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Der HSV hat in dieser Saison bereits vier Ligapartien verloren © getty

Schon jetzt droht der Traditionsklub alle hoch gesteckten Ziele zu verspielen. Trainer Armin Veh schreibt den Titel bereits ab.

Aus Hamburg berichtet Martin Volkmar

Hamburg - Grau ist der Himmel in Hamburg, und das derzeitige "Schietwetter" passt genau zur Stimmung beim Hamburger SV.

Denn nach zwölf Spieltagen ist der wieder mal mit großen Zielen in die Saison gestartete Traditionsklub nur graues Mittelmaß 311594(DIASHOW: Der 12. Spieltag).

Platz neun, 13 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund, im DFB-Pokal bereits ausgeschieden, international gar nicht vertreten ? die Fakten sind eindeutig. (DATENCENTER: Bundesliga)

"Die Tabelle lügt nicht"

"Die Tabelle lügt nicht", gibt Routinier David Jarolim offen zu.

"Wir schaffen es einfach nicht, einen Schritt nach vorn zu machen."

Genauso sieht es auch Heiko Westermann. "Die Saison ist eine Berg- und Talfahrt", meint der Kapitän ratlos.

Und mit jedem Rückschlag erhöht sich der Druck auf Armin Veh, der seit seinem Amtsantritt im Sommer von vielen Seiten skeptisch beobachtet wird.

Veh schreibt Titel ab

Die Ambitionen, endlich die titellose Durststrecke von mittlerweile 23 Jahren zu beenden, hat der HSV-Coach ohnehin spätestens nach dem 0:2 in Dortmund begraben.

"Ganz vorne haben wir eh nichts zu suchen. Jetzt müssen wir kämpfen, um an den internationalen Plätzen dran zu bleiben", sagte er.

Dafür aber ist nun ein Sieg im Nordderby am Samstag Pflicht: "In Hannover müssen wir unbedingt gewinnen."

Doch dazu ist eine fast hundertprozentige Steigerung gegenüber der Pleite beim BVB nötig.

"Kein Tempo, kein Herz, keine Leidenschaft"

"Kein Tempo, keine Leidenschaft, kein Mut", attestierte der verärgerte Veh da. "Wir müssen mehr Herz zeigen."

Offenbar hat der HSV nicht erst seit diesem Jahr ein mentales Problem, denn am Potenzial des hochkarätig besetzten Kaders kann es eigentlich keine Zweifel geben.

An der Umsetzung auf dem Platz scheitert die Mannschaft aber immer wieder, verspielte so in den vergangenen beiden Spielzeiten leichtfertig mehrere Titelchancen.

Trainer beklagt Mentalitätsproblem

"Man springt hier seit Jahren den Erwartungen hinterher. Vielleicht gibt es hier viele Spieler, die einfach schon viele Enttäuschungen erlebt haben", mutmaßt Veh.

"Wir denken zu oft darüber nach, dass wir bloß nicht verlieren dürfen. Und nicht daran, das Spiel zu gewinnen."

Daher bringe es auch nichts, "auf die Mannschaft draufzuhauen", meinte der Coach. Vielmehr wolle er in dieser Woche verstärkt Gespräche führen: "Jetzt ist mal der Psychologe in mir gefordert."

Rost, van Nistelroy und Elia kehren zurück

Immerhin kehren aus dem gut gefüllten Lazarett die zuletzt schmerzlich vermissten Routiniers Frank Rost und Ruud van Nistelroy sowie Eljero Elia ins Mannschaftstraining zurück.

Dagegen muss Marcell Jansen nach seinem Zehenbruch weiter aufs Comeback warten. Zudem ist die Hinrunde für Gojko Kacar nach einem Bänderriss in Dortmund gelaufen.

Kacar ist einer der fünf Neuzugänge, für die im Sommer knapp 16 Millionen Euro ausgegeben wurden. Doch von ihnen spielt nur Westermann regelmäßig, allerdings alles andere als konstant.

Veh glaubt trotzdem nach wie vor an die Wende - alles andere wäre allerdings auch ein Offenbarungseid.

"Ich gebe nicht auf"

"Ich gebe nicht auf. Wir haben eine Mannschaft, die Qualität hat", sagte der 49-Jährige.

"Im Prinzip haben wir drei Punkte zu wenig, aber noch die Chance, eine gute Saison zu spielen. Man muss Druck wegnehmen, Leistung einfordern."

Bekommt er trotzdem die Kurve nicht, droht er der nächste auf der langen Liste der Hamburger Trainerentlassungen unter Bernd Hoffmann zu werden.

Auch Hoffmann unter Druck

Ein weiterer Rauswurf wäre aber eher kontraproduktiv für den umstrittenen Vorstandsvorsitzenden. Zumal bei der Mitglieder-Versammlung am 9. Januar der halbe Aufsichtsrat neu gewählt wird. Und dieses Gremium kann Hoffmann abberufen.

Deshalb nimmt der HSV-Boss derzeit den Druck von Veh und überträgt ihn stattdessen auf die Profis.

"Wir haben in der Mannschaft einen hohen Altersschnitt und eine ganze Reihe von auslaufenden Verträgen", lautet Hoffmanns Analyse:

"Vielleicht werden wir eine Fluktuation haben, die über das sonstige Niveau hinausgeht. Gerade, wenn wir uns nicht für den Europa-Cup qualifizieren, werden wir den Kader wirtschaftlich anpassen müssen."

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