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Louis van Gaal gewann mit Ajax Amsterdam 1995 die Champions League © getty

Trainer und Spieler des FC Bayern hoffen trotz des Remis in Leverkusen auf den Titel. Bayer-Kapitän Rolfes kitzelt den BVB.

Von Thorsten Mesch

Leverkusen - "Queda mucha liga" ist eine spanische Fußballweisheit, die Louis van Gaal in seiner Zeit als Trainer des FC Barcelona gelernt hat.

Das deutsche Äquivalent zu dieser Phrase kennt er auch bereits.

"Im Moment ist Dortmund vorn und hat die größten Chancen. Aber ich denke, dass wir noch viele Spiele spielen müssen und noch immer eine Chance haben", sagte der Niederländer nach dem 1:1 des FC Bayern bei Bayer Leverkusen. 314908(DIASHOW: Der 13. Spieltag)

Die Meisterschaft frühzeitig abschreiben ist nicht die Art von van Gaal, der in Spanien mit Barcelona zwei Mal die Meisterschaft gewann und in Deutschland den FC Bayern in der vergangenen Saison zum Double und ins Finale der Champions League führte.

Nerlinger denkt an Platz zwei

Doch der Erfolgscoach weiß, dass die Titelverteidigung angesichts des erneuten Punkteverlusts ein äußerst schwieriges Unterfangen wird. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Unser Ziel ist ein langfristiges Ziel und das ist, Meister zu werden", erklärte van Gaal, doch die Statistik spricht gegen die Münchner.

Noch nie in der Geschichte der Bundesliga wurde eine Mannschaft noch Meister, die nach 13 Spieltagen 14 Punkte Rückstand auf Platz eins hatte. Und noch nie hatten die Bayern zu diesem Zeitpunkt einer Saison einen so großen Rückstand.

Sportdirektor Christian Nerlinger rückte dann auch schon mal vorsichtig von der Titelverteidigung als Ziel ab. "Wir müssen uns stabilisieren und Platz zwei oder drei anvisieren", sagte er. Starker Tobak für einen Bayern-Verantwortlichen so früh in der Saison.

Beckenbauer: BVB "in einer anderen Liga"

Für FCB-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer war die Sache klar. Der Titel sei "Lichtjahre entfernt" und Platz acht "von der Leistung her völlig berechtigt", wetterte der "Kaiser" als TV-Experte.

Tabellenführer Borussia Dortmund spiele "in einer anderen Liga", behauptete Beckenbauer und kritisierte vor allem die "Kindergartenfehler" von Daniel van Buyten und Danijel Pranjic vor Leverkusens Ausgleichstreffer in der 45. Minute.

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Ein Fehlpass des Belgiers hatte Leverkusen in Ballbesitz gebracht, und ein tollpatschiges Foul des Kroaten bescherte den Gastgebern den Strafstoß, mit dem Arturo Vidal die Bayern-Führung durch Mario Gomez (34.) ausglich.

Van Gaal verärgert

"Wir haben dieses Tor weggeben. Eine Spitzenmannschaft muss so klug sein, dass wir die Halbzeit ruhig erreichen. Das haben wir nicht gemacht", analysierte van Gaal.

"So ein Tor zu kassieren ist natürlich ärgerlich", sagte Toni Kroos im Gespräch mit SPORT1: "Da haben wir unsere gute Ausgangsposition für die zweite Halbzeit verschenkt."

Korrekter Treffer aberkannt

Eine bessere Ausgangsposition hatte aber auch Schiedsrichter Florian Meyer den Bayern verwehrt, als er kurz nach Anpfiff ein Kopfballtor von Bastian Schweinsteiger wegen vermeintlicher Abseitsposition nicht anerkannte.

"Mein Kopfball war kein Abseits", wusste auch Schweinsteiger, suchte die Schuld aber nicht beim Unparteiischen:

"Wir haben die erste Halbzeit ganz klar dominiert und haben wieder selber die Fehler gemacht. Das darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren. Wenn wir aufholen wollen, müssen wir auch auswärts mal gewinnen."

Vidal und Heynckes trauern Chancen hinterher

Auch die Leverkusener, die seit August 2004 auf einen Sieg gegen die Bayern warten, konnten ihr Vorhaben, den Rückstand auf Tabellenführer Dortmund nicht noch größer werden zu lasen, nicht in die Tat umsetzen.

"Wir haben, besonders in der zweiten Halbzeit, ein sehr gutes Spiel gemacht. Leider hat uns am Ende ein Tor zum Sieg gefehlt", sagte der hervorragend aufgelegte Vidal im Gespräch mit SPORT1.

"Man muss seine Chancen besser nutzen, das haben wir heute in der zweiten Halbzeit versäumt", stellte Trainer Jupp Heynckes fest.

Rolfes versucht es mit Psychotricks

Durch das Remis verlor Leverkusen den zweiten Platz und hat nun neun Punkte Rückstand auf Dortmund, das sieben Zähler vor Mainz 05 steht.

Dennoch meinte Kapitän Simon Rolfes: "Wir können mit dem Unentschieden leben. Wichtig war, die Bayern auf Distanz zu halten und nicht zu verlieren."

Den Druck auf Dortmund versuchte der Nationalspieler statt mit Punkten mit Psychotricks zu erhöhen. "Wenn sie mit dem Vorsprung, den sie jetzt haben, nicht Meister werden, dann werden sie es wohl nie mehr", erklärte Rolfes.

Gomez hat noch Hoffnung

Darauf das Dortmund einbricht, will sich Bayern-Torjäger Mario Gomez lieber nicht verlassen. Obwohl die angekündigte Klettertour des Rekordmeisters weiterhin noch vor der Mittelstation stangniert, hat der beste Bayer der letzten Wochen seinen Mut nicht verloren.

"Wir haben es geschafft, in 13 Spielen 14 Punkte weniger als Dortmund zu holen. Vielleicht schaffen wir es, den Rückstand in 21 Spielen umzudrehen", sagte Gomez.

Er ist Halbspanier und hätte auch sagen können: "Queda mucha liga."

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