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Zwei Youngster und ein Etablierter: (v.l.) Sebastian Rudy, Peniel Mlapa und Demba Ba © imago

SPORT1-Experte Thon traut 1899 Großes zu. Manager Tanner will davon nichts wissen, freut sich aber über die Erfolgs-Youngster.

Von Christian Paschwitz und Martin Hoffmann

München - Der Kantersieg am vergangenen Wochenende gegen Eintracht Frankfurt erhellte die Mienen bei 1899 Hoffenheim gleich doppelt.

Nicht nur, dass das 4:0 die Kraichgauer auf den fünften Tabellenplatz springen ließ. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Das Resultat ist auch ein Signal, dass der Philosophie-Wechsel der Hoffenheimer zu einer Erfolgsgeschichte wird.

Das Team von Trainer Ralf Rangnick wird nämlich mehr denn je geprägt durch die forschen Auftritte seiner jungen, deutschen Spieler.

"Nicht irgendwelche Mitläufer"

Bezeichnend: Der 20-jährige Boris Vukcevic trug sich gegen die Eintracht ebenso in die Torschützenliste ein wie schon zum dritten Mal der ein Jahr jüngere Deutsch-Togolese Peniel Mlapa.

Mit Sebastian Rudy (20) wiederum leistete ein weiterer deutscher Youngster die Vorarbeit dazu.

Alle drei sind deutsche U-21-Nationalspieler, "und nicht irgendwelche Mitläufer", wie Manager Ernst Tanner gegenüber SPORT1 betont. Die Art und Weise, wie das Trio sich in der Bundesliga und beim DFB etabliert hat, "freut uns sehr".

Abkehr von Philosophie teurer Ausländer?

Tanner, zuvor als Nachwuchsleiter von 1860 München ein extrem erfolgreicher Schmied junger Juwelen wie den Bender-Zwillingen, Timo Gebhart und Marcel Schäfer, ist die lebende Verkörperung des Hoffenheimer Strategiewechsels.

Hin zu jungen deutschen Talenten, weg von den Transfers teurer Spieler aus fernen Ländern ohne Deutschland-Erfahrung.

Den Wellingtons, Zuculinis und Maicosuels, die sich als kostspielige Flops entpuppten - und ihren Anteil an der Demission von Manager Jan Schindelmeiser hatten.

Die besseren ausländischen Einkäufe wie Vedad Ibisevic, Demba Ba, Chinedu Obasi und Luiz Gustavo - der nun passenderweise gern den deutschen Pass hätte - sind dabei weiterhin die Korsettstangen von 1899.

Zugleich aber rücken immer mehr einheimische, junge Mitspieler in das Gefüge vor.

Altersschnitt von 24,3 Jahren

Dass die junge Mannschaft (im Schnitt 24,3 Jahre) gerade zu Saisonbeginn noch manches Mal Lehrgeld zahlte, liegt dabei auf der Hand.

Bereits viermal kassierte 1899 ein entscheidendes Gegentor in der Schlussviertelstunde, stand am Ende mit nur einem oder keinem Punkt da.

Nach dem 0:1 gegen Freiburg - Cisse traf in der Nachspielzeit - monierte Rangnick deshalb: "Das ist nicht nur eine Konzentrationssache, sondern hat was mit Ernsthaftigkeit zu tun."

Stil mit Kehrseite

Wobei Tanner nun erklärt: "Gegen eine Last-Minute-Niederlage ist auch eine alte Mannschaft nicht gefeit. Aber klar, ein junger Spieler haut in einer entscheidenden Situation den Ball dann vielleicht mal nicht weg." Gewissermaßen die Kehrseite des Jugendstils.

Welches Potenzial aber im jungen 1899 steckt, dokumentierten die siegreichen Auftritte gegen Bremen (4:1), Schalke (2:0), Hannover (4:0) - und eben zuletzt gegen Frankfurt.

Herausragend dabei auch: Ein junger Isländer namens Gylfi Sigurdsson.

Isländer Sigurdsson glänzt

Der 21-Jährige, zuvor in Englands zweiter Liga beim FC Reading, hat bereits vier Saison-Treffer auf dem Konto. Ein Doppelpack gelang gegen Hannover.

Zustande gekommen war der Wechsel durch Rangnicks Sohn Kevin, der in Reading zur Schule ging und Sigurdsson seinem Vater empfahl.

Ein kurioser Zufall, während der Aufschwung Hoffenheims "junger Wilder" insgesamt für ein Konzept steht: Die Greenhorns wittern ihre Chance, den - selbst noch alles andere als alten - Arrivierten erfolgreich Dampf zu machen.

Thon: "Geheimfavorit auf die Dortmund Jagd"

Mit einem Sieg gegen Leverkusen am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-Ticker) könnte Hoffenheim das nächste Ausrufezeichen setzen.

Schaffen sie es, sieht SPORT1-Experte Olaf Thon die Hoffenheimer gar schon als "Geheimfavorit auf die Dortmund-Jagd" und "Kandidat für die Plätze eins bis drei".

Tanner quittiert das mit einem Lachen - diese Einschätzung ist für ihn zu viel der Ehre: "Das Zeug dafür haben wir sicher nicht, da müssen wir die Kirche im Dorf lassen."

Wenn es bis zum Saisonende beim aktuellen Platz fünf bliebe, "wären wir schon mehr als zufrieden".

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