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Louis van Gaal (r.) ist seit Sommer 2009 Trainer des FC Bayern München © imago

Nach Bayerns 3:3 in Gladbach lässt van Gaal die Wände wackeln, glaubt aber weiter an die Wende. Beckenbauer ist skeptisch.

Von Martin Volkmar

München - Am Tag nach seinem Ausbruch wollte Louis van Gaal seine Ruhe haben.

Also entschied der Trainer des FC Bayern, das Auslaufen nach dem bitteren 3:3 in Mönchengladbach hinter verschlossenen Türen stattfinden zu lassen. 308592(DIASHOW: Der 11. Spieltag)

Doch die zahlreichen Fans an der Säbener Straße protestierten so lautstark, dass der Niederländer schließlich klein beigab und Zugang gewährte.

Eine kleine Anekdote, die ins Bild zu passen scheint: Alleinherrscher van Gaal entgleitet die Macht.

Dafür spricht nicht nur die öffentliche Kritik von Präsident Uli Hoeneß vor einer Woche, von der er bis heute nichts zurückgenommen hat.

Hoeneß flüchtet kommentarlos

Auch nach der Partie in Gladbach nicht, von wo der Ex-Manager kommentarlos flüchtete.

Umso deutlicher wurde van Gaal: Der "Tulpen-General" ließ bei seiner Wutrede nach dem Schlusspfiff in der Kabine die Wände wackeln.

"So laut war es dieses Jahr noch nie", sagte Thomas Müller über die Ansprache des Chefcoachs, die bis in die Katakomben der Borussia-Arena zu hören war.

"Ein böser, böser Ausfall"

"Das war ein böser, böser Ausfall. Das ist nicht gut", gab van Gaal hinterher äußerlich ruhig zu. "Ich denke aber, dass die Mannschaft Verständnis dafür hat."

Philipp Lahm bestätigte das: "Der Trainer ist zu Recht laut geworden. Wir sind in einer Lage, in der man eigentlich keine Punkte liegen lassen darf."

Doch aufgrund des Tiefschlafs des Rekordmeisters zwischen der 46. und der 60. Minute konnten die bis dahin haushoch unterlegenen Gladbacher die Begegnung von 1:2 auf 3:2 drehen.

Nur zwei Siege in den letzten sechs Spielen

Lahms Ausgleich rettete kurz vor Schluss zumindest einen Punkt, den Rückstand auf die enteilten Spitzenteams konnte der FCB nach nur zwei Siegen aus den letzten sechs Spielen so nicht verkürzen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"So darf das einer Spitzenmannschaft nicht passieren, wenn wir so viel besser sind", erklärte van Gaal bei "LIGA total!" seine Kabinenpredigt.

"Wenn wir da die Tore nicht machen, können wir nicht über eine Aufholjagd sprechen."

Der 59-Jährige hatte nach dem Abpfiff lange frustriert und alleine auf der Auswechselbank gesessen und seine Ansprache vorbereitet.

Nur Siege helfen van Gaal

Der Ärger dürfte auch darin begründet sein, dass van Gaal nach der Auseinandersetzung mit Hoeneß jeden Sieg zur Stärkung seiner Position gut gebrauchen kann.

"Lieber Louis, Du musst nur gewinnen, dann ist alles in Ordnung", hatte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge auf dem Bankett nach dem 4:0 in Cluj gesagt.

Was das umgekehrt bedeutet, muss man einem Profi wie van Gaal nicht erzählen. Trotzdem glaubt der Coach nach wie vor fest an die große Aufholjagd.

"Bundesliga wird im Mai entschieden"

"Wir sind einen Punkt näher an Mainz herangerückt, die waren schon mal 13 Punkte weg", sagte er. "Die Bundesliga wird im Mai und nicht im November entschieden."

Skeptischer zeigte sich die Vereinsführung. "Wir sind natürlich frustriert. Es wird ein langer und steiniger Weg zurück an die Spitze", meinte Sportdirektor Christian Nerlinger.

"Das ist kein Schritt nach vorne", sagte auch Rummenigge, betonte jedoch zugleich: "Wir müssen versuchen, uns in den nächsten Wochen nach oben zu hangeln. Es sollte sich keiner da oben zu sicher fühlen."

Nicht nur die Abwehr schwächelt

Zu sicher fühlen sollten sich trotz der anhaltenden Personalnot auch die Bayern-Spieler nicht, von denen in Gladbach nicht nur die erneut wackelige Abwehr hinter den Erwartungen zurück blieb.

Zwischen den Zeilen wurde das auch deutlich, als van Gaal über die große Chance zum Siegtreffer kurz vor Schluss sprach:

"Toni Kroos muss seine Chance eigentlich machen. Aber vielleicht hat der liebe Gott gedacht, dass diese Spieler noch ein bisschen lernen müssen."

Beckenbauers Zweifel

Ein anderer, der ebenfalls gerne mit höheren Mächten kokettiert, hat allerdings ernsthafte Zweifel am erhofften Lerneffekt.

"Wenn Bayern nicht Meister wird, wird es halt ein anderer", meinte "Lichtgestalt" Franz Beckenbauer fatalistisch. "So schlimm ist das nicht."

Doch wie schon bei Hoeneß machte van Gaal nicht den Eindruck, dass er diese Meinung teilen würde.

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