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Jakub Blaszczykowski erzielte in Hannover sein zweites Saisontor © getty

Dortmund baut in Hannover die Führung an der Tabellenspitze aus - bleibt aber auf dem Boden. Slomka ist sauer auf Haggui.

Von Barnabas Szoecs

München/Hannover - Das Einzige, was sich Borussia Dortmund nach dem Spiel in Hannover vorzuwerfen hatten, war ein verschossener Elfmeter von Nuri Sahin in der 72. Minute.

Doch am Ende des Tages dürfte dieser Umstand nach dem 4:0-Erfolg bei Hannover 96 nur ein winzig kleiner Punkt auf dem Zettel von Jürgen Klopp gewesen sein.308592(DIASHOW: Der 11. Spieltag)

Ein Makel, der nach einer wahren Machtdemonstration der Schwarz-Gelben weit in den Hintergrund rückte, fast schon unterging.

"Wir wollten die drei Punkte holen, das haben wir geschafft", meinte BVB-Keeper Roman Weidenfeller relativ nüchtern und sachlich.

Zwölf Punkte Vorsprung auf die Bayern

Seine verhaltene Freude mochte manchem Beobachter wohl etwas unverständlich vorgekommen sein, hatte sich doch der BVB gerade erst mit dem nie gefährdeten Sieg in Hannover einen Vier-Punkte-Vorsprung auf den ärgsten Verfolger Mainz erarbeitet. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und das an einem Spieltag, der den Borussen eindeutig in die Hände spielte. Auf den FC Bayern etwa beträgt der Vorsprung jetzt schon zwölf Punkte.

Nach dem meisterreifen Auftritt hielten die jungen Dortmunder den Ball trotzdem flach. "Wir schauen auf uns, und das macht Spaß", sagte Kevin Großkreutz, stellvertretend für viele andere Äußerungen.

Bemitleidenswerte 96er

Die Mannschaft von Antreiber Klopp bleibt auch nach dem neunten Sieg im elften Spiel auf dem Boden - trotz der souveränen Darbietung gegen bemitleidenswerte 96er, die nie ins Spiel fanden.

Das Dortmunder Team bewies erneut, wie souverän und dominant es ist, wie ausgewogen und stimmig die Mischung aus Jugend und Erfahrung unter Klopp harmoniert.

Klopp kritisiert sein Team

Das böse Wort von der "Meisterschaft" nimmt nach gut einem Drittel der Saison niemand in den Mund. Coach Klopp ging sogar so weit nach dem klaren Erfolg auch kritische Worte einzustreuen.

"Ich war nicht zufrieden und habe in der Halbzeit festgestellt, dass wir den Faden verloren hatten", erinnerte er sich und lobte den Gegner: "Hannover hat uns das Leben schwer gemacht und wurde zu hoch geschlagen."

Zwar machte er seiner Mannschaft mit seiner Aussage keinen ernsthaften Vorwurf, dennoch sprach der Trainer Fehler an, die so manch anderen Teams nach einem dominanten 4:0-Sieg völlig egal wären.

Auch die Joker stechen

Die Unaufgeregtheit, mit der die Dortmunder diesen nächsten Meilenstein in einer bislang überragenden Saison wahrnahmen, zeigt das enorme Selbstbewusstsein, dass sie sich inzwischen erspielt haben.

Der Auswärts-Startrekord wurde auf sechs Siege in sechs Spielen ausgebaut, als sei es das Normalste von der Welt. Die eingewechselten Jakub Blaszczykowski und Robert Lewandowski fügten sich nahtlos ins Gefüge ein und steuerten sogar jeweils noch einen Treffer bei.

Zweite 0:4-Klatsche für Hannover

Leidtragende der Dortmunder Leichtigkeit waren die Hannoveraner, die schon die zweite 0:4-Klatsche in Folge verdauen müssen. Die acht Gegentore aus den letzten zwei Spielen haben die niedersächsische Bergfahrt jäh gestoppt.

Vor allem in der Abwehr hakt es beim Team von Trainer Mirko Slomka, das in der kommenden Woche zum Tabellenzweiten nach Mainz muss.

"Wir haben vor allen vier Gegentreffern jeweils haarsträubende Fehler gemacht, das ist ärgerlich", meinte Slomka.

Slomka sauer auf Haggui

Vor zwei Wochen rangierte Hannover 96 noch auf Tabellenplatz drei, nur zwei Spieltage später befinden sich die Niedersachsen auf dem zehnten Rang.

Auch weil mit Karim Haggui (nach Manuel Schmiedebach in der Vorwoche in Hoffenheim) erneut ein 96er frühzeitig zum Duschen musste. Haggui hatte Blaszczykowski im Strafraum an den Kopf getreten.

"Das war völlig unnötig, der Ball war schon lange weg. Die Rote Karte und der Strafstoß waren die richtige Entscheidung", sagte Slomka. Immerhin scheiterte Nuri Sahin mit dem fälligen Elfmeter, sonst wäre Hannovers Niederlage noch höher ausgefallen.

Da sich am Mittwoch auch der Selbstmord von Torhüter Robert Enke zum ersten Mal jährt, steht Hannover vor ganz schwierigen Tagen.

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