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Werder Bremen belegt mit 14 Punkten den elften Tabellenplatz © imago

Nach der höchsten Werder-Niederlage in der Ära Schaaf wird nicht nur Wiese deutlich. Die Stuttgarter holen sich Selbstvertrauen.

Von Christian Stüwe

München/Stuttgart - Während die Bremer Spieler mit hängenden Köpfen in die Kabine schlichen, suchte Trainer Thomas Schaaf mit leerem Blick nach ersten Erklärungen für das Desaster.

"Wir waren ein guter Sparringspartner", sagte der Trainer nach dem 0:6 beim VfB Stuttgart: "Solche Gegner lädt man beim Boxen ein, wenn man fit werden will."(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Wenige Meter weiter zeigte sich Klaus Allofs ähnlich geschockt. "0:6 in Stuttgart - das geht nicht", erklärte der Werder-Boss: "Das war traurig anzusehen, wie wir die Tore bekommen haben."

"Ein Tiefpunkt der Geschichte"

Auf den Punkt brachte es Per Mertesacker. "Es ist ein Tiefpunkt in der Geschichte von Werder Bremen", sagte der Abwehrchef.

Ob Mertesacker direkt nach Abpfiff die genauen Daten bewusst waren, darf bezweifelt werden. 308592(DIASHOW: Der 11. Spieltag)

Mit seiner Einschätzung lag er aber völlig richtig. Das Debakel in Stuttgart war die höchste Niederlage in der über elf Jahre dauernden Amtszeit von Trainer Schaaf.

Höchste Niederlage seit 1987

Ähnlich heftig war Werder in der Bundesliga zuletzt am 21. März 1987 beim 1:7 gegen Borussia Mönchengladbach unter die Räder gekommen. Damals stand Schaaf noch als Spieler auf dem Platz.

Waren die Verantwortlichen bisher bemüht, nicht von einer Krise zu sprechen, lässt sich die Situation nun kaum noch schönreden.

Im DFB-Pokal ist Werder ausgeschieden, in der Champions League steht die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand, in der Bundesliga steckt Werder im unteren Mittelfeld - Tendenz fallend.

Am meisten Sorgen dürfte den Bremern allerdings die Art und Weise der Niederlage in Stuttgart machen.

"Wir haben zu viele Probleme"

Die Abwehr präsentierte sich erneut orientierungslos, der Offensive fehlte abermals die Durchschlagskraft.

"Wir haben zu viele Probleme", erklärte Schaaf: "Wir stehen defensiv zu schlecht, verlieren schon vorne zu einfach die Bälle. Wir haben in keiner Weise Gegenwehr gezeigt."

Seine Mannschaft habe "jegliche Aggressivität" vermissen lassen, bemängelte der Trainer: "Das war wie im Training. Das reicht nicht für den Wettkampf."

Der einzige Bremer in Normalform war Torwart Tim Wiese, der mit einem gehaltenen Elfmeter von Cacau und zahlreichen Paraden sogar eine noch schlimmere Demütigung verhinderte.

Wiese wird deutlich

"Es ist peinlich", schimpfte Wiese nach Abpfiff: "Ich schäme mich für uns. Jeder Einzelne muss sich schämen.

Nur für einen kurzen Moment durften die Bremer hoffen. Beim Stande von 0:1 bekam die Schaaf-Elf einen Elfmeter zugesprochen. Aber ausgerechnet Torsten Frings, der in den vergangenen Tagen seine Mitspieler öffentlich kritisiert hatte, scheiterte mit einem schwachen Schuss an VfB-Torwart Sven Ulreich.

"Wenn er den reinmacht, wird das Spiel anders laufen", vermutete selbst der starke Stuttgarter Timo Gebhart.

Stuttgart holt sich Selbstvertrauen

Danach kam der Schwaben-Express ins Rollen. Die selber tief im Tabellenkeller steckenden Stuttgarter konnten ihr Selbstvertrauen Tor für Tor vergrößern.

"Wir haben alles umgesetzt, was der Trainer uns gesagt hat, und alle Torchancen reingemacht. Kampfgeist, Wille und Leidenschaft waren der Schlüssel", erklärte Gebhart.

Offenbar bringt der neue Trainer Jens Keller das Team so langsam auf Kurs. Das Ende der Stuttgarter Krise ist für den 40-Jährigen aber noch lange nicht in Sicht.

"Es war ein überragende Leistung, aber es gibt jetzt keinen Grund, euphorisch zu werden", erklärte Keller: "Wir müssen weiter hart arbeiten."

Wiese spricht von "Einstellungs"-Problem

Viel Arbeit kommt auch auf Werder und Schaaf zu. Der Trainer weiß offenbar gar nicht, wo er anfangen soll.

"Wir stehen in der Defensive zu schlecht. Wir verlieren vorne die Bälle", ärgerte sich der 49-Jährige: "Wir zeigen das komplette Gegenteil von dem, was man zeigen muss."

Wiese macht in der Mannschaft sogar noch ein "Einstellungs"-Problem aus: "Nicht jeder holt das Letzte aus sich heraus". Dann begaben sich die Spieler wie geprügelte Hunde auf den langen Heimweg Richtung Bremen.

Mit sechs Gegentoren und jede Menge Redebedarf im Gepäck dürfte es kein besondes angenehmer Trip werden.

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