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Goalgetter Papiss Cisse (3.v.r.) kam Ende 2009 vom FC Metz nach Freiburg © imago

Der SC Freiburg mischt ohne "Diven und Möchtegernstars" die Liga auf - und will nun auch den Tabellenführer attackieren.

Freiburg - "Es ist auf lange, absehbare Zeit unmöglich, als kleiner Verein da oben reinzukommen."

Das waren die Worte von Robin Dutt im SPORT1-Interview vor der Saison. Nun ist er mit dem kleinen SC Freiburg genau da gelandet.

Platz vier nach dem besten Saisonstart der Klubgeschichte. Vor Bayern und Hamburg. Weit vor Bremen, Stuttgart und Schalke (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die Breisgauer sind neben den Mainzern der Überraschungs-Hit der Bundesliga-Saison: Und am Samstag (15 Uhr im LIVE-TICKER) wollen sie im Spitzenspiel nun auch den Tabellenführer ärgern.

Ohne "Diven und Möchtegernstars"

"Wir werden auch gegen Dortmund attackieren", kündigte Trainer Dutt an.

Und in dem zehnmaligen Torschützen Papiss Demba Cisse verfügt der SC eineinhalb Jahrzehnte nach Harry Decheiver wieder über einen richtigen "Knipser".

Anders als Sturm-Vorgänger Mohamadou Idrissou ist der senegalesische Nationalspieler ein Star, wie man ihn sich in Freiburg wünscht: einer ohne Allüren.

"Papiss macht aus fast jeder Chance ein Tor, ist aber ein völlig unkomplizierter Bursche", sagte der zurzeit verletzte Kapitän Heiko Butscher über den 25-Jährigen, der mit 1,6 Millionen Euro der teuerste Einkauf in der Geschichte des Sport-Clubs ist.

"Mein Job ist es, Tore zu schießen"

Cisse selbst freut sich über dieses Kompliment und sagt gegenüber SPORT1 bescheiden: "Mein Job ist es, Tore zu schießen".

Über sein Erfolgsgeheimnis macht der Stürmer kein großes Aufhebens und berichtet: "Es macht hier viel Spaß, natürlich gehört auch etwas Glück dazu."

Zu Spekulationen über seine Zukunft hält sich der Torgarant indes bewusst zurück, nennt Chelsea als seinen "Lieblingsklub", ehe er betont, dass ihm Freiburg "am Herzen" liege.

"Ich denke nicht über einen Wechsel nach, ich habe hier einen Vertrag über vier Jahre unterschrieben", stellt der 25-Jährige fest, der noch bis 2014 an den Sport-Club gebunden ist.

Seinen eigenen Erfolg sieht er eng verknüpft mit dem Team, das ihm die Bälle perfekt auflege. "Ich liebe Freiburg, die Mannschaft macht es mir leicht zu treffen. Auch Stefan Reisinger macht das sehr gut."

Dutt will "nie mehr absteigen"

Tatsächlich hat es Trainer Dutt beim Fast-Absteiger der vergangenen Saison geschafft, eine robuste und taktisch flexible Mannschaft zu formen. Eine so gute, dass sich Freiburg inzwischen auch traut, ein Stück seiner typischen Bescheidenheit und Zurückhaltung abzulegen.

"Ich will so naiv sein dürfen zu glauben, dass wir nie mehr abstiegen", sagt Dutt nun in einem Interview mit dem "kicker": "Wir werden immer ein bisschen trotziger."

Komplimente für ihn gibt der Trainer an die Spieler weiter.

"Ich verspüre Bewunderung für die Mannschaft. Wir halten mit unserem großen Teamgeist dagegen. Gerade die WM hat deutlich gezeigt, dass es nur über den Spirit geht", erklärte der Coach: "Alle Teams mit Diven und Möchtegernstars lagen früh am Strand."

Ein Stück Lebensphilosophie

Für Dutt ist der Klub mit dem geringen Jahresetat von 14,5 Millionen Euro ein Stück Lebensphilosophie: "Wie hier eine Einheit gelebt wird, das ist schon phänomenal."

Sportliche Vergleiche zur Ära von Volker Finke mag Dutt zwar nicht ziehen, doch die Auftritte des Sport-Clubs erinnern an die einst hochgelobten Breisgau-Brasilianer.

Wille aus Zement

Dutt sieht seine eigene Mannschaft durch den Abstiegskampf in der Vorsaison zudem "mental gestärkt". Man sei durch ein "enormes Stahlbad" gegangen, dadurch seien die Spieler nun "gewappnet".

Dass sein Team eingespielt sei, gehöre ebenso zu den Vorteilen: "So können wir viel schneller kleine Bausteine draufsetzen."

Der "neue" SC Freiburg glaubt auch an seine eigenen Stärken. In den Spielen bei Eintracht Frankfurt und 1899 Hoffenheim erzielte der SC jeweils das Siegtor kurz vor Schluss.

Dass alle sieben Saisonerfolge jeweils mit nur einem Tor Unterschied gelangen, ist für Dutt kein Zufall.

"Der Wille - der ist total zementiert", sagt der Coach über das Erfolgsgeheimnis seines Klubs.

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