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Thomas Schaaf (l.) und Klaus Allofs sind seit 1999 bei Werder Bremen am Ruder © imago

Es sieht bitter aus für Schaaf und Allofs. Eines ist klar: Einen Freifahrtschein in alle Ewigkeit gibt es auch in Bremen nicht.

Von Daniel Rathjen

München - Lebenslang grünweiß.

Das Mantra der Werder-Fans aus der Ostkurve klingt auch in Trainer Thomas Schaaf und Klubchef Klaus Allofs.

Doch die einheitlichen Schwingungen, die Harmonie, die fußballerische Ästhetik, die den Verein in den letzten zehn Jahren zur Nummer zwei hinter dem FC Bayern werden ließ, ist dahin.

Es herrscht triste Novemberstimmung nach der 0:4-Schmach auf Schalke 314908(DIASHOW: Der 13. Spieltag) - Bremen dümpelt auf Rang elf herum, die Spitze ist 19 Punkte entfernt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Mit Besserung ist auch am Mittwoch bei Tottenham Hotspur in der Champions League, wo das Achtelfinale unerreichbar ist, nicht zu rechnen.

"Wir träumen, wir stehen da, gucken zu, wir wehren uns nicht. Jeder freut sich, gegen uns zu spielen", schimpft Schaaf. Die bittere Erkenntnis: Das Team funktioniert nicht.

31 Gegentreffer sind eine Katastrophe. Seit vier Pflichtspielen haben die Hanseaten nicht mehr getroffen.

Alles steht auf dem Prüfstand

In der Krise wird alles hinterfragt: Transfers, Aufstellung, Einstellung - aber vor allem auch die Leistung der Verantwortlichen (zum Artikel: Allofs stärkt Schaaf).

Seit Mai 1999 ist der 48-jährige Schaaf Trainer der Werder-Profis. Und er darf es noch einige Zeit bleiben. Es sei denn, der Aufsichtsrat senkt den Daumen.

Die Situation ist angespannt, die Beteiligten nervös.

Drohte Schaaf mit Rücktritt?

Laut "Bild" soll Schaaf bereits mit seinem Rücktritt gedroht haben. In einer Aussprache hat er angeblich die Mannschaft gefragt, ob er aufhören solle.

"Dann sitzt hier ein anderer vor euch", sollen die Worte des Werder-Trainers gewesen sein.

Lemke verpasst sich Maulkorb

Der ansonsten auskunftsfreudige Boss Willi Lemke verpasst sich einen Maulkorb, am Telefon verweist er auf die Pressestelle. Wohlwissend, dass diese ohnehin keiner Interview-Anfrage stattgeben wird.

Hinter den Kulissen greift er längst mit ein. Nach dem 0:6-Desaster beim VfB Stuttgart am elften Spieltag wurde die Kommunikation zwischen dem Kontrollorgan Aufsichtsrat und der sportlichen Leitung intensiviert.

Lemke glaubt weiter fest an Schaaf und Allofs, daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Doch die anhaltende Flaute wird auch ihn ins Grübeln bringen.

Über einen Rauswurf der Urgesteine Schaaf/Allofs wird mittlerweile wild spekuliert. Lemke könnte mit einem klaren Bekenntnis die Diskussionen einmal mehr verstummen lassen.

Rauswurf kein Tabuthema

Warum macht er es trotzdem nicht?

"Dass wir nicht über eine Entlassung von Thomas Schaaf reden, ist nicht aus Prinzip", sagt Allofs: "Wenn in den Gremien die Meinung herrscht, dass es anders ist, dann ist es sicherlich kein Tabuthema."

Er spürt - wie alle am Osterdeich in diesen stürmischen Tagen: Einen Freifahrtschein in alle Ewigkeit gibt es auch in Bremen nicht - weder für den Coach noch den Klubchef.

[kaltura id="0_tukrwdx9" class="full_size" title="Bremen im freien Fall"]

"Wir sind alle auf dem Prüfstand", merkt Allofs passend an. Ihm schlägt von einigen Fans heftige Kritik an seiner Einkaufspolitik entgegen.

Das Problem Neuzugänge

Das Konzept, den Weggang von Mesut Özil zu Real Madrid durch eine Doppelllösung mit Marko Marin und Aaron Hunt auszugleichen, geht nicht auf.

Die Neuzugänge Wesley und Mikael Silvestre brachten den Verein nicht nach vorne - Marko Arnautovic spielt zu oft sein eigenes Spiel.

Schaaf und Allofs müssen sich an diesen Namen messen lassen.

Hinzu kommt Verletzungspech - wie das von Torjäger Claudio Pizarro und Abwehrsäule Naldo oder Formschwäche wie bei Per Mertesacker.

Der Rest lässt sich mit herunterziehen und nur noch schwerlich motivieren. Die Farce um die eingefrorenen Gehälter hat das Verhältnis zwischen Team und Verantwortlichen nicht verbessert.

In einer Krisensitzung in den Katakomben des Weserstadions redeten Schaaf und Allofs ihren Profis zum wiederholten Male ins Gewissen. Ob sie mit ihren Worten noch durchdringen?

Explosive Stimmung

Fakt ist: Es gab in den vergangenen Jahren schon so manche Krise an der Weser. Die Rettung gelang immer, denn Kontinuität war der Schlüssel zum Erfolg. Allerdings war die Gesamtmischung noch nie so explosiv wie jetzt.

Allen, die das Festhalten am Trainer jedoch als Tatenlosigkeit ansehen, entgegnet Allofs schroff:

"Wie es wahrgenommen wird, ist mir eigentlich egal. Wir machen die Arbeit, die sinnvoll für Werder ist. Die Arbeit geht weiter, aber wir werden sie nicht grundlegend ändern."

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