Nach der Derby-Pleite droht Frank Schaefer als siebtem Trainer der Overath-Ära das Aus. Dabei ist der FC-Boss hauptverantwortlich.

Das Bild hätte nicht passender sein können:

Wie ein begossener Pudel stand Kölns Trainer Frank Schaefer am Seitenrand und musste wie die frustrierten Fans der 0:4-Pleite gegen Mönchengladbach machtlos zuschauen.

Debakel im Derby, Letzter in der Bundesliga ? beim 1. FC Köln ist schon zwei Tage nach der offiziellen Eröffnung des Karnevals am 11.11. Aschermittwoch.

Ein ungewollter erster Höhepunkt der närrischen Session droht nun die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung der "Geißböcke" am Mittwoch zu werden.

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In der Vergangenheit war diese Veranstaltung schon oft für Realsatire gut - etwa, als Präsident Wolfgang Overath unmittelbar nach seiner Wahl im Sommer 2004 unter den Jubelstürmen der Mitglieder den Rauswurf von Trainer Marcel Koller verkündete.

Damals war der Traditionsklub gerade zum dritten Mal in die Zweite Liga abgestiegen, nun droht bereits der fünfte Abstieg seit 1998.

Sportlich hat sich der FC unter dem einst als Heilsbringer gefeierten Overath kein Stück nach vorne entwickelt, stattdessen mehr als 24 Millionen Euro Schulden angehäuft.

Dafür allerdings wurde nicht ansatzweise Qualität verpflichtet: Abgesehen von Lukas Podolski und einigen hoffnungsvollen Talenten ist das Team mehrheitlich eine Ansammlung von Legionären ohne Identifikation mit der Domstadt.

Overath, der nicht gerade als Arbeitstier gilt und in der Woche vor der Entlassung von Zvonimir Soldo im Urlaub weilte, ist dafür verantwortlich.

Langsam dämmert das auch den Anhängern, für die der einstige Kapitän bislang unantastbar war.

Doch der Ex-Nationalspieler hat es geschickt verstanden, andere nach vorne zu schieben, um so von seinem Anteil an der Misere abzulenken.

Allen voran Manager Michael Meier, der aufgrund seiner verheerenden Bilanz der große Buhmann in Köln ist.

Doch Overath hat erst im Vorjahr mit dem ehemaligen Dortmunder Schuldenmacher bis 2014 verlängert und stärkte ihm auch zuletzt den Rücken ? weil er Meier offenbar braucht, um von der eigenen Verantwortung abzulenken.

Stattdessen wurden fast immer die Trainer gefeuert, Soldo war bereits der sechste in sechs Jahren unter Overath.

Nun droht auch Frank Schaefer dieses Schicksal - obwohl Mannschaft und Fans hinter ihm stehen und er der erste FC-Trainer seit langem ist, der Konzept, Kompetenz und Identifikation mit dem Verein vereint.

Doch statt sich klar pro Schaefer zu positionieren und damit ein bisschen den permanenten Aufregungszustand in Köln zu beruhigen, sehnt man sich beim selbst ernannten Spitzenverein lieber nach einen Trainer mit klangvollem Namen.

So spricht auch diesmal vieles für die Wiederholung der Geschichte: Neuer Trainer, alte Führung, gleiche Probleme.

Ein Neuanfang sieht anders aus. Aber in Köln scheint Tradition wichtiger zu sein. Auch wenn es beim FC eine unrühmliche ist.

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