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BVB-Coach Jürgen Klopp (r.) legt sich mit dem 4. Offiziellen Stefan Trautmann an © imago

Der BVB-Trainer leistet sich gegen den HSV ein Tete-a-tete mit dem 4. Schiedsrichter - und das Feuer springt auf sein Team über.

Von Stefan Missy

Dortmund/München - Jürgen Klopp ist bekanntlich kein Kind von Traurigkeit - besonders nicht, wenn seine Mannschaft spielt 310783(Klopps Karriere in Bildern).

Für den Trainer von Borussia Dortmund ist jede Partie eine emotionale Achterbahnfahrt und so hielt es den 43-Jährigen auch beim verdienten 2:0-Erfolg über den Hamburger SV selten auf seiner Bank 311594(DIASHOW: Der 12. Spieltag).

Während seine "jungen Wilden" das Geschehen im ersten Durchgang kontrollierten, sich jedoch kaum Torchancen erspielen konnten, tigerte der Coach an der Seitenlinie auf und ab.

Fehlentscheidung als Initialzündung

In der 41. Minute kam der bereits spürbar brodelnde "Vulkan" Klopp dann zum Ausbruch.

Nach einer Grätsche von Ze Roberto gegen Mario Götze entschied Schiedsrichter Deniz Aytekin nicht auf Freistoß für den Spitzenreiter, sondern ließ das Spiel weiterlaufen.

Nach dieser klaren Fehlentscheidung ging Klopp in seiner Coachingzone in die Luft wie ein "HB-Männchen", schimpfte drauflos wie von der Tarantel gestochen.

"Werde mich entschuldigen"

Als der 4. Offizielle Stefan Trautmann den Trainer in die Schranken weisen wollte, plusterte der sich wie ein Kampfhahn auf - und wischte dem Referee dabei mit dem Schirm seiner Kappe über die Nase.

Dass solche "Attacken" nicht die feine englische Art sind, sah er später auch selbst ein. Schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff gab sich der Übeltäter sichtlich geläutert.

"Wenn ich die Szene jetzt so im Fernsehen sehe, muss ich sagen, dass das nicht in Ordnung war. Ich werde mich bei Trautmann entschuldigen, wir haben uns später auch schon die Hand gegeben", sagte Klopp, dem nach dieser Aktion wohl Ärger mit dem DFB droht.

Dennoch schien die Szene Signalwirkung zu haben. Die Halbzeitpause wenige Minuten später nutzte der heißblütige Coach, um sein Team neu auf die ebenso defensiv wie einfallslos agierenden Hanseaten einzustellen - und das mit Erfolg.

"Wir haben ihnen drei Szenen gezeigt. Vor allem, wie sie in die Räume stoßen müssen. Das haben sie dann sehr gut umgesetzt", zeigte sich Klopp später zufrieden.

Kabinenansprache zeigt Wirkung

In der Tat: Dortmund drehte nach dem Seitenwechsel mächtig auf. Nach 49 Minuten brach Shinji Kagawa den Bann.

"Es ist eine unglaublich erfüllende Zeit, die ich gerade bei Borussia Dortmund erlebe. Wenn es so läuft, dann macht es unglaublich viel Spaß", meinte der Japaner nach seinem sechsten Saisontor.

Für die Entscheidung sorgte dann Torjäger Lucas Barrios, der eine Traumkombination nach dem Schema "Hacke, Spitze - eins, zwei, drei" vollendete (70.).

Meisterschaft nach "Kampfspiel" kein Thema

Für Neu-Nationalspieler Kevin Großkreutz war es trotz einzelner Glanzlichter "ein Kampfspiel von der ersten Minute an".

Auch der Trainer versuchte nach dem Arbeitssieg weiter tiefzustapeln, wollte von der siebten Meisterschaft, die für den BVB angesichts der souveränen Tabellenführung immer näher rückt, (noch) nichts wissen.

"Wir haben ja klare Ziele. Die heißen, Woche für Woche guten Fußball zu zeigen. Das ist nicht immer deckungsgleich mit dem, was man uns einreden möchte. Aber damit kommen wir klar", meinte Klopp.

"Keine einfache Situation" beim HSV

Auf der Gegenseite lobte man die Borussia in höchsten Tönen: "Ich sehe Parallelen zu der jungen Stuttgarter Mannschaft, mit der ich Meister geworden bin", sagte HSV-Trainer Armin Veh.

Mit der Leistung seiner ersatzgeschwächten Mannschaft, die nur eines der vergangenen sechs Pflichtspiele gewonnen hat, konnte er dagegen nicht zufrieden sein.

"Wir haben in der ersten Halbzeit nichts zugelassen, aber auch nicht ein Mal aufs Tor geschossen, und nach dem Wechsel nur ein Mal. So haben wir ganz oben nichts zu suchen", stellte der 49-Jährige klar. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Unsere personelle Situation macht es uns nicht leichter", schwankte Veh zwischen Zweckoptimismus und Ernüchterung. "Das ist keine einfache Situation, das kann man irgendwann nicht mehr kompensieren."

Kacar der nächste Ausfall

Zumal sich zu den "neun, zehn Verletzten" mit Gojko Kacar ein weiterer Akteur hinzugesellte. Der Serbe humpelte schon nach einer halben Stunde mit Verdacht auf Bänderriss im rechten Sprunggelenk vom Platz.

Und so mussten die Hanseaten am Ende selbst einsehen, dass der Gegner an diesem Tag wohl zu stark war. Trotzdem richtete sich der Blick schon wieder nach vorne.

"Dortmund steht nicht zu Unrecht da oben, es war ein schwieriges Spiel. Nächste Woche in Hannover erwartet uns eine andere Partie, in der wir die Punkte dann holen wollen", hakte Ze Roberto die vierte Saisonniederlage ab.

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