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VfB-Keeper Sven Ulreich war mit Christian Dingerts Entscheidungen nicht einverstanden © getty

Eine Häufung von Fehlentscheidungen am 13. Spieltag ruft Proteste hervor. Kritiker Bobic muss sich Populismus vorwerfen lassen.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Grundsätzlich gehören Schiedsrichter-Fehlentscheidungen zum Fußball wie die beiden Tore auf dem Spielfeld. Doch wenn sie sich derart häufen, wie am 13. Spieltag, dann gibt das Stoff für größere Diskussionen.

"Das geht in Richtung Frechheit, das war ein klares Foul an Georg Niedermeier", kommentierte Stuttgarts Trainer Jens Keller die Strafstoß-Entscheidung zu Gunsten des 1. FC Köln.

Schiedsrichter Christian Dingert wertete das anders, er sah Niedermeier als Täter und Kölns Stürmer Milivoje Novakovic als Opfer.

"Eine Frechheit, ein Witz", ärgerte sich Fredi Bobic darüber, dass der VfB durch den unberechtigten Elfmeter das Spiel mit 0:1 verlor. Sechs Punkte hätten falsche Pfiffe seinen Klub bereits gekostet. 314908(DIASHOW: Der 13. Spieltag)

"Irgendwann ist Schluss", schimpfte der Sportdirektor und stellte die Frage, ob Schiedsrichter Dingert mit der Erfahrung von drei Bundesligaspielen einer solchen Partie überhaupt gewachsen sein könne.

Fandel kontert Bobic

Herbert Fandel antwortete in der "Stuttgarter Zeitung" prompt: "Er pfeift seit vielen Jahren im Profibereich, ist mit 30 Jahren älter als die meisten Spieler", verteidigte der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichter-Kommission seinen Schützling und gab Bobic gleich noch eine mit:

"Von Herrn Bobic wird zu viel über Schiedsrichter geredet".

Er vermutet billigen Populismus hinter Bobic' Schimpftirade: "Schiedsrichter-Schelte ist ein populäres Mittel, wenn Punkte fehlen. Manchmal hat man das Gefühl, dass Manager oder Trainer oft erst dann richtig anerkannt werden, wenn sie mal so richtig gegen die Schiedsrichter austeilen."

Auch FIFA-Referee mit Fehler

Langjährige Erfahrung schließt Fehlentscheidungen ohnehin nicht aus.

Der 41-jährige FIFA-Schiedsrichter Wolfgang Stark sorgte am zwölften Spieltag in Wolfsburg für Aufregung, als er laut VfL-Trainer Steve McClaren "als einziger im Stadion" ein Handspiel von Schalkes Klaas-Jan Huntelaar vor dem 2:2 nicht sah.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Dann können die Spieler selbst pfeifen"

Nach Diskussionen um diese Szene wurden die Schiedsrichter aufgefordert, an das Fair Play zu appellieren und im Zweifel bei den Spielern nachzufragen. Das tat Dr. Jochen Drees in Hannover - und erntete Kritik: Dem 2:1 des Hamburger SV soll ein Handspiel von Paolo Guerrero vorausgegangen sein. Der Peruaner verneinte.

"Wenn ein Tor mit der Hand erzielt wird, kann ich so eine Frage nachvollziehen. Aber nicht so. Das war 40 Meter vor dem Tor. Hannover hatte noch zweimal die Gelegenheit zu verteidigen", zeigte sich HSV-Trainer Armin Veh verständnislos.

"Wenn wir da hinkommen, können die Spieler auch selbst pfeifen. Wozu braucht man da noch Schiedsrichter?"

Mehr Klarheit bei Regelauslegung gefordert

Beim Wunsch nach mehr Einheitlichkeit bei der Regelauslegung sind sich die Bundesliga-Trainer jedenfalls einig.

"Wir müssen dahin kommen, dass die Schiedsrichter die Regeln so einheitlich wie möglich auslegen", fordert Stanislawski.

"Wir sind nicht bei der Rhythmischen Sportgymnastik. Wenn man keinen Zweikampf mehr führen darf, kann die Mannschaft relativ wenig für die Niederlage."

Sechs Patzer in neun Spielen

Neben Dingert und Drees fielen noch weitere Schiedsrichter am 13. Spieltag negativ auf. Florian Meyer legte beim Spiel zwischen Leverkusen und Bayern Handspiele unterschiedlich aus.

Babak Rafati übersah bei Gladbachs 1:0 gegen Mainz eine Abseitsstellung und ein Foul von Igor de Camargo.

Markus Wingenbach entging in Frankfurt ein Handspiel des Hoffenheimers Demba Ba im Strafraum. Knut Kircher ahndete bei Rauls 3:0 für Schalke gegen Bremen eine Abseitsstellung von Klaas-Jan Huntelaar nicht.

Körpersprache auf der Agenda

Sechs von neun Bundesliga-Unparteiischen in der Kritik. Das ist eine Negativbilanz, die auch den Verantwortlichen des DFB nicht gefallen dürfte.

Nach den "Arroganz-Vorwürfen" durch Wolfsburg-Manager Dieter Hoeneß in Richtung Stark räumte Lutz-Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter, ein, dass sich der DFB mit dem Auftreten der Referees beschäftigt.

Er erklärte: "Wir haben das Thema Körpersprache auf der Agenda." Eine einheitliche Regelauslegung sollte ebenfalls auf diese Agenda gesetzt werden.

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