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Eintracht Frankfurt ist seit acht Pflichtspielen ungeschlagen © getty

Eintracht Frankfurt scheint nach Jahren im Mittelmaß an erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen. Nicht nur dank Torjäger Gekas.

Von Christian Stüwe

München - Bei Eintracht Frankfurt wird derzeit gewerkelt.

Am Riederwald, der traditionsreichen Spielstelle früherer Eintracht-Tage, entsteht ein neues Leistungszentrum.

Eine Geschäftsstelle, Sporthallen, Fitnessräume und vor allem ein Jugendzentrum geben der altehrwürdigen Sportstätte ein neues Gesicht.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Das neue Trainingsgelände der Eintracht entsteht dort, wo der Traditionsklub früher große Erfolge feierte und weist so fast unweigerlich Parallelen zur jüngsten sportlichen Entwicklung der Mannschaft auf.

Denn auch die Elf von Trainer Michael Skibbe scheint auf dem besten Weg, sich wieder in der Spitzengruppe der Liga zu etablieren.

"Unser Fußball erinnert an die Eintracht von früher", freut sich Rekordspieler Charly Körbel in der "Bild": "Endlich sieht man wieder Spielzüge, die begeistern."

Mit einem Heimsieg gegen Hoffenheim am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) könnten sich die Frankfurter eines Verfolgers entledigen und auf den Europacup-Plätzen festbeißen.

"Wir spüren den Respekt"

"Wir spüren in der Bundesliga den Respekt der anderen Mannschaften", stellt Trainer Michael Skibbe fest.

Die Mannschaft belegt nach zwölf Spieltagen den fünften Platz und ist seit acht Pflichtspielen unbesiegt. Im DFB-Pokal wurde der HSV mit 5:2 vom Platz gefegt.

Auf einen solchen Höhenflug hat man in Frankfurt lange gewartet.

Zwar qualifizierte sich die Eintracht 2006 über den DFB-Pokal für den UEFA-Cup, doch seit Mitte der 90er Jahre schienen die Hessen nie stark genug, um über die Liga die internationalen Plätze erreichen zu können.

Erster Abstieg 1996

Damals war die Eintracht eines der Spitzenteams der Liga und Stammgast im internationalen Geschäft, 1992 wurde die Meisterschaft am letzten Spieltag in Rostock denkbar knapp verpasst.

Stars wie Uwe Bein, Andreas Möller, Anthony Yeboah oder Jay-Jay Okocha liefen damals in der Main-Metropole auf, von "Fußball 2000" war angesichts der modernen Spielweise die Rede.

In der Saison 1994/95 suspendierte der damalige Trainer Jupp Heynckes Yeboah, Okocha und Maurizo Gaudino, auch in der Führungsebene wurde es zusehends unruhiger und undurchsichtiger.

Aus diesen Vorgängen resultierte der erste Bundesliga-Abstieg 1996, der die Eintracht auf Jahre zur Fahrstuhlmannschaft machte, während der Klub mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte. 312451(DIASHOW: Tops und Flops 12. Spieltag)

Aufschwung unter Bruchhagen

"Als wir vor sieben, acht Jahren angetreten sind, lagen wir sportlich danieder und hatten Schulden", erinnerte sich Heribert Bruchhagen im SPORT1-Interview vor der Saison an seinen Amtsantritt 2003.

Doch seit der Vorstandsvorsitzende die Zügel übernommen hat, gelang die Sanierung sportlich wie wirtschaftlich. Die Eintracht tritt seriös auf, Understatement ist an die Stelle der großen Sprüche früherer Jahre getreten.

"Ich habe immer gesagt, wir werden auch mal dreimal hintereinander verlieren und auch dreimal hintereinander gewinnen. Und so wird es weitergehen", kommentiert Bruchhagen die fast schon sensationelle Serie der Frankfurter zuletzt gewohnt unaufgeregt.

"Träumen ist nicht verboten, oder?"

Auch die Mannschaft gibt sich angesichts der Saisonziele zurückhaltend, was im krassen Gegensatz zu früheren Jahren steht, als die Erwartungen oft deutlich höher waren als die tatsächliche Leistungsfähigkeit.

Ein klares Bekenntnis zu möglichen europäischen Ambitionen der Hessen ist schwer zu finden.

"Natürlich träumen wir vom Europapokal. Aber träumen ist ja nicht verboten, oder?", fragte Verteidiger Marco Russ kürzlich in der "Frankfurter Rundschau" und lehnte sich damit für Frankfurter Verhältnisse weit aus dem Fenster.

Doch die Mannschaft scheint auf dem richtigen Weg zu sein. Skibbe lässt modernen, offensiven Fußball spielen. Auch gegen die "Großen" der Liga konnte die Eintracht zuletzt mithalten.

Und nach durchwachsenen Jahren auf dem Transfermarkt haben die Neuzugänge diesmal voll eingeschlagen.

"Endlich haben die Gegner wieder Angst"

Allen voran Torjäger Theofanis Gekas, der mit elf Treffern die Torschützenliste der Bundesliga anführt.

"Er führt die Tradition eines Cha Bums und eines Yeboahs fort. Endlich haben die Gegner wieder Angst vor uns", urteilt Eintracht-Legende Körbel über den Griechen und bemüht einmal mehr die Vergangenheit der Frankfurter.

Im Gegensatz zu den früheren glamourösen Stars ist Gekas allerdings ein großer Schweiger, der außerhalb des Platzes bloß kein Aufsehen erregen will und damit genau in der das Bild der "neuen" Eintracht passt.

Kein Vettel-Besuch in der Kabine

Auch der Umgang mit dem bekennenden Eintracht-Fan Sebastian Vettel ist ein Kennzeichen der neuen Unaufgeregtheit in Frankfurt.

Der Formel-1-Weltmeister erhielt zwar einen Glückwunsch-Brief des Klubs, soll aber nicht medienwirksam in die Kabine eingeladen werden.

"Unsere Spieler würden sich zwar sicherlich darüber freuen, aber mehr bringt ein solches Treffen auch nicht", meinte Bruchhagen: "Ein solches Ballyhoo ist nicht unser Stil."

Anstatt für öffentliches Aufsehen zu sorgen wird die Eintracht lieber weiter heimlich und leise versuchen, den Helden früherer Zeiten nachzueifern.

Zuletzt wurde vereinzelt schon von "Fußball 2010" geschrieben.

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