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Thomas Schaaf wurde mit Bremen einmal Meister und dreimal Pokalsieger © getty

Nach dem neuerlichen Debakel wird dem Werder-Coach schon der Rücktritt nahegelegt. "Weltklasse"-Raul beschenkt seine Kinder.

Von Martin Hoffmann

München/Gelsenkirchen - Der Abpfiff der Katastrophenvorstellung war kaum verklungen.

Es dauerte kaum zehn Minuten, ehe Thomas Schaaf nach dem 0:4 auf Schalke online nachlesen konnte, dass ihm eine große deutsche Tageszeitung den Rücktritt nahelegt.

Der Bremer Trainer "zerstört sein Denkmal", heißt es da.

Und es wird die Erwartung formuliert: "Ein stolzer Mann wie Schaaf wird nicht darauf warten, dass ihm andere ein unwürdiges Ende setzen."

Das Unvorstellbare wird vorstellbar an der Weser: Dass die immer heftigere Krise bei Werder den ewigen Thomas Schaaf nach elf Jahren aus dem Amt reißt. 314908(DIASHOW: Der 13. Spieltag)

Ratlosigkeit pur

Keine 14 Tage nach dem 0:6 in Stuttgart steckte Werder gegen die Knappen und ihren Dreifach-Torschützen Raul das nächste Debakel ein.

Eines, das den seit sechs Pflichtspielen sieglosen Klub an den Rand des Abstiegskampfes bringt und Trainer wie Manager annähernd ratlos zurückließ (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Total enttäuschend", meinte Klaus Allofs, der vor dem Spiel noch von einer Fünf-Sieges-Serie bis zur Winterpause geträumt hatte, bei LIGA total!.

Er erlebe nach elf Jahren Amtszeit seinen "schwersten Tag, seitdem ich bei Werder Bremen bin".

"Kommen aus dieser Nummer nicht raus"

Schaaf meinte derweil schon fast resigniert klingend:

"Wir kommen aus dieser Nummer nicht raus. Wir träumen, wir gucken zu, wir wehren uns nicht. Jeder freut sich, gegen uns spielen zu dürfen."

Die Anmerkung zielt auf den Punkt, der die Bremer am meisten beunruhigen muss: Denn sie wurden keineswegs von einer überragenden Schalker Mannschaft überrannt.

Schalker Startprobleme

Die Königsblauen offenbarten zu Beginn selbst Probleme.

Mit einer komplett ausgetauschten Mittelfeldzentrale - Peer Kluge und Joel Matip spielten anstelle von Ivan Rakitic und Tribünenhocker Jermaine Jones - hakte es bei S04 anfangs sichtlich.

"Wir haben uns schwer getan", befand Trainer Felix Magath: "In den ersten Minuten waren wir nicht Herr der Situation."

Ohne Struktur und Herz

Doch nach dem 1:0 durch Christoph Metzelder konnte sein Team gar nicht mehr anders, als die Partie an sich zu reißen.

Denn ihm trat nun endgültig ein Bremer Kollektiv ohne Struktur, ohne Inspiration und ohne Herz entgegen.

Es war eine Vorstellung, die die von den Bremer Oberen zuletzt vehement abgewehrten Fragen nach Zusammenstellung und Charakter der Mannschaft neu aufwirft.

Hunt verweigert das Abklatschen

Keeper Tim Wiese stellte die Charakterfrage erkennbar noch auf dem Feld: Nachdem ihm seine Vorderleute durch ihre Fehler fast noch mehrere weitere Gegentore einbrockten, überkam ihn ein heftiger Wutanfall.

Und für neuen Wirbel wird auch Aaron Hunt gut sein, der bei der Auswechslung nach indiskutabler Leistung das Abklatschen mit Schaaf verweigerte.

Die Bremer Krise ist die heftigste seit dem Jahr 1999, als Bremen zwei Trainer verschliss - und am Ende Schaaf ins Amt brachte.

"Müssen jetzt arbeiten"

Allofs versandte aber weiterhin keine Signale, dass sein Klub nun ähnliche Maßnahmen planen könnte.

Er sprach stattdessen davon, dass die Spieler nun "wieder aufgebaut werden" müssten.

Und auch Schaaf selbst ist darauf eingestellt, das zu erledigen: "Es gibt keinen Plan B oder C. Wir haben nur den einen. Den müssen wir besser umsetzen. Wir müssen jetzt arbeiten und Besserung herbeiführen."

Magath atmet durch

Magath, Schaafs bei der letzten Bremer Großkrise gefeuerter Vorgänger, kann derweil durchatmen.

Sein Team hat nun sieben Punkte in den vergangenen drei Ligaspielen gesammelt und die Abstiegsränge verlassen.

"Jetzt können wir die Mannschaften vor uns auch mal jagen", freute sich bei LIGA total! Christoph Metzelder.

"Einfach weltklasse!"

Der frühere Dortmunder wärmte nicht nur mit seinem ersten Tor für Königsblau die Schalker Herzen, sondern auch mit starker Abwehrleistung, mit der er sich mehrmals Szenenapplaus verdiente.

Noch mehr aber spielte sich Metzelders vorheriger Real-Madrid-Kollege Raul ins Rampenlicht.

Auf das Doppelpack gegen St. Pauli beim jüngsten Heimspiel folgte nun der Dreifach-Schlag mit einem Tor-des-Jahres-Kandidaten als Krönung.

"Einfach Weltklasse!", urteilte nicht nur Teamkollege Peer Kluge über den Lupfer zum 4:0.

Drei Tore für die Kinder

Und für Raul, der sich den Ball hinterher als Trophäe sicherte, schmeckte der Dreierpack wegen des besonderen Timings besonders süß.

"Unsere Zwillinge hatten vor drei Tagen Geburtstag und unser Sohn Hugo hat heute", erläuterte er bei "Sky":

"Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, ein Tor zu schießen und es den dreien zu schenken. Aber so konnte ich natürlich alle glücklich machen."

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