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Zehn Siege konnten die BVB-Spieler in dieser Saison schon bejubeln © getty

Dortmund enteilt der Konkurrenz. Der Weg zur Schale ist aber steinig. SPORT1 erklärt, was für und was gegen die Meisterschaft spricht.

Von Marcus Giebel

München - Am Samstag feiert Borussia Dortmund ein kleines Jubiläum.

Nach dem Spiel beim SC Freiburg (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) werden die Schwarz-Gelben zum 100. Mal an der Spitze der Bundesliga stehen.

Angesichts von sieben Zählern Vorsprung auf Platz zwei ist daran nicht zu rütteln. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Für den BVB ist in dieser Saison aber weitaus mehr drin als nur der Sprung in den "Klub der Hunderter".

Veh: "Dortmund ist Favorit"

Hamburgs Coach Armin Veh brachte es am vergangenen Freitag nach dem 0:2 seines Teams beim Spitzenreiter auf den Punkt: "Dortmund ist Meisterschafts-Favorit. Sie sind sehr laufstark, haben gutes Tempo und spielen dazu noch richtig guten Fußball."

Er fühle sich erinnert an die Stuttgarter Meistermannschaft von 2007. Veh muss es wissen, er war damals VfB-Trainer.

Da Silva sieht Parallelen zum VfB

Damals bei den Schwaben und heute im Team der Westfalen: Antonio da Silva.

Der Brasilianer sieht Parallelen zwischen beiden Mannschaften: "Im Training wurde sehr konzentriert gearbeitet. Die Konkurrenz im Kader forderte jeden Einzelnen."

Tut der BVB es also dem VfB gleich und krönt sich zum besten Team des Landes? SPORT1 erklärt, was für und was gegen die siebte Meisterschaft des BVB spricht.

PRO: Hungriges Team

Beim Blick zurück ins Jahr 2007 betont Antonia da Silva: "Wir wollten unbedingt alle einen Titel holen, weil kaum jemand bis dahin schon etwas erreicht hatte."

Auch das gilt für die Dortmunder Mannschaft. Abgesehen von Sebastian Kehl und Dede hat noch kein Akteur im Team von Trainer Jürgen Klopp die Schale in Händen gehalten.

Lucas Barrios und Shinji Kagawa haben in der Heimat Erfolge gefeiert, in Europa aber noch keinen großen Namen.

So steht das Gros der Spieler noch am Anfang vielversprechender Karrieren. Das Durchschnittsalter beträgt gerade einmal 21,1 Jahre.

CONTRA: Unerfahrenheit

Diese Unerfahrenheit kann sich als Stolperstein erweisen. Denn bislang gab es nur eine Richtung - steil nach oben.

Wie das Team mit Negativerlebnissen in der Liga umgeht, wird sich erst zeigen, wenn nicht mehr alles rund läuft.

"Dortmunds Schwächephase wird kommen?, glaubt Bayern-Stürmer Mario Gomez: "Sie können ja auch ein paar Mal unentschieden spielen."

PRO: Spieler in der Hinterhand

Die BVB-Routine befindet sich derzeit nahezu geschlossen im Lazarett. Kehl (30), Dede (32), Patrick Owomoyela (31) und Mohamed Zidan (28) standen Trainer Jürgen Klopp bislang kaum oder gar nicht zur Verfügung.

Vor allem die Rückkehr des Kapitäns wird herbeigesehnt. "Kehl ist eine Säule", sagt Torwart Roman Weidenfeller.

CONTRA: Unruhe durch Rückkehrer

[kaltura id="0_9xruusz3" class="full_size" title="Geht die Schale in den Pott "]

Wenn Kehl wieder fit ist, wird er mit Macht in die Startelf drängen.

Sven Bender hat auf der Position in der Mittelfeldzentrale zwar zahlreiche Argumente gesammelt. Die Lobby, um einen Kehl auf die Bank zu verdrängen, hat er aber nicht.

Auf der rechten Verteidigerposition droht Lukasz Piszczek dasselbe Schicksal, wenn Owomoyela wieder fit ist.

Dann stellt sich die Frage: Rücken die Erfolgsgaranten ohne Murren zurück ins zweite Glied?

PRO: Teamgeist

Angesichts des Zusammenhalts innerhalb des Teams sollte es da keinerlei Probleme geben.

Denn trotz der immer häufiger in den Mittelpunkt rückenden Kagawa, Nuri Sahin oder Mario Götze gilt: Der Star ist die Mannschaft.

"Eins-gegen-eins-Situationen entstehen bei uns eigentlich nie, weil immer gleich ein Zweiter hinzukommt, um zu helfen?, erklärt Abwehrspieler Neven Subotic und betont: ?Dieses Mannschaftsgefühl ist einmalig."

CONTRA: Abwerbungsversuche

Subotic und einige seiner Teamkollegen werden in regelmäßigen Abständen mit europäischen Top-Klubs in Verbindung gebracht. Manchester United soll besonders heiß auf den 21-Jährigen sein.

Auch der Name Götze mischt mittlerweile kräftig mit. Der 18-Jährige wurde in italienischen Medien jüngst zu Real Madrid geschrieben - ungeachtet seiner Vertragsverlängerung bis 2014.

An Abwerbungsversuche und taktische Störfeuer werden sich die Borussen in den kommenden Monaten gewöhnen müssen. Auch die Bayern werden wohl nicht nur den Namen Sahin öffentlich diskutieren.

PRO: Jürgen Klopp

Trotz der Avancen der europäischen Großmächte wird aber kein BVB-Profi abheben. Dafür sorgt Klopp höchstpersönlich.

Der 43-Jährige erdet seine Spieler bei jeder Gelegenheit - abheben verboten. 310783(DIASHOW: Klopps Karriere in Bildern)

Und "Kloppo" zieht mit seiner Art viel Aufmerksamkeit auf sich - wenn auch auf andere Art als etwa Jose Mourinho.

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nannte Klopp deshalb einmal das letzte Mosaiksteinchen, das dem Team noch gefehlt habe.

CONTRA: Kraftraubende Spielweise

Was der Coach von seinen Spielern verlangt, ist absolute Fitness. Schon in der Vorsaison liefen die Dortmunder Spieler - allen voran Kevin Großkreutz - mehr als die Konkurrenz.

Auch in dieser Spielzeit werden die Gegner in Grund und Boden gerannt - über die vollen 90 Minuten. Der jugendlichen Frische sei dank.

Doch nicht wenige Experten prophezeien angesichts dieser Spielweise zum Saisonende ein Kraftproblem.

PRO: Stabile Abwehr

Sollte ein Offensivfeuerwerk ausbleiben, können sich die Borussen aber immer noch auf ihren Abwehrverbund verlassen.

Subotic, Mats Hummels und Co. haben an den ersten zwölf Spieltagen nur sieben Gegentore zugelassen.

Schon sechsmal hielt Torwart Weidenfeller seinen Kasten sauber, hat wettbewerbsübergreifend seit 561 Minuten nicht mehr hinter sich greifen müssen.

CONTRA: "Hoffenheim-Bayern-Syndrom"

Warnung genug ist aber ein Blick in die nicht allzu ferne Zukunft: Vor zwei Jahren erklommen die Himmelsstürmer von 1899 Hoffenheim den Bundesligathron und waren sogar Herbstmeister. Am Ende reichte es nur zu Rang sieben.

Selbst zehn Siege aus den ersten zwölf Partien sind keine Garantie für den Meistertitel. In der Saison 2001/2002 verspielte Bayern München nach diesem sensationellen Start noch die Schale.

Jubeln durfte damals übrigens Borussia Dortmund.

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