SPORT1-Kolumnist Huub Stevens spricht über die Gründe für Werders Pleite in Stuttgart, die bei ihm schmerzhafte Erinnerungen weckt.

Hallo Fußball-Freunde,

von Sonntag auf Montag habe ich nicht gut geschlafen. Nach Niederlagen geht es mir nie richtig gut - über das 0:1 meiner "Bullen" in Neustadt habe ich noch lange gegrübelt.

Und das 0:6 von Werder in Stuttgart hat mich dann auch noch an eine der schwärzesten Stunden meiner Trainerkarriere erinnert.

Am 3. Dezember in der Saison 2003/04 habe ich mit Hertha - damals gegen Bremen - mit 1:6 im DFB-Pokal eine ganz üble Klatsche kassiert.

Dieter Hoeneß wollte daraufhin eine Nacht über seine Entscheidung schlafen, ich habe natürlich wieder kaum ein Auge zugemacht.

Letztlich war ich am 4. Dezember nicht mehr Coach von Hertha. Nun ja, das ist Vergangenheit.

Dass aktuell die Zukunft von Thomas Schaaf an der Weser auf dem Spiel steht, glaube ich aber nicht. Ohne Frage wiegt eine solche Klatsche allerdings schwer.

Das haut rein, das verdaut man nicht so einfach. Es kann aber auch wachrütteln.

Der spielerische Verlust durch den Weggang von Özil ist ein Argument, doch Bremen fehlt insgesamt die Konstanz, die Balance ist nicht da und Silvestre ist definitiv nicht die erhoffte Verstärkung.

Er hat sich nicht schnell genug an die Bundesliga gewöhnt. Wahrscheinlich wird er es niemals mehr.

Dennoch habe ich Vertrauen in das erfahrene Duo Schaaf/Allofs. Die beiden werden es in dieser Saison erneut umbiegen können.

Schaaf muss nun viel reden mit der Mannschaft, Ursachen ergründen und wieder darüber mit den Profis sprechen. Wenn dann ein Erfolgserlebnis eintritt, ist die Wende durchaus möglich.

Ausreichend Qualität hat das Team.

Ob die Bayern noch die Kurve kriegen, wage mittlerweile sogar ich zu bezweifeln. Als Verein mit Titelambitionen darfst du einfach keine zwei Punkte in Gladbach liegen lassen. Die Zähler waren bei der Aufholjagd fest eingeplant.

Genauso unnötig war die Attacke von Uli Hoeneß auf Louis van Gaal. Ich kenne Louis - mangelnde Kommunikation kann man ihm wahrlich nicht vorwerfen!

Als Präsident hätte sich Uli Hoeneß eigentlich vor den Trainer stellen müssen.

Ich schreibe Bayern noch lange nicht ab - aber die Spieler stehen jetzt in der Verantwortung und müssen sich steigern. Zwölf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund sind sehr ordentlich.

Der BVB ist sowieso ein Phänomen, bei der erfrischenden Spielweise und der Energie, die von den Götzes, Sahins, Kagawas und Barrios' ausgeht, lacht mein Herz.

In Hannover, das ja zuletzt auch eine sehr gute Phase hatte, musst du erstmal gewinnen.

Mit diesem Feuer und der Unbekümmertheit kann alles drin sein. Damit wird Dortmund bis zum Saisonende um die Meisterschaft kämpfen. An diesen Worten lasse ich mich dann gerne messen.

Bis nächste Woche,Euer Huub Stevens

Zum Forum - hier mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel