vergrößernverkleinern
Das letzte Duell zwischen Köln mit Lukas Podolski (l.) und Gladbach endete 1:1 © imago

Das Duell Köln - Gladbach ist brisant wie selten: Speziell bei Köln wären die Konsequenzen eines Misserfolgs unabsehbar.

Von Martin Hoffmann

München - "Luschen-Derby" war im vergangenen Jahr das Schlagwort, unter dem der örtliche Boulevard seine Geschichten zum Duell zwischen Köln und Mönchengladbach (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) verfolgte.

Diesmal fehlt ein so prägnantes Label, was aber nicht heißt, dass die Situation beider Klubs seitdem besser geworden ist.

Im Gegenteil: Die beiden Westrivalen bieten diesmal nur noch mehr Anlass für Spott.

Etwa in Form der Pappnasen, die die "Bild" Protagonisten beider Klubs angesichts des Karnevals-Auftakts ins Gesicht montierte.

Vorletzter gegen Letzter

Beide Klubs können derzeit wenig gegen solche Verhöhnungen tun: Sie begegnen sich diesmal als Vorletzter und Letzter der Liga (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Es sind die Gladbacher, die sportlich einen Platz und einen Punkt schlechter dastehen. Bei den Kölnern ist die Krise aber wie gewohnt turbulenter und umfassender.

Und in diesem Jahr fällt der heiß erwartete Schlagabtausch mit dem Erzkonkurrenten in eine besonders kritische Zeit.

24,1 Millionen Euro Schulden

Am kommenden Mittwoch findet die Jahreshauptversammlung des Klubs statt, heftige Kontroversen werden erwartet.

Um das verheerende sportliche Abschneiden, den hochumstrittenen Manager Michael Meier und den auch nicht mehr unantastbaren Präsident Wolfgang Overath - und auch um die Finanzen.

Am Donnerstag erst hatte Köln den Geschäftsbericht der vergangenen Saison vorgestellt und eröffnet, dass die Schulden des Klubs darin um elf Millionen auf 24,1 Millionen Euro gestiegen sind.

[kaltura id="0_kvhh4kms" class="full_size" title="Keine Karnevalsstimmung"]

Spekulationen über Overath-Rücktritt

Ausdauernd erklärte Geschäftsführer Claus Horstmann, dass dahinter Investitionen und "eine bewusste Strategie" steckten.

Eine Strategie, deren sportlicher Ertrag derzeit aber karg aussieht - und die in ein Desaster führen wird, sollte der drohende Abstieg in die Zweite Liga wahr werden.

Derartiges werden die Kölner am Mittwoch von ihren Mitgliedern um die Ohren gehauen bekommen - so dass es gar schon Spekulationen über einen Rücktritt Overaths gibt, sollte es ihm zu bunt werden.

Abgetöteter Aufschwung

Ein Pulverfass, das die Kölner Mannschaft gegen Gladbach mit einem Sieg entschärfen oder einer Niederlage noch explosiver machen kann.

Rechnen müssen die "Geißböcke" damit, nachdem das 1:3 in Nürnberg den zarten Aufschwung unter Trainer Frank Schaefer wieder abgetötet hat.

Und die Suspendierung von Adil Chihi wegen Disziplinlosigkeit für weitere Unruhe gesorgt hat.

"Unglaublich herausfordernd"

Auch für Schaefer steht wieder viel auf dem Spiel: Bei einem Misserfolg wird die Diskussion, ob er nicht doch einem etablierten Trainer weichen soll, wieder losgehen.

Und das gegen eine Mannschaft, gegen die Köln häufiger als gegen jedes andere Bundesliga-Team inklusive des FC Bayern verloren hat (40 Mal).

Der ehemalige Amateur-Coach findet die Gemengelage "unglaublich herausfordernd" und will "diesen Hunger auf das Spiel auf meine Mannschaft übertragen".

Treuebekenntnis zu Frontzeck

Ähnliche Pläne hat sein Gegenüber Michael Frontzeck, dessen Stuhl bei einer Niederlage auch wieder ins Wanken geraten könnte.

Wobei sein Klub in aller Deutlichkeit zu vermitteln versucht, dass genau das nicht passieren wird.

"Es wird kein Schicksalsspiel für irgendeine Person bei uns.", erklärt Manager Max Eberl. Den mit Frontzeck eingeschlagenen Weg wolle man "unerschütterlich weitergehen".

Zutrittsverbote und Spürhunde

Generell versuchen beide Klubs und ihr Umfeld, die Emotionen nicht anzuheizen.

Dass dies ein richtiger Gedanke ist, offenbart ein Blick in einschlägige Online-Foren, wo einzelne Fans etwa ankündigen, vor dem Derby den Beischlaf mit ihrer Freundin zu unterlassen, "damit ich aggressiver bin".

Die Polizeibehörden mühen sich eifrig, Ausschreitungen wie vor zwei Jahren zu verhindern. Um die 350 auffällig gewordene "Problemfans" sind angeschrieben und teils mit Zutrittsverboten belegt worden.

In den Zügen dürfen am Spieltag keine Glasflaschen mitgenommen werden, Spürhunde sollen im Stadion in einem Pilotversuch illegale Feuerwerkskörper erschnüffeln.

Auf dass Abstiegskampf, Finanzärger und Pappnasen die größten Probleme des Derbys bleiben.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel