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Jupp Heynckes (r., mit Michal Kadlec) ist seit Sommer 2009 Trainer in Leverkusen © getty

Vor dem Bayern-Spiel spricht Jupp Heynckes über Leverkusens Entwicklung, die Rückkehr von Leistungsträgern und Bayers Transfers.

Von Thorsten Mesch

München/Leverkusen - Mit dem FC Bayern hat Jupp Heynckes vor 20 Jahren große Erfolge gefeiert. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Mit Bayer Leverkusen ist ihm der ganz große Wurf zwar noch nicht gelungen, doch mit seiner jungen Mannschaft stand der Trainer-Routinier in der vergangenen Saison lange Zeit an der Spitze und erreichte trotz ständiger Personalsorgen am Ende einen Platz im internationalen Geschäft.

In der aktuellen Spielzeit ist Bayer 04 erneut vom Verletzungspech geplagt, dennoch stehen die Rheinländer hinter dem souveränen Tabellenführer Borussia Dortmund auf Platz zwei.

Mit einem Sieg im Spitzenspiel gegen den Rekordmeister (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) will Leverkusen den Rückstand auf den BVB in Grenzen halten - und könnte den Vorsprung auf die Münchner, von denen man sich in der Vorsaison zweimal 1:1 trennte, auf acht Punkte vergrößern.

Die Situation bei seinem Ex-Klub und die kritischen Äußerungen seines Freundes Uli Hoeneß über Bayern-Trainer Louis van Gaal will Heynckes im SPORT1-Interview nicht beurteilen, vielmehr betont er die positive Entwicklung seiner Mannschaft und lobt die Einkaufspolitik seines Vereins.

Zudem spricht Heynckes über die Rückkehr seiner Leistungsträger Simon Rolfes und Renato Augusto sowie über die gesundheitlichen Fortschritte von Michael Ballack.

SPORT1: Herr Heynckes, in der vergangenen Saison stand Leverkusen nach zwölf Spieltagen mit 26 Punkten auf Platz eins, jetzt stehen Sie mit 24 Zählern auf Rang zwei. Wie schätzen Sie Ihr Team im Vergleich zum Vorjahr spielerisch und mannschaftlich ein? Wo haben Sie sich verbessert?

Jupp Heynckes: Meine jungen Spieler haben sich weiterentwickelt. Sie sind reifer geworden und kommen außergewöhnlich gut mit der Doppelbelastung aus Bundesliga und Europa League zurecht. Viele von ihnen kannten diesen Rhythmus ja gar nicht, aber sie machen das wunderbar. Auch als Mannschaft haben wir einen Sprung gemacht. Da ist eine Entwicklung zu sehen, wir haben taktisch dazu gelernt.

[kaltura id="0_18dum7az" class="full_size" title="Heynckes Immer m glich gegen Bayern zu gewinnen "]

SPORT1: Dortmund ist auf sieben Punkte enteilt. Passt es Ihnen vielleicht sogar ganz gut, dass der BVB momentan im Blickpunkt steht und Bayer 04 sich in der Rolle des Jägers befindet?

Heynckes: Die Dortmunder stehen dort ja völlig zu Recht. Das ist eine tolle Mannschaft, schon am ersten Spieltag, als wir beim BVB gewonnen haben, habe ich das gesagt. Das Team ist hervorragend zusammengestellt worden und sicherlich ein Favorit auf den Titel. Unser Ligastart dagegen war ja etwas holprig, weshalb wir nicht so im Fokus stehen. Das ist schon in Ordnung so.

SPORT1: Sie müssen weiterhin Leistungsträger wie Stefan Kießling, Michael Ballack, Eren Derdiyok ersetzen, Spieler wie Sidney Sam oder Lars Bender haben die Lücken gefüllt. Ist der Kader stärker als vergangene Saison?

Heynckes: Wir haben uns bewusst breiter aufgestellt als in der Vorsaison, in der wir ja auch mit vielen Verletzten geschlagen waren. In dieser Saison hat es uns fast noch schlimmer getroffen. Dass wir trotzdem recht ordentlich platziert sind, dokumentiert, dass wir mit unserer Kaderplanung richtig gelegen haben. Wir haben qualitativ gut eingekauft, ansonsten stünden wir angesichts der vielen Verletzten nicht so weit oben.

SPORT1: Wie wichtig ist die Rückkehr der beiden Mittelfeld-Säulen Simon Rolfes und Renato Augusto?

Heynckes: Simon Rolfes ist die Seele der Mannschaft, unser Kapitän. Er ist ein absoluter Führungsspieler, hat Ausstrahlung und Charakter. Mit ihm kann man Strategien auf dem Platz umsetzen. Renato Augusto ist ein Spieler, der manchmal den Unterschied ausmacht. Er ist ein begnadeter Fußballer, der Mann für die besonderen Momente. Mit den beiden haben wir enorme Qualität dazu gewonnen.

SPORT1: Wie verläuft Michael Ballacks Genesung? Wann planen Sie wieder mit Ihm? Wie bringt er sich auch ohne Einsätze ein, um der Mannschaft zu helfen?

Heynckes: Er macht täglich Fortschritte in der Reha, ist immer in der Kabine und kann so natürlich seine Erfahrung weitergeben. Aber es ergibt keinen Sinn, irgendwelche Zeitfenster zu öffnen. Man muss von Tag zu Tag schauen und die Dinge vorsichtig angehen. Zwei Schritte auf einmal können manchmal einen Rückschritt bedeuten. Deshalb tun wir gut daran, die Sache vernünftig und mit Bedacht anzugehen.

SPORT1: Im vergangenen Jahr lagen Sie nach zwölf Spielen als Tabellenführer sechs Punkte vor den Bayern. Die liegen momentan zwölf Zähler hinter Dortmund. Welche Bedeutung hat das Spiel am Samstag im Hinblick die Titelverteidigung?

Heynckes: Meine Aufgabe besteht nicht darin, mich mit der Titelverteidigung des FC Bayern zu befassen. Ich bin Trainer von Bayer 04 Leverkusen.

SPORT1: Die Kritik von Uli Hoeneß an Louis van Gaal hat für Furore gesorgt. Waren Sie überrascht über die drastischen Worte und dass Hoeneß den Weg über die Öffentlichkeit gewählt hat? Glauben Sie, dass er seine Rolle als Präsident weiter so offensiv ausfüllen wird?

Heynckes: Diese Kritik ist doch schon wieder zu den Akten gelegt und spielt längst keine Rolle mehr. Ich fühle mich aber wirklich nicht dazu berufen, Vorgänge beim FC Bayern München zu bewerten, die ich aus der Distanz gar nicht beurteilen kann.

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