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Christian Wetklo absolvierte bisher 47 Bundesliga-Spiele für Mainz © imago

Nach der Pleite gegen Hannover liegen bei 05 die Nerven blank. Der Keeper vergisst sich, Tuchel hat Sorge vor Grabenkämpfen.

Mainz - Als die zuletzt trudelnden Himmelsstürmer des FSV Mainz 05 endgültig zum Opfer ihres Erfolgs geworden waren, platzte Christian Wetklo der Kragen.

Erst zeigte der FSV-Torhüter den pfeifenden Fans einen Vogel, dann ging der 30-Jährige auch verbal auf Konfrontationskurs zur erstmals mäkelnden Anhängerschaft.

"Wenn die Fans um die Meisterschaft spielen wollen, dann müssen sie eben Mitglied bei Bayern München werden", schimpfte Wetklo nach dem 0:1 (0:1) gegen Hannover 96 und erklärte: "Nach zehn Minuten hatten wir doch ein Auswärtsspiel im eigenen Stadion. In zehneinhalb Jahren in Mainz habe ich so etwas noch nie erlebt."

Ausgerechnet zwei Tage nach dem Beginn der fünften Jahreszeit herrschte beim selbsternannten Karnevalsverein Katerstimmung. 311229(DIASHOW: Der 12. Spieltag)

Pfiffe auf der Tribüne

Besonders auf der Tribüne, wo die Erwartungshaltung nach dem Traumstart mit sieben Siegen in sieben Spielen zu Rundenbeginn offenbar ins Unermessliche gestiegen ist.

Mit deutlichen Unmutsbekundungen quittierte ein Teil der Zuschauer die Leistung bei der vierten Pflichtspielpleite in Serie, die Hannovers Sergio Pinto (44.) mit einem Sonntagsschuss aus 26 Metern besiegelte.

Selbst eine Überzahl nach der Gelb-Roten Karte gegen 96-Kapitän Steven Cherundolo (68.) konnten die Gastgeber nicht nutzen.

Strutz: Fans zu kritisch

"Nach unserem tollen Saisonstart erwarten die Fans wohl, dass wir in jedem Spiel ein Feuerwerk abbrennen. Sie waren in der ersten Halbzeit wirklich zu kritisch", sagte auch FSV-Präsident Harald Strutz.

Nach der dritten Heimschlappe hintereinander ist der Rückstand des Tabellendritten Mainz auf Spitzenreiter Borussia Dortmund auf sieben Punkte angewachsen.

Für Wetklo rechtfertigt dies aber noch lange kein Pfeifkonzert. Man sei jetzt da, wo man hingehöre. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir sind nicht Bayern München"

"Wir sind Mainz 05, nicht Bayern München. Und wir werden nicht um die Meisterschaft mitspielen. Man kann doch nicht erwarten, dass wir jeden Gegner an die Wand spielen", sagte der angefressene Mainzer-Keeper.

Wetklo zog sich mit seiner Verbalattacke gegen die eigenen Fans allerdings auch Kritik zu.

"Seine Reaktion war unpassend", urteilte FSV-Manager Christian Heidel, der den Anhängern aber zumindest eine "gewisse Formschwäche" attestierte.

Realist Tuchel mahnt

Thomas Tuchel mahnte indes vor möglichen Folgen des Wetklo-Ausrasters

Der Trainer zeigte im Ansatz Verständnis für die Zuschauer: "Wir haben die Erwartungen doch selbst geweckt und leben gerne damit. Es ist nicht angebracht, einen Keil zwischen Mannschaft und Publikum zu treiben."

Für Tuchel ist die sportliche Entwicklung nicht überraschend. "Wir kommen in der Wirklichkeit an", sagte der 37-Jährige.

Schürrle und Holtby im Tief

Bezeichnend für die Krise der Mainzer, dass auch die erstmals für die A-Nationalmannschaft nominierten Andre Schürrle und Lewis Holtby im Formtief stecken.

Beide schwiegen nach der neuerlichen Pleite. Dafür redete FSV-Verteidiger Christian Fuchs Klartext:.

"Jetzt müssen wir eben laufen, kratzen, beißen und kämpfen bis zum Umfallen", äußerte der Österreicher und forderte die Wende.

Slomka erleichtert - und erbost

Erleichterung herrschte indes bei Hannover. Nach zuletzt zwei 0: 4-Pleiten in Serie beendete Pinto mit seinem ersten Saisontreffer eine 255-minütige Torflaute.

Schwer im Magen lag Trainer Mirko Slomka trotz des sechsten Saisonsieges der umstrittene Platzverweis für Kapitän Cherundolo wegen wiederholten Foulspiels.

"Das war nicht Gelb-Rot-würdig. Jetzt sind wir wieder die bösen Hannoveraner", meinte Slomka.

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