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Diego kam im Sommer für 15 Millionen Euro von Juventus Turin nach Wolfsburg © imago

So heftig wie nie offenbaren die "Wölfe" bei St. Pauli die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Dzeko wird sarkastisch.

Von Martin Hoffmann

München/Hamburg - Für fast 40 Millionen Euro haben sie eingekauft, um den Meister-Glanz wiederherzustellen.

Ein Anspruch, dem der VfL Wolfsburg schon länger hinterherhinkt. Noch nie aber zeigte sich die Kluft zwischen Anspruch und Realität so deutlich wie bei der trostlosen Vorstellung beim 1:1 auf St. Pauli.

Sascha Riether sah die blutarme Leistung hinterher bei LIGA total! in arg mildem Licht als er Worte wie "gut dagegengehalten" und "Punkt geht in Ordnung" in den Mund nahm.

Aber er brachte die unbefriedigende Lage dann auf den Punkt, als er erklärte: "Tatsache ist, dass wir auf dem 13. Platz stehen. Da müssen wir eben kleinere Brötchen backen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Discounter-Semmeln von Feinbäckern

Was die "Wölfe" am Millerntor ablieferten waren aber nicht nur kleine Brötchen, sondern geschmacksneutrale Discounter-Semmeln - und das aus den Händen von teuer bezahlten Meister-Patissiers 314908(DIASHOW: Der 13. Spieltag).

Kostspielige Hoffnungsträger wie Diego - der nach seiner fünften Gelben Karte ein Spiel pausieren muss - oder Mario Mandzukic schoben in der Offensive leidenschaftslos wirkenden Dienst nach Vorschrift.

Meisterhelden von 2009 wie der wirkungslose Ex-Kapitän Josue oder Außenverteidiger Marcel Schäfer sind zu Schatten ihrer selbst verkommen.

Dzeko rettet Punkt

Und alles in allem kam die Wolfsburger Mannschaft herüber wie ein identitäts- und seelenloses Konstrukt, das nicht ineinandergreift.

Und so musste Manager Dieter Hoeneß sich schon "hochzufrieden" zeigen, dass nach leichter Steigerung in der zweiten Halbzeit noch ein Punkt heraussprang.

Den rettete dem Team von Steve McClaren "ein langer, verkackter Ball" (St.-Pauli-Coach Holger Stanislawski), der über Diego und Torschütze Edin Dzeko schließlich den Weg ins Netz fand.

"Waren es drei?"

Aufgeheitert war der Bosnier hierdurch aber nicht. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll", meinte er bei LIGA total! sichtlich zerknirscht: "Es läuft nicht, und warum, kann ich nicht sagen."

Nur dreimal schoss sein Team aufs Tor ? und Dzeko zeigte sich von diesem statistischen Wert schon positiv überrascht: "Waren es drei? Man kann sagen, dass es sich wie weniger anfühlte."

Speziell in der ersten Halbzeit sei sein Team "gar nicht ins Spiel gekommen. Da fehlte die Aggressivität, wir waren immer zu spät."

Stanislawski hin- und hergerissen

Die engagierte Offensivleistung der Gastgeber wurde derweil nach einer knappen halben Stunde belohnt, als Abwehrspieler Markus Thorandt nach einer Ecke den Ball ins Netz köpfte.

"Gerade in der ersten Halbzeit waren wir in allen Belangen überlegen", konnte Stanislawski dann auch feststellen.

Das Problem dabei: "Uns fehlt die letzte Konsequenz, aus den Möglichkeiten dann auch das zweite oder dritte Tor zu machen."

Stattdessen bekäme sein Team "einen langen Ball, wo wir schlafen und uns richtig schlecht anstellen. Dafür werden wir im Moment bestraft."

"Enttäuschung ist riesengroß"

So stand auch St. Pauli am Ende unzufrieden da: Nach vier Niederlagen in Folge hätte mehr geholt werden müssen als der eine Punkt.

"Die Enttäuschung ist riesengroß, wir haben uns wieder für einen Riesenaufwand nicht belohnt", fasste Fabian Boll bei LIGA total! die Gemütslage zusammen.

Wobei er allerdings auch festhielt: "Die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, sollte uns aber Mut geben."

Ein Satz, der sich nicht auf die Wolfsburger übertragen lässt.

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