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Michael Skibbe (l.) arbeitete bereits bei Bayer Leverkusen mit Theofanis Gekas zusammen © imago

Frankfurt überrascht die Liga mit Platz vier. Bei SPORT1erklärt Eintracht-Trainer Michael Skibbe die Gründe und das Phänomen Gekas.

Von Jakob Gajdzik

München - Lange Zeit hatte Michael Skibbe als Trainer einen schweren Stand.

Während seines Engagements bei der deutschen Nationalmannschaft war er "nur" Rudi Völlers Assistent, bei seinen Stationen Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und Galatasaray Istanbul wurde er vorzeitig entlassen.

Als er vor der Saison 2009/2010 bei Eintracht Frankfurt als Nachfolger von Friedhelm Funkel präsentiert wurde, stieß er bei zahlreichen Fans auf viel Skepsis.

Zu Unrecht, wie sich mittlerweile gezeigt hat.

Skibbe verpasste der Eintracht seine Handschrift hin zum offensiven, direkten Spiel und steht mit seiner Mannschaft nach dem 11. Spieltag überraschend auf dem vierten Tabellenplatz.

Im SPORT1-Interview spricht der 45-Jährige über den Frankfurter Lauf, seine Saisonziele und das Phänomen Theofanis Gekas.

SPORT1: Herr Skibbe, beim 3:1 gegen den VfL Wolfsburg besiegte Eintracht Frankfurt sogar den bisherigen Angstgegner. Woran lag es?

Michael Skibbe: Wir hatten nach einer Stunde bereits einen klaren Vorsprung herausgespielt, doch das Spiel damit leider noch nicht entschieden. Nach dem Anschlusstreffer hatten wir aufgrund von Wolfsburgs Offensivstärke massive Probleme und waren froh, als das Spiel vorbei war.

SPORT1: Dennoch, die Eintracht hat nach vier Niederlagen aus den ersten fünf Spielen einen Lauf. Wie haben Sie den Schalter umgelegt?

Skibbe: Ich denke nicht, dass wir einen Schalter umgelegt haben. Wir haben auch schon in den ersten Partien ordentlich gespielt, doch hatten wir dort nicht das Quäntchen Glück, was wir jetzt besitzen. Es waren stets Nuancen, die über Sieg oder Niederlage entschieden haben.

SPORT1: Nach der Erfolgsserie steht Frankfurt nun auf Platz vier und hat auch spielerisch einen Sprung gemacht. Wo soll die Reise noch hingehen?

Skibbe: Wir waren bisher in allen unseren Spielen absolut konkurrenzfähig. Ein paar davon haben wir gewonnen, ein paar eben verloren. Ich hoffe einfach, dass wir dieses Niveau halten können. An der Zielsetzung 50 Punkte ändert sich nichts.

[kaltura id="0_aedmskv2" class="full_size" title="Wunderwaffe Gekas"]

SPORT1: Auffallend ist, dass Ihre Mannschafts auswärts (12) fast doppelt soviele Punkte wie zu Hause (7) geholt hat. Haben Sie eine Erklärung?

Skibbe: Das ist schwer, denn wir spielen sowohl zu Hause als auch auswärts bislang sehr ordentlich. Zudem waren erneut Kleinigkeiten dafür verantwortlich, wie das Abseitsgegentor beim 0:1 gegen Freiburg oder das Chancenpech beim 0:0 gegen Schalke. Außerdem haben wir bisher einfach auch ein Auswärtsspiel mehr bestritten.

SPORT1: Maßgeblichen Anteil am Aufschwung hat Theofanis Gekas. Was macht ihn so stark?

Skibbe: Gekas und ich haben bereits in Leverkusen gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet und kennen uns ganz gut. Auch das war für ihn ein Argument, nach Frankfurt zu kommen.Er fühlt sich bei der Eintracht wohl und wird auch gut von der Mannschaft eingesetzt. So kann er zeigen, dass er weiß, wo das Tor steht.

SPORT1: Gekas gilt als fußballerischer Minimalist. Haben Sie Ihr System für ihn umgestellt?

Skibbe: Nein, ich versuche immer aus dem vorhandenen Spielermaterial das Optimale herauszuholen. Das ist auch sehr stark abhängig von Verletzungen und Formschwankungen. Es sind immer elf Spieler auf dem Platz, nicht nur einer.

SPORT1: Durch Gekas' Lauf sitzt mit Ioannis Amanatidis einer der Anführer der Eintracht nur auf der Bank. Wie nah ist er an der ersten Elf?

Skibbe: Er wurde durch seine zwei langwierigen Verletzungen (Knorpelschaden im Knie, d. Red.) lange Zeit zurückgeworfen. Momentan ist er aber wieder eine Alternative und kann jederzeit für einen verletzten oder formschwachen Spieler in die Mannschaft kommen.

SPORT1: Mit Linksverteidiger Georgios Tzavellas hat auch ein weiterer Neuzugang eingeschlagen. Machen die Neuen den Qualitätsunterschied aus?

Skibbe: Sicher nicht. Der wichtigste Faktor ist die Homogenität im Kader. Da ist die ganze Mannschaft dran beteiligt, auch die Neuzugänge. Doch diesen Erfolg nur an den Neuen festzumachen, wäre zu einfach und sicherlich auch nicht richtig.

SPORT1: Nun stehen mit Werder Bremen, 1899 Hoffenheim, Bayern München und Mainz 05 schwere Brocken auf dem Programm. Was rechnen Sie sich gegen diese Teams aus?

Skibbe: Momentan interessiert mich nur Werder Bremen. Aufgrund der letzten Ergebnisse ist die Mannschaft angeschlagen, das macht sie wenig ausrechenbar und gefährlich. Es ist eine Mannschaft, die über eine viel stärkere Qualität verfügt, als sie momentan abruft.

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