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Marko Arnautovic spielte vorm Wechsel nach Bremen unter anderem für Twente und Inter © getty

Bremens Stürmer Marko Arnautovic beleidigt seinen Arbeitgeber. Werder-Boss Klaus Allofs kritisiert ihn scharf.

Von Mathias Frohnapfel

München/Bremen - Seine Kollegen schauen verdutzt, dann gehen sie achselzuckend weiter.

"Was ist los hier in dem Saftladen?", schreit Marko Arnautovic, als das Werder-Team auf halbem Weg zum Training kehrt machen muss.

Krisen-Besprechung statt Fußball ist angesagt in Bremen. Die Kameras von SPORT1 dokumentieren die Szene.

Der Österreicher mit dem lockeren Mundwerk hat sich und seinen Arbeitgeber - wieder einmal - in ein schlechtes Licht gerückt.

Allfos ist sauer

"Mit unbedachten Äußerungen kann man eine Menge Schaden anrichten", kommentierte Klaus Allofs, als er im SPORT1-Interview mit Arnautovics Spruch konfrontiert wird. (VIDEO: Klaus Allofs im SPORT1-Interview)

Dem Werder-Geschäftsführer ist nach dem 0:6-Debakel in Stuttgart anzumerken, wie sehr die sportliche Talfahrt und Platz 11 an ihm nagen. 308592(DIASHOW: Der 11. Spieltag)

Harmonie und Zusammenhalt wurde in Bremen lange Zeit als oberste Prinzipien gepredigt.

Jetzt treten Bruchstellen auf, die charakterliche Mängel im Team zeigen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Machen wir es ruhig an der Person Marko Arnautovic fest. Er hat sich immer wieder mal nicht wie ein Profi verhalten", klagte Allofs.

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Arnautovic enttäuscht sportlich und menschlich

Dem Ex-Spieler von Twente Enschede haben in Bremen vier Monate genügt, um sich nahezu unmöglich zu machen.

Sportlich enttäuschte der 21-Jährige, traf in zehn Bundesliga-Partien nur zweimal. Negativer Höhepunkt waren aber die Fehlschüsse im DFB-Pokal gegen den FC Bayern.

Und auch menschlich hat Arnautovic sein Bestes getan, um den Ausspruch seines Ex-Trainers bei Inter, Jose Mourinho, - "Marko ist ein Kindskopf" - mit Beweisen zu belegen.

Nach der 2:3-Niederlage in Nürnberg verweigerte er zunächst Sandro Wagner den Handschlag, später zoffte er sich mit Allofs.

Laut "Bild" soll Arnautovic - seine Mutter ist Österreicherin, der Vater Serbe - den Werder-Boss auf Serbisch mit einer Bezeichnung des weiblichen Geschlechtsorgans beleidigt haben.

Allofs soll dann gedroht haben, dass "jedes weitere Wort" Geld koste. Arnautovic erwiderte angeblich: "Kannst mir das ganze Gehalt abziehen und an deine Familie verteilen."

Aus Problemfällen wurden Stars

Allofs äußerte sich zu dem Vorfall nicht. Dass er nun Arnautovic anprangert, lässt aber Interpretationsspielraum.

Zumal der 53-Jährige schon in der Vergangenheit von Konsequenzen gesprochen hatte, sollte sich Arnautovic nicht einfügen. Dem Talent droht der Rauswurf.

Allofs muss sich derzeit fühlen, als ob er in der Videothek versehentlich statt einer Komödie mit gutem Ende einen Horrorfilm ausgeliehen hätte.

Denn die in der Vergangenheit bewährte Bremer Praxis funktioniert nicht mehr, Problemprofis nach Bremen zu holen und dort in mannschaftstaugliche Stars zu verwandeln.

Dabei beeindruckt die Werder Erfolgsgeschichte: Auf Regisseur Johan Micoud folgte Diego, zu diesem Zeitpunkt nur Ergänzungsspieler in Porto.

Kein Ersatz für Özil

Diego wiederum löste Mesut Özil ab. Dabei präsentierte sich der Ex-Schalker direkt nach seinem Wechsel noch verschüchtert, ehe er an der Weser zum Nationalspieler heranreifte.

Özil brilliert jetzt allerdings bei Real Madrid. Die Grün-Weißen haben keinen Ersatz für ihn gefunden. Marko Marin kann die Rolle nicht ausfüllen, ist auch ein anderer Spielertyp.

Und aus Arnautovic, der als Hoffnungsträger für die Abteilung Attacke gedacht war, wird ein Problemfall.

Er zeigt, dass sich die Werder Fehlgriffe auf dem Transfermarkt häufen.

Bislang galt Carlos Alberto als Paradebeispiel dafür, dass auch die umsichtigen Bremer Millionen - genau 7,8 Millionen Euro - in den Sand setzen können.

Schaaf in der Kritik

In dieser Saison enttäuscht auch Mikael Silvestre, lediglich der Brasilianer Wesley scheint eine Verstärkung zu sein.

Doch den talentierten Mittelfeldmann stellte Trainer Thomas Schaaf in Stuttgart auf die Position des rechten Verteidigers und erlebte damit ein Waterloo.

Die "Bild" schlägt angesichts der Pleiten-Serie hart auf den Werder-Coach ein.

Die Spieler würden klagen, dass Schaaf sie distanziert behandle, sich keine Zeit für Einzelgespräche nehme.

Doch Aufsichtsrats-Boss Willi Lemke hält weiter zum sportlichen Führungsduo: "Allofs und das Trainerteam um Schaaf genießen unser vollstes Vertrauen - ohne Wenn und Aber."

Selbst wenn Marko Arnautovic noch Jahre in Bremen spielen sollte, auf einen solchen Vertrauensbeweis wird er lange warten dürfen. Am Dienstag nahm er nicht am Training teil, sondern meldete sich nach einem Arzt-Besuch krank.

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