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Lukas Piszczek (l.) und Neven Subotic bejubeln den Dortmunder Sieg in Freiburg © getty

Die Titelkandidaten im Herbst-Check: Der BVB muss seine Chance ergreifen - und der ernsthafteste Konkurrent ist nicht Bayern.

Von Martin Hoffmann

München - "Wenn die Dortmunder bei dem Abstand nicht Meister werden, dann werden sie es nie mehr."

Es ist ein Satz mit Hinterlist, denn er kommt von Simon Rolfes, dem Kapitän von einem der Teams, das die Mannschaft von Jürgen Klopp auf dem Weg zum Titel noch aufhalten will.

Bayer Leverkusen ist eines der wenigen Teams, das derzeit noch wie eine ernsthafte Bedrohung für die Dortmunder wirken.

Die haben die Herbstmeisterschaft mit sieben Punkten Vorsprung vor dem Zweiten Mainz schon fast sicher (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). Und die Chance auf den echten Titel ist auch so groß wie lange nicht (Wer wird Ihr Meister? Der Tabellenrechner).

Abgeschlagene Konkurrenten

Zu dominant ist der BVB, zu abgeschlagen schon mehrere vermeintliche Konkurrenten.

"Der HSV und Schalke hätten vom Kader her die Qualität, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die da noch mal nach vorne kommen", schließt SPORT1-Experte Huub Stevens einen Titelgewinn der beiden Großklubs aus.

Zusammen mit dem langjährigen Bundesliga-Coach unterzieht SPORT1 den BVB und die anderen Meisterkandidaten dem Herbst-Titel-Check.

Borussia Dortmund:

"Es stellt sich die Frage, wer Dortmund noch aufhalten soll", meint Stevens. Und die Antwort scheint langsam, aber sicher zu lauten: nur noch Dortmund selbst.

Die Vorzüge der Schwarz-Gelben sind oft genug auf- abgewälzt worden: Jung, hungrig, schnell, lauffreudig, intensiv, qualitativ auch in der Breite stark besetzt - und von einem kompetenten Coach navigiert.

"Die Bewegung ohne Ball klappt sehr gut. Sie schalten schnell um, wenn sie in Ballbesitz kommen", meint Stevens, der auch auf den Beitrag des Umfeldes zum fantastischen Lauf des BVB hinweist:

"Es passt auch im Klub und in der Organisation drumherum. Hans-Joachim Watzke sorgt dafür, dass Ruhe herrscht, auch wenn es einmal nicht so läuft."

Beim 2:1 in Freiburg hat der BVB nun demonstriert, dass er auch einen Sieg in einem Spiel, das gegen ihn läuft erzwingen kann 314908(DIASHOW: Der 13. Spieltag).

Es war ein Sieg, von dem es nachher an den Stammtischen heißt: "Wenn du das gewinnst, gewinnst du auch die Meisterschaft."

Der Schlüssel zu diesem Ziel wird vor allem in den ersten Wochen der Rückrunde liegen, wenn Dortmund innerhalb weniger Wochen auf Leverkusen, Stuttgart, Wolfsburg, Schalke und schließlich Bayern treffen wird.

SPORT1-Fazit: Die Chance auf die Meisterwürde ist mittlerweile so groß, dass Dortmund sie ergreifen muss. Bis dahin stehen aber noch 21 Spiele an, in denen die junge Mannschaft viele Monate mit dem Druck des Gejagt-Seins zurechtkommen muss. Aber übersteht der BVB den Rückrunden-Start einigermaßen schadlos, sollte er durch sein.

Mainz 05:

Den leisen Abschied der Sensationsstarter ins graue Mittelmaß sahen viele nach der Misserfolgsserie zuletzt schon gekommen.

Aber nach dem Kraftakt in Gladbach ist die Tuchel-Elf nun doch wieder erster Verfolger der Dortmunder.

Bleiben dürfte sie es nicht: "Mainz zähle ich nicht zu den ernsthaften Konkurrenten für Dortmund", glaubt Stevens: "Die bekommen noch ihre Probleme und werden zurückfallen."

Der Sieben-Siege-Start war ein Lauf einer eingeschworenen Truppe, der für ein gutes, aber nicht herausragend besetztes Team wie Mainz, auf den sich gegnerische Teams besser einstellen werden, nicht dauerhaft reproduzierbar ist.

SPORT1-Fazit: Das Zeug zum Meister haben die Rheinhessen nicht. Das für eine starke Saison weit über den ursprünglichen Erwartungen aber weiterhin sehr wohl.

[kaltura id="0_6tk9a92c" class="full_size" title="Dortmund auf dem Weg zum Titel"]

Bayer Leverkusen:

Die Werkself ist der Verfolger, der Dortmund im Moment noch am ehesten Kopfzerbrechen bereiten muss.

Der Tabellendritte ist der einzige Establishment-Vertreter, der die Folgen der WM - verkürzte Vorbereitung, müde und verletzte Stars - noch halbwegs schadlos überstanden hat.

Stevens sieht Bayer als den BVB-Konkurrenten, der "noch am konstantesten spielt".

Was kein Zufall ist: Die Heynckes-Elf ist ein gewachsenes und eingespieltes aber zugleich weitgehend junges und hungriges Kollektiv.

Anders als die Bayern können die Leverkusener Dortmund jagen, ohne selbst wegen der eigenen Ansprüche unter Druck zu stehen. Und: Mit Michael Ballack und Stefan Kießling werden sie nach der Winterpause noch stärker sein.

SPORT1-Fazit: Mit der Werkself dürfte im Titelkampf noch zu rechnen sein. An der Neun-Punkte-Hypothek wird sie sich aber erstmal abmühen müssen.

FC Bayern:

Platz acht hinter Hannover, Hoffenheim, Frankfurt und Freiburg. 14 Punkte Rückstand auf Platz eins.

Jedes andere Team mit diesem Ist-Zustand hätte niemand mehr auf der Meister-Rechnung.

In der Bundesliga aber gilt der mit "Wasser ist nass" und "Die Sonne geht täglich auf" gleichzusetzende Lehrsatz: "Die Bayern sollte man niemals abschreiben."

So sagt es auch Stevens: "Die Bayern muss man weiterhin auf der Rechnung haben, dafür ist ihre Qualität zu groß."

Die Frage ist nur, wie viel sie unter den aktuellen Gegebenheiten noch nutzt: Das Not-Team stieß in Leverkusen an seine Grenzen, Defensivprobleme und die prominenten Ausfälle beschäftigen den Rekordmeister weiterhin.

Fast alle Hoffnungen ruhen auf der Rückrunde, in der die Bayern mit fitten Ribery und Robben und wohl einer verstärkten Abwehr die von Karl-Heinz Rummenigge ausgerufene "Klettertour" zum Erfolg führen wollen.

Nur: Die Konkurrenz hat im kommenden Jahr auch nicht vor, vom Basislager aus interessiert zuzusehen. Und die Dreifachbelastung kann auch im neuen Jahr noch Personalprobleme mit sich bringen.

SPORT1-Fazit: Die Bayern - die am 13. Spieltag noch nie so weit von Platz eins weg waren - brauchen einen historischen Kraftakt. Und auch die größte Qualität wird dafür wohl nicht ausreichen.

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