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Wolfgang Overath gewann mit dem FC 1968 und 1977 den DFB-Pokal © getty

Die deftige Abstimmungspleite des Vorstands lässt in Köln Raum für jede Spekulation. Ob Boss Overath weitermacht, bleibt offen.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die Klatsche war deftig: 1317 Mitglieder verweigerten dem Vorstand des 1. FC Köln am Mittwochabend die Entlastung, nur 520 stimmten dafür.

Am Tag nach der denkwürdigen Sitzung stehen die "Geißböcke" damit vor den Trümmern einer verfehlten Politik.

Und obwohl der Vorstand, inklusive Präsident Wolfgang Overath, sich zuvor zum Weitermachen entschlossen hatte, ist im Moment nichts sicher in Köln.

"Wir schlafen eine Nacht darüber, dann werden wir sehen, was passiert", erklärte Overath.

"Das bestimme ich selbst"

Der 67-Jährige präsentierte sich einen Tag nach der Abstimmungsniederlage immer noch äußerst dünnhäutig.

"Ob und wann ich einmal zurücktrete, das bestimme ich selbst. Das bestimmt nicht eine Gruppe von Chaoten", sagte der Overath gegenüber dem "Express".

Am Rhein bleibt nach der mit so viel Spannung erwarteten Sitzung Ratlosigkeit. Zwar machten die Fans ihrem Unmut lautstark Luft (313692die Bilder), doch ob und wie es nun mit dem Vorstand weitergeht, ist unklar.

Kölns Verwaltungsrats-Chef Rolf Martin Schmitz reagierte entsetzt auf die Abstimmungspleite und erklärte: "Ich hoffe, dass der Vorstand trotzdem weitermacht."

Dabei war von der Versammlung, zu der 3119 Mitglieder kamen, endlich ein wenig Klarheit im Wirrwarr rund ums Geißbock-Heim erwartet worden.

Suche nach Lösungen dauert

24 Millionen Euro Verbindlichkeiten sowie eine verkorkste Kaderplanung drücken den Traditionsklub nieder, zudem lastet Tabellenplatz 18 wie ein schwerer Stein auf dem Gemüt der Anhänger.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Welche Lösungsmöglichkeiten es für all diese Sorgen gibt, sollte am Mittwochabend geklärt werden.

Doch nun steht lediglich fest, dass Overath keinen Nachfolge-Kandidaten für Manager Michael Meier aus dem Hut gezaubert hat.

Und selbst das Bekenntnis zu Meier fiel zwiespältig aus."Wir haben alle Fehler gemacht, auch ein Michael Meier", sagte Overath.

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Overath macht sich Gedanken um Sportdirektor-Posten

Entlassen wolle er ihn aber nicht, nur weil alle das jetzt forderten.

Doch dann öffnete Overath auf wiederholte Nachfrage den Raum für Spekulationen: "Wir machen uns Gedanken um die Situation des Sportdirektors und um Michael Meier. Mehr werde ich nicht dazu sagen. Aber wir werden uns damit befassen."

Der FC-Geschäftsführer Meier selbst räumte Fehler bei Kader-Architektur ein. Zur Zukunft sagte er nur lapidar: "Wenn wir meinen, in der Winterpause aktiv werden zu müssen, werden wir auch das tun."

Derweil blieb Overath in seinem Bekenntnis zum Präsidenten-Amt zwiespältig. Er gestand, dass er über einen Rücktritt nachgedacht habe.

"Ich habe mit mir gekämpft. Warum tue ich mir das an, soll ich aufhören? Oder kämpfe ich und trage die Verantwortung?"

"Ich bin weder Trainer noch Sportdirektor"

Für die Krise wies er aber einen Teil der Verantwortung von sich.

"Die Spielerverpflichtungen gehen über das Sportslab, das Scouting, den Trainer und den Manager. Ich bin hier weder Trainer noch Sportdirektor, sondern ehrenamtlich tätig", erklärte Overath.

Dann fügte er etwas selbstkritischer an: "Es ist nicht alles richtig gelaufen, von unseren Leuten und von mir."

Zehn-Punkte-Plan als Beruhigungsmittel

Mit einem Zehn-Punkte-Plan wollte Overath die Kölner Mitglieder besänftigen. Auch das misslang.

Zu parolenhaft klangen seine Ankündigungen, in denen es unter anderem hieß: "Der FC steht über allen Dingen! Die Entscheidungsträger müssen zusammen stehen."

Und weiter: "Wir müssen beim Verein jeden Stein rumdrehen. Die von uns verabschiedete Leitkultur ist von allen zu leben."

Zudem sprach Overath vom Ziel der "finanziellen Konsolidierung", wie das konkret erreicht werden soll, erklärte der 67-Jährige nicht.

Trainer Frank Schaefer und die von den Mitgliedern mit Beifall empfangene Mannschaft verfolgten die Sitzung mit angespannten Mienen. (313692die Bilder)

Das erhoffte Signal zu einem neuen Aufbruch vermochten sie bei bestem Willen an diesem turbulenten Abend nicht erkennen.

Stattdessen droht dem Klub schon am Tag nach dem Abstimmungsdebakel ein gewaltiges Nachbeben.

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