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Mike Hanke kommt in Hannover in dieser Saison auf gerade mal drei Kurzeinsätze © imago

Mit der sich abzeichnenden Verlängerung für Hannovers Coach verdüstert sich die Perspektive des degradierten Stürmers noch mehr.

Von Christian Paschwitzund Björn Seitner

München - Sie wollen auf Kontinuität setzen bei Hannover 96: Noch vor Weihnachten soll Trainer Mirko Slomka seinen im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag beim Überaschungsteam der Liga verlängern.

Das neue Arbeitspapier soll dann bis 2013 oder 2014 gelten. "Wir wollen möglichst zügig zu einer Einigung kommen", bestätigt Klubchef Martin Kind.

Ruckzuck gehen könnte es beim Tabellen-Vierten auch bei Mike Hanke. Allerdings in die ganz andere Richtung. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Zeichen stehen auf Trennung zwischen dem Stürmer und den Niedersachsen - ungeachtet Hankes Comeback und Last-Minute-Kopfballtores beim 3:2 über den Hamburger SV.

Ist Hanke in sechs Wochen weg?

Ist Hanke gar schon in sechs Wochen weg? Die Vermutung liegt nahe, sollte in der Winter-Transfer-Periode ein Klub sein Interesse an dem Ex-Nationalstürmer anmelden.

"Die Mannschaft spielt eine riesige Saison, aber bei mir ist nichts rosig. Auch nicht mit dem Tor. Ich bin sehr enttäuscht, dass ich kaum Einsätze bekomme", klagt Hanke, der insgesamt auf gerade mal drei Einwechslungen und 51 Spielminuten Saison-Einsatzzeit kommt.

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich der gebürtige Westfale auch eine Rückserie dieser Art geben will.

Fehlende Chemie mit Slomka

Zumal Slomka dem Rechtsfuß, dem immer wieder auch mal Selbstüberschätzung vorgehalten wird, ohnehin keine echte Perspektive mehr einzuräumen scheint:

Vor dem Dortmund-Spiel vor drei Wochen schmiss er Hanke und den ebenfalls aufs Abstellgleis geratenene Jan Schlaudraff aus dem Kader. Deutlicher kann ein Trainer kaum zeigen, dass er ohne einen plant.

Schon im Sommer trat zutage, dass es zwischen Slomka und Hanke deutlich knirscht.

Abschied schon im Sommer ein Thema

Folge: Hannover wollte den teuren Angreifer wie auch Schlaudraff von der Gehaltsliste stoßen - aber es klappte nicht.

"Es hat sich gezeigt, dass es für diese Spieler keinen Markt gibt im Moment", hatte Sportdirektor Jörg Schmadtke seinerzeit erklärt. "Jetzt müssen sie sich eben im Training anbieten."

Geändert hat sich seither indes nichts: Hanke, der im vergangenen Herbst noch den aberwitzigen Traum von der Rückkehr in die Nationalmannschaft hatte, pendelt irgendwo zwischen Bank und Tribüne.

Keine Chance gegen Abdellaoue und Ya Konan

Der Einsatz gegen den HSV resultierte allein aus den großen Verletzungssorgen der Niedersachsen.

Ansonsten kommt Hanke nicht zum Zug gegen die Sturm-Konkurrenz Didier Ya Konan (5 Liga-Toe) und den von Slomka hochgeschätzen Mohammed Abdellaoue (4), der wegen Adduktoren-Problemen vom Trainer höchstpersönlich einen Kurz-Urlaub unter Ägyptens Sonne verordnet bekam.

"Vielleicht passe ich nicht ins System", meint der WM-Fahrer von 2006, der als wuchtiger Strafraum-Spieler womöglich tatsächlich ungeeigneter ist in Slomkas Kontertaktik.

"Millionär im Schmollwinkel"

Das allein mag jedoch zu kurz greifen: Vielmehr hat Hanke in der Vergangenheit im Kampf um den Posten des ersten Ersatzmannes die dafür erforderliche Mentalität vermissen lassen.

Vom "Millionär im Schmollwinkel" schrieb dazu im Sommer die "Hannoversche Allgemeine" über den 2007 vom VfL Wolfsburg geholten "Königstransfer" des damaligen 96-Trainers Dieter Hecking - bei einer Ablösesumme von 4,5 Millionen Euro.

Bei den "Wölfen" hatte Hanke unterm Strich die großen in ihn gesetzten Erwartungen ebenso wenig erfüllt wie aktuell in Hannover. Er erzielte für das Team aus der Autostadt in zwei Spielzeiten je acht Treffer.

Schwieriges Verhältnis zu den Fans

Hanke weiß, dass der Treffer nun gegen den HSV an seine Situation wohl kaum noch etwas ändert. Auch nicht an seinem heiklen Verhältnis zu den Fans.

"Es gibt immer einige, die pfeifen mich schon aus, wenn ich den Ball berühre. Das ärgert mich", sagt der Stürmer. Der 96-Coach kommentierte Hankes erstes Saisontor sowieso vielsagend nüchtern: "Dafür steht er im Kader."

Fragt sich nur, wie lange noch angesichts Slomkas wahrscheinlicher Vertragsverlängerung.

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