

Lama-Attacke von Pinola: "Schweini" außer sich
Von Stefan Missy, Christian Paschwitz
und Christian Ortlepp
München - Die Aufholjagd des FC Bayern hat wieder neue Fahrt aufgenommen (DIASHOW: Der 12. Spieltag).
Mit dem verdienten 3:0-Sieg im 53. bayrisch-fränkischen Derby gegen den 1. FC Nürnberg haben sich die Münchner auf den sechsten Platz verbessert. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Doch es gab einen Riesen-Aufreger, der an "Lama" Frank Rijkaard bei der WM 1990 erinnerte: Damals war der Leidtragende Rudi Völler, jetzt Bastian Schweinsteiger. Ihm stand die Verärgerung nach Schlusspfiff ins Gesicht geschrieben.
Der Auslöser war eine Szene am Ende der ersten Halbzeit:
Nach einer Auseinandersetzung mit Javier Pinola drehte sich der Nationalspieler wieder ab, als ihn der Argentinier - unbemerkt von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) - anspuckte (die Lama-Attacke in Bildern).
Schweinsteiger war außer sich und sagte Pinola schon beim Gang in die Kabine zur Halbzeit lautstark seine Meinung.
Nach dem Spiel fand er im Gespräch mit SPORT1 deutliche Worte:
"Gehört nicht auf den Platz"
"Das ist ein Verhalten, das nicht in die Bundesliga gehört. Das ist kein Fairplay, kein Respekt. Das gehört nicht auf den Platz", sagte der 26-Jährige.
"Pinola wird sagen, dass es vorher schon ein paar Szenen bei Freistößen, bei denen immer wieder gehalten wurde, gab. Aber dass mir dann einer an den Kopf spuckt, das habe ich noch nie erlebt", fügte er an.
Ihm fiel es sichtlich schwer, sich zurückzuhalten: "Am liebsten hätte ich ihm eine Watschn verpasst. Aber womöglich wäre ich dann vom Platz geflogen."
Bei Ehrenpräsident Franz Beckenbauer rief so viel Selbstbeherrschung Respekt hervor.
Der "Kaiser" zürnt
"Das ist die schlimmste Form der Verachtung. Ich weiß nicht, ob ich mich so zurückgehalten hätte wie der Bastian. Von mir hätte er vermutlich einen Fußtritt bekommen, dass er aus dem Stadion geflogen wäre", wetterte er.
Pinola selbst wollte sich eigentlich nicht äußern, auf SPORT1-Nachfrage bestritt er jedoch, gespuckt zu haben, was angesichts der Faktenlage (die Lama-Attacke in Bildern) allerdings unglaubwürdig erscheint.
Club lässt Chancen liegen
Zu knabbern haben er und der Club an dem Abend in der Allianz Arena ohnehin. Die Bayern waren durch Mario Gomez schon früh in Führung gegangen (10.), Philipp Lahm hatte per Strafstoß das 2:0 nachgelegt (57.).
Für Club-Coach Dieter Hecking war das Spiel spätestens nach diesem zweiten Gegentor gelaufen.
"Was meine junge Mannschaft auch noch lernen muss, ist, dass sie nach dem 0:2 nicht aufmacht", ärgerte sich der 46-Jährige. "Da haben wird den FCB eingeladen."
Ribery feiert Comeback
Und die Münchner bedankten sich standesgemäß: Nach einer Ecke des eingewechselten Franck Ribery, der nach langer Verletzungspause ein umjubeltes Comeback feierte, war wiederum Gomez mit seinem siebten Saisontor zur Stelle (75.).
Kurz vor Schluss hätte der Nationalstürmer sogar einen "Dreierpack" schnüren können, scheiterte allerdings per Elfmeter (87.).
"Unerklärlich. Ich wusste, in welche Ecke er geht. Vielleicht war ich etwas übermotiviert. Ich war der erste auf der Liste beim Trainer und war mir so etwas von sicher", haderte der 24-Jährige.
Van Gaal zufrieden
Sein Vorgesetzter drohte sofort mit Konsequenzen: "Wenn er bei diesem Stand einen Elfmeter verpatzt, das ist unglaublich. Er kommt wieder ans Ende der Liste", scherzte Bayern-Coach Louis van Gaal.
Ansonsten war er zufrieden: "Wir haben sehr souverän gespielt", bilanzierte er. Der Blick richtete sich sofort wieder nach vorne, das Rechnen hat längst begonnen.
"Wir müssen versuchen, vor der Winterpause mindestens 30 Punkte zu holen. Dann sind wir noch immer dran, es kann dann noch viel passieren", gab der Niederländer die Marschrichtung vor.
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