich, aber auch die erste Hälfte, in denen sie von den Bayern "vorgeführt worden sind wie noch nie" (Frontzeck).

Dreimal Alu-Glück

Die zwischenzeitlich bei über 81 Prozent Ballbesitz und 93 Prozent Passquote liegenden Bayern "hätten zur Pause 4:1 oder 5:1 führen können oder sogar müssen", meinte Marco Reus.

Drei mögliche Tore verhinderte allein das Aluminium - unter anderem einen Elfmeter von Bastian Schweinsteiger.

"Gut leben" könne man letztlich mit dem Punkt, so Frontzeck. Dumm nur, dass der eine Punkt den Gladbachern im Abstiegskampf eine ebenso geringe Hilfe ist wie den Bayern bei ihrer verhinderten Klettertour.

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