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Lukas Podolski erzielte in dieser Saison bislang drei Tore © imago

Der Absturz auf Platz 18 nach der Derby-Pleite gegen Gladbach schlagen dem FC auf den Magen. Die Bosse wollen Ruhe bewahren.

Von Daniel Rathjen

München/Köln - Lukas Podolski hockte auf dem vom Regen aufgeweichten Rasen und wollte es nicht glauben.

Das 0:4 (0:0) seines 1. FC Köln im rheinischen Derby und der Absturz auf den letzten Tabellenplatz hatten ihn regelrecht paralysiert.

Michael Frontzeck, Trainer von Borussia Mönchengladbach, zog ihn schließlich wieder in die Höhe 311594(DIASHOW: Der 12. Spieltag).

Aufbauhilfe vom Gegner, dem Erzrivalen. Ausgerechnet.

Obwohl sich die beiden grundsätzlich sympathisch sind: Allein die Tatsache dürfte dem FC-Angreifer den Rest gegeben haben.

In den Katakomben des RheinEnergie-Stadions fand er danach deutliche Worte für den Auftritt seiner "Geißböcke" (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Eine Beleidigung für die Fans"

"Das war eine der schlimmsten Niederlagen seit Jahren und eine Beleidigung für die Fans!", wütete der Nationalspieler.

Der FC könne daher nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen, meinte "Poldi": "Dieser Schock wird uns einige Zeit beschäftigen, das sitzt ganz tief."

Am Mittwoch steht die mit Spannung erwartete Jahreshauptversammlung an. Je nach Verlauf dieser Sitzung ist jedes Szenario denkbar.

Schaefer bleibt - vorerst

Eine Entlassung von Trainer Frank Schaefer schloss Manager Michael Meier am Samstagabend zunächst jedoch aus.

Dieser werde mit Sicherheit auch beim nächsten Spiel beim VfB Stuttgart auf der Bank sitzen.

Der Coach selbst war angeschlagen: "Für mich persönlich ist es eine große Enttäuschung, so eine Niederlage einzustecken", sagte Schaefer bei LIGA total!.

Wie geht es weiter?

"Das war ein Tiefschlag, der Folgeerscheinungen haben wird", vermutete er.

Wie die ausfallen, ist noch unklar. Meier wollte von einem eigenen Rücktritt oder dem von Präsident Wolfgang Overath weiter nichts wissen.

"Ich persönlich mache weiter, weil man nicht beim ersten Gegenwind einknicken darf", sagte der Manager.

Auch eine Amtsmüdigkeit bei Overath könne er "zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennen".

Meier hofft nun am Mittwoch auf einen "sachlichen Dialog": "Dieser zuletzt so gebeutelte Verein braucht Ruhe, um in die Erfolgsspur zurückzukehren, und die Mitglieder sind keine Gegner, sondern Partner", betonte er.

Gegenwind für Meier

Unter den Fans formiert sich jedoch immer stärker Widerstand gegen die Bosse - vor allem gegen Meier.

Den Frust aus der Kurve bekamen aber auch die Profis zu spüren.

Als sie sich vor ihnen verabschieden wollten, schlugen ihnen so offensichtlich Pfiffe und Ablehnung entgegen, dass sie sogleich in die Kabine flüchteten.

Durchweg schlecht war ihre Leistung auf rutschigem Boden jedoch nicht. 21 Torschüsse gaben die "Geißböcke" ab - das bedeutete einen neuen Saisonrekord.

Gladbacher Hochgenuss

Auch ansonsten waren die Spielanteile ausgeglichen verteilt. Die Effektivität machte den Unterschied.

Am Ende fiel der Sieg nach Toren des überragenden Raul Bobadilla (52./90.+1) sowie von Michael Bradley (70.) und Igor de Camargo (82.) tatsächlich zu hoch aus.

Den "Fohlen" war es egal, sie genossen den Prestigeerfolg in vollen Zügen.

"Bei den Verhältnissen auf diesem Platz eine solche Leistung zu bringen und 4:0 in Köln zu gewinnen: Da brauche ich keinem Gladbacher zu sagen, wie geil das ist", schwärmte Kapitän Tobias Levels.

levels: "Gefühlte neun Punkte"

Und er legte nach: "Auf dem Papier sind das drei Punkte - gefühlt sind es neun."

Frontzeck, für den der Sieg ebenfalls etwas "ganz Besonderes" war, bemühte sich dagegen, realistisch zu bleiben:

"Wir sind immer noch Vorletzter und haben weiterhin schwere Wochen vor uns", sagte er.

Grund für süßen Optimismus gibt es trotzdem:

Für die Borussia war es der höchste Sieg überhaupt seit achteinhalb Jahren (damals ein 4:0 gegen Köln), der höchste Auswärtserfolg seit 17 Jahren (ebenfalls ein 4:0 in Köln).

Erstmals in dieser Saison blieb das Team ohne Gegentor und ist nicht mehr Letzter.

Umso bitterer für die Kölner.

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