vergrößernverkleinern
Thomas Schaaf ist seit dem 10. Mai 1999 Cheftrainer in Bremen © imago

Die bittere Pleite gegen Athen hat im Umfeld von Werder erstmals seit fast einem Jahrzehnt die Trainerfrage aufgeworfen.

Von Martin van de Flierdt und Daniel Rathjen

München ? Die Insel der Seligen gehört der Vergangenheit an.

Seit 1999 arbeiten Sportdirektor Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf gemeinsam an der sportlichen Entwicklung von Werder Bremen.

Die Zusammenarbeit galt vielen anderen Vereinen als leuchtendes Vorbild, wie man sich mit überschaubaren finanziellen Mitteln in der Champions League etablieren kann.

Aufgrund dieses Erfolgs gab es keinen Anlass, ihre Arbeit in Frage zu stellen. Das herbe 0:3 gegen Panathinaikos Athen als negativer Höhepunkt einer bislang unbefriedigenden Saison in dieser Saison hat nun diesen Anlass geliefert.

Schaaf bleibt gelassen

"Wenn die Ergebnisse nicht da sind, wird diskutiert und hinterfragt", bleibt Schaaf vor dem Gastspiel beim VfL Bochum (Sa., ab 15 Uhr LIVE ) gelassen. "Ich bin Teil des Ganzen. Von daher wundert mich das nicht. Auch wir schauen, was wir falsch gemacht haben."

Rückendeckung erhält Schaaf sogar aus München. "Aktuell fehlt Bremen auch das nötige Quäntchen Glück", sagt der Ex-Bremer Tim Borowski zu Sport1.de.

"Es gab Partien wie gegen Famagusta oder Bielefeld - da spielen sie sich 18 Chancen heraus und treffen das Tor trotzdem nicht. Deswegen ist es zu leicht, alles auf Thomas Schaaf abzuwälzen."

Born stellt sich hinter Allofs und Schaaf

Vereinsintern sieht man das ähnlich.

"Es gibt für mich überhaupt keinen Anlass, die sportliche Leitung in Frage zu stellen", äußerte Vorstandsboss Jürgen L. Born in der Syker "Kreiszeitung". "Klaus Allofs und Thomas Schaaf arbeiten aufopferungsvoll. Sie haben keine Fehler gemacht."

Zumindest haben sie aber Werders folgende vier Kernprobleme noch nicht beheben können:

Die unprofessionelle Einstellung

"Es ist schlimm, wenn man nicht sagen kann, wir haben uns wenigstens bemüht", hatte Allofs am Dienstag noch unter dem Eindruck der Pleite ohne "Gegenwehr und Mumm" gesagt.

Aus Enttäuschung, meinte er gar sarkastisch "würde man nach einem solchen Auftritt am liebsten die ganze Mannschaft verkaufen".

Per Mertesacker kritisierte, die Spieler gingen nicht an ihre Grenzen: "Schon unsere läuferische Leistung ist nicht zufriedenstellend."

Damit fehlt Werder die Grundvoraussetzung für erfolgreichen Fußball ab. Laufen und Kämpfen kann jeder. Nur bei Werder derzeit offenbar nicht. Allofs sagt, er habe nun "ein paar Spieler verstärkt im Blickfeld".

Die "Bild" spekuliert, dass auf dieser potenziellen Streichliste die Namen Boubacar Sanogo, Hugo Almeida, Dusko Tosic und Martin Harnik stehen. Die einzigen Verträge jedoch, die im kommenden Sommer auslaufen, sind die von Kapitän Frank Baumann und Claudio Pizarro.

Das Abwehrverhalten

Die Probleme der Defensive sind durch die Einstellungsprobleme wesentlich bedingt.

"Wenn ich vorne alle laufen lasse, sind die hinten die ärmsten Schweine", sagt Schaaf. Frank Baumann schafft es derzeit mangels Unterstützung auf der Sechserposition nicht, den gewünschten Prellbock der gegnerischen Offensive zu geben.

Torsten Frings raubte die Nationalmannschaftsdebatte viel von seiner Konzentration. Die Innenverteidiger Naldo und Mertesacker stehen daher zu oft im Hochwasser, sind aber auch schon einmal besser geschwommen.

Die Ausrechenbarkeit

Nimmt der Gegner Diego aus dem Spiel, ist Werders Offensive lahmgelegt. Das belegte der Mittwoch einmal mehr. Panathinaikos setzte Simao mit Erfolg auf den Brasilianer an.

Mesut Özil kann Diego nur selten und Aaron Hunt derzeit gar nicht entlasten. Dass Daniel Jensen mit andauernden Achillessehnenproblemen kämpft, macht die Sache nicht besser.

Die Achillesferse Außenverteidigung

Werders Dauerbaustelle seit der Meister-Saison 2004, als Ümit Davala und Paul Stalteri ein solides Gespann bildeten.

Auf rechts ist Clemens Fritz eigentlich die gewünschte Lösung. Doch Formschwäche und körperliche Probleme werfen den Nationalspieler seit der EM immer wieder aus der Bahn.

Links ist der ungestüme Sebastian Boenisch in der Defensive zu anfällig und Tosic weit davon entfernt, eine Alternative zu sein.

Bleiben mit Sebastian Prödl rechts und Petri Pasanen links zwei Manndecker als Notlösung, die sich nur selten und dann mit überschaubarem Erfolg ins Angriffsspiel einschalten. Ohne Flügelspiel ist Werder - siehe Punkt drei - einfach auszurechnen.

Nun wird die Partie bei Kellerkind Bochum bereits Richtung weisend. Präsident Born geht zumindest davon aus, dass dort das Einstellungsproblem nicht mehr existiert: "Beim VfL wird ein Ruck durch die Mannschaft gehen."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel