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Dede (l.) spielt seit zehn Jahren beim BVB, Klopp (r.) ist neu im Ruhrgebiet © getty

Die Saison 2008/2009 rückt immer näher. Sport1 stellt in der Bundesliga-Vorschau alle 18 Teams vor. Diesmal: Borussia Dortmund.

Von Katrin Freiburghaus

München - Der BVB sucht bereits seit einigen Jahren nach seiner Form.

6, 7, 7, 9, 13 ? das sind nicht die aktuellen Lottozahlen, sondern das Protokoll des Dortmunder Abwärtstrends in der Tabelle seit 2004.

Nach langer Stagnation neigte sich die Formkurve beim Champions-League-Sieger von 1997 in der vergangenen Saison sogar bedenklich Richtung Abstiegszone.

Drei Trainer in zwei Jahren

Der Unmut der Führungsetage mit den erzielten Ergebnissen äußerte sich in der Fluktuation auf der Trainerbank.

Im Laufe der vergangenen zwei Spielzeiten standen mit Bert van Marwijk, Jürgen Röber und Thomas Doll gleich drei verschiedene Trainer an der Seitenlinie.

Unter Doll sicherte sich der Klub durch den Einzug ins DFB-Pokal-Finale immerhin die Teilnahme am UEFA-Cup. Mit Jürgen Klopp soll neben Kontinuität auf der Bank nun auch der Liga-Erfolg zu den Schwarz-Gelben zurückkehren.

Baustelle Abwehr

62 Gegentore offenbarten in der vergangenen Saison die größte Schwachstelle des sechsmaligen Deutschen Meisters vom Borsigplatz: Die Abwehr.

Deshalb hat sich in diesem Bereich im Sommer einiges getan. Haudegen Christian Wörns verließ den Verein. Markus Brzenska ist an den MSV Duisburg ausgeliehen, Philipp Degen wechselte nach Liverpool und Martin Amedick zum 1. FC Kaiserslautern.

Wer ist neu

Neven Subotic folgte seinem Trainer Klopp aus Mainz für 4 Millionen Euro Ablöse zur Borussia und bildete im Supercup-Finale ein Innenverteidiger-Duo mit der Bayern-Leihgabe Mats Hummels.

Ebenfalls für die Innenverteidigung wurde der Brasilianer Felipe Santana für 2,1 Millionen verpflichtet. Für die rechte Außenbahn eiste Dortmund Patrick Owomoyela für 2,4 Millionen aus Bremen los, wo er zuletzt nur noch selten zum Einsatz gekommen war.

Tamas Hajnal kam für 1,25 Millionen vom Karlsruher SC und erwies sich in den bisherigen Testspielen bereits als Bereicherung für das BVB-Mittelfeld.

"Rohdiamant" kehrt zurück

Gespannt sein darf man auf die Rückkehr des einstigen "Rohdiamanten" Nuri Sahin.

Nach einem Traumstart in die Bundesliga als 16-Jähriger fiel der heute 19 Jahre alte Mittelfeldspieler in seiner zweiten Saison beim BVB in ein Leistungsloch. Er ließ sich daraufhin für ein Jahr zu Feyenoord Rotterdam ausleihen.

Dort erzielte er in 27 Spielen sechs Tore, wurde Pokalsieger und ist nun wieder Dortmunder.

Wer ist der Hoffnungsträger?

Dortmunds neuer Star sitzt auf der Trainerbank. Jürgen Klopp, der Coole, der Lustige, der Nette. Der Mann von der selbsternannten Karnevalstruppe aus Mainz kann aber mehr als lustige Sprüche klopfen und warnte seine Profis gleich zum Amtsantritt schon mal vor.

"Es wird eine intensive Zeit. Ich werde versuchen, die Jungs dazu zu bringen, sich kritisch zu hinterfragen und künftig mehr zu investieren", sagte er.

Entgegen seinem Image werde selbstverständlich "auch Disziplin eine Rolle spielen". Ein kleines bisschen Karneval-Feeling versprach er den Fans dann aber doch.

"Die Spieler müssen das Letzte aus sich herausholen", sagte er, "dann dürfen sie beim Elfmeter auch mal ausrutschen. Rasenschach hat noch keine meiner Mannschaften gespielt."

Wie ist die Stimmung?

Nach dem Gewinn des inoffiziellen Supercups gegen die Bayern drohte die Stimmung im Umfeld der Borussen überzukochen. Kapitän Sebastian Kehl rief sofort zur Besonnenheit auf.

"Wir haben keinen Klopp-Bonus. Die Saison wird hart und wir haben eine junge Mannschaft - da ist auch Geduld gefragt", warnte der 28-Jährige vor Übermut.

Sein neuer Trainer legte gleich noch einen drauf: "Wer jetzt euphorisch wird, sollte wirklich mal die Drogen absetzen."

Die 1:3-Testspiel-Niederlage gegen Juventus Turin dürfte das Ihrige dazu getan haben, dass man die eigene Situation in Dortmund vernünftig einzuschätzen weiß.

Was sind die Ziele?

"Ich will versuchen, den Klub dorthin zu bringen, wo er wieder hin will", formulierte Klopp offensive Ziele, schränkte jedoch ein: "Die Schrittlänge muss stimmen."

Das bedeutet für seine erste Saison bei den Borussen eine bessere Platzierung als in der Vorsaison, also mindestens Rang zwölf.

Dass die Erwartungen bei Fans und Vereinsbossen weit höher sind, ist kein Geheimnis. Man wäre allerdings gut beraten, Klopp in Ruhe arbeiten zu lassen ? auch wenn im ersten Jahr noch keine Platzierung herausspringt, die für das internationale Geschäft reicht.

Sport1-Prognose:

Gelingt es Jürgen Klopp, das Leistungsvermögen des aktuellen Kaders abzurufen, ist für den BVB nach Platz 13 in der Vorsaison eine deutliche Steigerung drin.

Für die Uefa-Cup-Plätze wird es wohl noch nicht reichen. Wenn Stürmer Alexander Frei schnell wieder gesund wird und die Dortmunder von Verletzungen verschont bleiben, ist Platz sechs aber realistisch.

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