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"Natürlich sind da welche richtig sauer auf mich. Denken Sie, der zwölfte Mann oder die, die auf die Tribüne müssen, kommen jeden Tag zu mir und bringen mir ein Körbchen Eier und wir treffen uns und küssen uns?" (auf die Frage nach der Stimmung in der Mannschaft)
Hans Meyer war von 1999 bis 2003 bereits Trainer in Mönchengladbach © getty

Vor dem Wiedersehen mit Michael Frontzeck nimmt Hans Meyer im Sport1.de-Interview zu den brisanten Gladbacher Personalien Stellung.

Von Martin van de Flierdt

Mönchengladbach/München - Mit Trainer Hans Meyer schien die Zuversicht zu Borussia Mönchengladbach zurückgekehrt zu sein.

Im ersten Spiel seiner Amtsübernahme gelang dem Aufsteiger nach zuvor fünf Pleiten in Serie gleich ein Erfolg gegen Karlsruhe (1:0).

Doch wegen der folgenden beiden Niederlagen in Wolfsburg (0:3) und gegen Frankfurt (1:2) halten Kritiker den Effekt des Trainerwechsels schon vor dem wichtigen Gastspiel bei Arminia Bielefeld (Sa., ab 15 Uhr LIVE) für verpufft.

"Eine solche kurzfristige Wirkung gibt es doch nur, wenn eine Mannschaft mit ihrem Trainer offenbar im großen Streit auseinander gegangen ist", lässt Meyer diese Ansicht nicht gelten.

Im Gespräch mit Sport1.de äußert sich Meyer zur Herkulesaufgabe in Gladbach, der Situation von Oliver Neuville, Sascha Rösler und Marko Marin sowie dem Wiedersehen mit seinem ehemaligen Co-Trainer Michael Frontzeck.

Sport1.de: Herr Meyer, was stimmt Sie trotz der jüngsten beiden Rückschläge optimistisch, dass die Borussia die Klasse halten kann?

Hans Meyer: Wir haben erst elf Spieltage hinter uns und einen Punkt Rückstand auf Platz 15. Es wäre doch idiotisch, jetzt zu behaupten, dass der Zug schon abgefahren ist. Wir werden versuchen, einige Probleme kurzfristig in den Griff zu bekommen und in der Winterpause alles tun, um eine gute Rückrunde zu spielen.

Sport1.de: Was halten Sie Kritikern entgegen, die die Wirkung des Trainerwechsels jetzt schon für verpufft halten?

Meyer: Eine solche kurzfristige Wirkung gibt es doch nur, wenn eine Mannschaft mit ihrem Trainer offenbar im großen Streit auseinander gegangen ist. Und das spräche nicht für den Charakter der Mannschaft.

Sport1.de: Gegen Frankfurt hat Borussia gut begonnen, ist aber mit dem Ausgleichstor wieder eingeknickt. Wie bekämpfen Sie die offensichtlichen Selbstzweifel der Spieler?

Meyer: Am besten ist das mit Erfolgserlebnissen zu bekämpfen. Und die müssen wir uns erarbeiten.

Sport1.de: Oliver Neuville behauptet, er habe seine Fitnessrückstände nach der verpassten Vorbereitung längst aufgeholt. Aus welchen Gründen haben Sie bislang trotzdem auf ihn verzichtet?

Meyer: Es hat nichts mit seiner Fitness zu tun, sondern mit dem Gesamtgefüge, zum Beispiel mit dem Defensivverhalten der ganzen Mannschaft. Durchaus möglich, dass er demnächst spielt, aber dann muss ein anderer draußen bleiben, bei dem ich dann gefragt werde, warum er nicht spielt.

Sport1.de: Sie wurden zitiert mit der Feststellung, viele ihrer Spieler seien gedanklich noch in der klar dominierten Zweitligasaison. Wie ist das zu erklären?

Meyer: Die Mannschaft hat letztes Jahr die Zweite Liga in fantastischer Weise mit ihrem Offensivspiel dominiert. In der Bundesliga kann sie das nicht, dort wird sie defensiv mehr gefordert und damit hat sie momentan zu kämpfen.

Sport1.de: Bei Marko Marin haben Sie - auch durch seine Jugend bedingte - Schwächen im Defensivverhalten festgestellt und gesagt, die Mannschaft habe "im Moment nicht die Sicherheit, um ihn aufzufangen". Heißt das, im Abstiegskampf ist das Risiko eines Einsatzes Marins größer als sein Nutzen?

Meyer: Das ist nicht ganz richtig wiedergegeben. Marko hat fantastische Möglichkeiten, aber mit 19 gibt es eben auch Dinge, die bei ihm noch nicht so gut sind. In einer intakten, gefestigten Mannschaft ließe sich das auffangen. Trotzdem wollen wir auf seine Fähigkeiten nicht verzichten, wir müssen aber lernen, sie richtig einzusetzen.

Sport1.de: Mit Sascha Rösler haben Sie auch einen Führungsspieler der Aufstiegsmannschaft aus dem Kader gestrichen. Welche Erklärung haben Sie dafür, dass dieser in der Vorsaison noch unverzichtbar war, nun aber offenbar der Mannschaft nicht mehr weiterhelfen kann?

Meyer: Letztes Jahr war Zweite Liga, jetzt spielen wir Bundesliga. Sascha hat nichts verbrochen, aber wir sind der Überzeugung, dass er uns momentan und auch langfristig in der Bundesliga nicht weiterhilft. Und in unserer Situation ist es wichtig, dass wir mit einem kleineren Kader konzentriert arbeiten können und keine Spieler dabei haben, die wegen ihrer persönlichen Situation total unzufrieden sind.

Sport1.de: Bielefelds Trainer Michael Frontzeck war Ihr Assistent in Ihrer ersten Amtszeit bei der Borussia. Inwieweit macht dieser Umstand die Begegnung am Samstag zu einer besonderen?

Meyer: Nur insofern, dass ich mich darauf freue, Micha wieder zu sehen. Er wird uns aus alter Verbundenheit aber keine Geschenke machen, und wir ihm auch nicht.

Sport1.de: In der Verteidigung herrscht auch gegen Bielefeld Personalnotstand. Inwiefern ist ihnen bange, dass die Defensive in dieser wichtigen Partie zur Achillesferse werden könnte?

Meyer: Wir haben sechs verletzte Verteidiger, das ist tatsächlich viel auf einmal. Aber damit müssen wir klarkommen.

Sport1.de: In der Winterpause wollen Sie "ein, zwei Spieler mit Qualität" in den Borussia-Park holen. Welche Rolle spielen Simon Jetzsch und Timo Hildebrand in diesen Überlegungen?

Meyer: Sie werden Verständnis haben, dass ich jetzt mit Ihnen nicht über irgendwelche Namen spekuliere. Das übernehmen andere für uns, aber daran müssen wir uns ja nicht beteiligen..

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