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Felix Magath (r.) gewann in der Bundesliga drei Meistertitel mit Bayern und Wolfsburg © imago

Beim letzten Duell Schalke - Bremen wurde Magath gefeiert, nun hört er Rauswurf-Forderungen. Auch Tönnies macht nun Druck.

Von Martin Hoffmann

München - Nie war eine verspielte Meisterschaft schöner als an diesem 1. Mai 2010.

Mit einem 0:2 gegen Werder Bremen waren für Schalke 04 zwar alle Titelhoffnungen zerplatzt.

Aber trotzdem wurde Trainer Felix Magath für die unerwartet starke Premierensaison auf einer denkwürdigen Ehrenrunde von 60.000 Fans gefeiert und zu Tränen gerührt.

Sie klatschten, sie schrien seinen Namen, sie machten die Welle, sie sangen. Es fehlte nur der Ruf "Santo subito", der Wunsch nach sofortiger Heiligsprechung.

Sechs Monate später, vor der Neuauflage des Duells (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER), scheint das ähnliche lange her zu sein wie die Zeit, als Thomas Schaaf noch nicht Trainer in Bremen war.

Krisen wie seit 1999 nicht mehr

Magath wird sich erinnern, seine Entlassung als Bremen-Coach brachte Schaaf ins Amt. Elf Jahre später stehen sowohl Magath als auch Bremen in einer Krise, wie sie sie seit diesem gemeinsam verbrachten Katastrophenjahr 1999 nicht erlebt haben.

Magath, der Volksheld a.D. musste sich beim 2:2 in Wolfsburg zwischenzeitlich erste "Magath-raus"-Rufe aus dem eigenen Fanblock dastehen.

Und Schaaf, der in Bremen informell längst Heiliggesprochene, muss in seiner derzeitigen Situation sogar ein mühsames 0:0 gegen Eintracht Frankfurt als Fortschritt verstehen.

Und außerhalb der treu zu ihm stehenden Vereinsführung wächst die Kritik auch an ihm.

Keine Ausreden mehr

Vor dem direkten Duell der verhinderten Spitzenklubs von den Tabellenrängen 16 und 11 finden nun Vertreter beider Klubs große Worte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

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"Letzte Warnung für die Schalke-Schlaffis" tönt es schrill vom Boulevard, weil Magath die Zeit der Alibis für beendet erklärt hat.

"Ich höre mir die Ausreden nicht mehr an und erwarte von Anfang eine konzentrierte Leistung", meint er in der "Bild" mit Blick auf die verschlafene Anfangsphase in Wolfsburg.

Tönnies meldet sich zu Wort

Auch Clemens Tönnies, der Aufsichtsratschef und starke Mann des Klubs, meldet sich im gleichen Blatt nach langer Zeit wieder öffentlich zu Wort. "Ernsthaft Sorgen" mache er sich um den Klub, lässt er wissen: "In Wolfsburg spielten wir erst wie ein Zweitligist, dann wie ein Champions-League-Team."

Seine Schlussfolgerung: Die Mannschaft könne es, müsse aber endlich "begreifen, dass es ab sofort um alles geht."

Gegen Bremen müsse der Klub "den Bock umstoßen und die Wende schaffen".

Allofs fordert Kraftakt

Klaus Allofs, der Manager von Werder Bremen, wünscht sich von seinen Mann gar einen Riesen-Kraftakt.

"Wir haben noch fünf Spiele, um Boden gut zu machen", erklärt er. Darum solle auf Schalke eine Serie gestartet werden: "Unser Ziel sind 15 Punkte."

Arnautovic droht Ausfall

Ein Ziel, das in der aktuellen Situation noch ambitionierter ist, als es unter normalen Umständen schon wäre.

Top-Torjäger Claudio Pizarro fehlt den Bremern weiterhin verletzt, dazu gibt es auch Sorgen um Sturmkollege Marko Arnautovic, der mit Adduktorenproblemen vom Länderspiel zwischen Österreich und Griechenland zurückgekommen ist.

Verteidiger Clemens Fritz steht dafür nach überstandenen Oberschenkelproblemen wieder zur Verfügung. Auch der Einsatz des im Deutschland-Länderspiel wegen einer leichten Knieverletzung geschonten Per Mertesacker ist nicht in Gefahr.

"Das wäre der Durchbruch"

Nach vier sieglosen Spielen in Folge hofft Bremen nun in Gelsenkirchen auf das Schlüsselerlebnis, das auf der anderen Seite auch Magath anpeilt.

"Schlagen wir Bremen, hätten wir sieben Punkte aus drei Spielen geholt", erklärt der Coach: "Ja, das wäre der Durchbruch."

Genau den braucht Magath, um die Köpfe und Herzen der Schalker Anhänger dauerhaft zurückzugewinnen.

Er weiß nur zu gut: Verliert er diesmal gegen Bremen, gibt es keine Ehrenrunde vor fröhlichen 60.000.

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