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Raphael Schäfer bestritt für Nürnberg und Stuttgart bisher 161 Bundesliga-Spiele © getty

Nürnbergs Schäfer spricht vor dem Derby in München im SPORT1-Interview über die starken Auftritte des Clubs und SMS mit Ottl.

Von Christian Stüwe

München - Mit so viel Spannung wurde das bayrisch-fränkische Prestigeduell lange nicht erwartet.

Rekordmeister FC Bayern geht erstmals seit einer kleinen Ewigkeit als Verfolger ins 181. Derby am Sonntag (ab 17.15 im LIVE-TICKER) gegen den 1. FC Nürnberg.

Die Clubberer treten angesichts von zwei Punkten Vorsprung auf die Münchner selbstbewusst in der Allianz Arena an. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im Interview mit SPORT1 erklärt FCN-Keeper Raphael Schäfer die Marschroute und spricht über das Erfolgsgeheimnis des Teams von Dieter Hecking sowie die Saisonziele.

SPORT1: Sie haben in dieser Woche mit Ihrem Ex-Teamkollegen Andreas Ottl SMS ausgetauscht. Worum ging es denn da?

Raphael Schäfer: Das ist privat. (lacht)

SPORT1: Sicherlich war doch das anstehende Derby ein Thema?

Schäfer: Nein. Es ging um das Wetter, um die Familie und solche Sachen.

SPORT1: Also keine Androhungen, Wetten oder ähnliches?

Schäfer: Nein, gar nicht.

SPORT1: Ottl wurde in der vergangen Saison gemeinsam mit Breno nach Nürnberg ausgeliehen, dieses Jahr verstärkt die Münchner Leihgabe Mehmet Ekici die Club-Offensive. Untergraben diese Leihgeschäfte nicht ein wenig die natürliche Derby-Rivalität?

Schäfer: Nein. Ich glaube, es ist einfach gut, wenn zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Nürnberg ein Austausch stattfindet. Früher war die Rivalität anders, da waren die Vereine auf Augenhöhe. Das ist jetzt nicht mehr so. Von daher ist es sehr schön, wenn der Club von diesen gut ausgebildeten Spielern profitiert.

[kaltura id="0_dv33dnmu" class="full_size" title="Bayerns Lazarett lichtet sich"]

SPORT1: Zumindest momentan steht der Club sogar vor den Bayern. Können Sie sich angesichts der komfortablen Ausgangslage noch mehr auf das Derby freuen?

Schäfer: Wenn man nach München fährt, freut man sich immer. Aber es ist mal ein anderes Gefühl, dahin zu fahren und zu wissen, dass wir auch ohne Sieg nicht gleich wieder unten reinrutschen. Von daher haben wir eine gute Ausgangslage für das Spiel. Jetzt werden wir versuchen, diese Ausgangslage noch zu verbessern.

SPORT1: Der 1. FC Nürnberg hat seit 18 Jahren nicht mehr bei Bayern gewonnen. Was macht sie optimistisch, dass es diesmal klappt?

Schäfer: In Bremen hatten wir auch schon lange nicht mehr gewonnen und haben es jetzt geschafft. Wir haben jetzt eine Mentalität, dass wir uns sagen, egal gegen wen und wo wir spielen, wir haben die Möglichkeit das Spiel zu gewinnen. Am Ende liegt das nur an uns, ob wir das schaffen oder nicht. Wenn der FC Bayern einen sehr guten Tag erwischt, wird das für den 1. FC Nürnberg natürlich schwer. Aber es gibt schon Wege und Möglichkeiten, dass wir in München etwas mitnehmen können.

SPORT1: Der FC Bayern hat die ganze Spielzeit schon mit Problemen zu kämpfen. Wie stark schätzen Sie den Gegner derzeit ein?

Schäfer: Die Bayern haben sich schon etwas gefangen im Vergleich zu Beginn der Saison, als sie mit größeren Problemen zu kämpfen hatten. Ich glaube, dass sie in den nächsten Wochen wieder zu ihrem normalen Leistungspotenzial finden werden.

SPORT1: Kann der Club von den Problemen der Bayern profitieren?

Schäfer: Wir können von uns profitieren. Wenn wir ihnen die Aufgabe möglichst schwer machen, wird es auch für die Bayern schwer, uns zu schlagen. Wir wollen nicht von der Schwäche der Bayern profitieren, sondern von unserer eigenen Stärke.

SPORT1: Wo sehen Sie die Gründe dafür, dass der 1. FC Nürnberg derzeit so stark spielt?

Schäfer: Wir haben es innerhalb von kurzer Zeit geschafft, eine richtig gute Einheit zu werden. Vor allem die Leihspieler sind sensationell eingeschlagen. Damit war nicht unbedingt zu rechnen, dass das so schnell klappt. Mit "Pelle" Nilsson und Timmy Simons haben wir noch zwei erfahrene Spieler dazubekommen, die die jungen Spieler auch weiterbringen.

SPORT1: Wann denken Sie über neue Saisonziele nach?

Schäfer: Für uns gibt es überhaupt keinen Grund, über neue Saisonziele nachzudenken. Es sind gerade einmal elf Spiele gespielt. Wir freuen uns darüber, dass wir einen gewissen Puffer nach unten haben. Den haben wir uns hart erarbeitet. Es ist schön, wenn man nicht vor jedem Spiel rechnen muss: Was ist, wenn wir nicht gewinnen? Was machen die Konkurrenten? Jetzt ist es einfach so, dass wir auf uns gucken können. Und wenn wir so weiterspielen, können wir den Klassenerhalt vielleicht nicht erst am 34. Spieltag oder in der Relegation sichern, sondern sind vielleicht schon am 30. oder 31. Spieltag durch.

SPORT1: Rechnen Sie mit einer Saison ohne Abstiegsangst?

Schäfer: Bis jetzt ja. Wir scheinen sehr gefestigt zu sein. Natürlich bin ich nicht der Prophet, der sagen kann, die Saison läuft so oder so. Es gibt immer wieder Dinge, auf die man sich neu einstellen muss. Aber wir versuchen es und ich hoffe auch, dass wir es schaffen, da unten nicht mehr reinzurutschen.

SPORT1: Sie haben erst 15 Gegentore kassiert. Stört es sie ein wenig, dass angesichts des Trubels um das Offensiv-Trio mit Julian Schieber, Mehmet Ekici und Ilkay Gündogan die starke Defensive etwas weniger gewürdigt wird?

Schäfer: Mich stört gar nichts. Mich freut es, wenn die Jungs da vorne gut spielen und wir die Spiele gewinnen können. Wir freuen uns, dass wir als Mannschaft funktionieren. Es kommt nicht darauf an, ob irgendjemand in der Zeitung steht und gelobt wird. Als Mannschaft funktioniert es sehr gut, vorne wie hinten, alle elf Spieler. Darüber freuen wir uns.

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