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Cristian Molinaro (l.) wechselte im Januar 2010 von Juventus zum VfB © imago

Im SPORT1-Interview spricht Cristian Molinaro darüber, wie er mit Stuttgarts Krise umgeht und was jetzt dem Team hilft.

Von Mathias Frohnapfel

München - Der VfB Stuttgart gehört bislang zu den großen Enttäuschungen der Saison.

Seit den ersten Wochen stehen die Schwaben im Tabellenkeller: Existenzkampf statt Champions-League-Hoffnungen sind angesagt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Auch Cristian Molinaro hat Schwierigkeiten, an seine Leistungen aus der Vorsaison anzuknüpfen.

Zur Winterpause kam der 27-Jährige auf Leihbasis von Juventus Turin zum VfB. Der Italiener half die Viererkette zu stabilisieren und brachte sich mit Feuereifer im Spiel nach vorn ein.

Der Lohn: Die Schwaben holten Molinaro für eine Ablöse von rund 3,8 Millionen Euro, statteten ihn mit einem Vertrag bis 2014 aus.

Molinaro schaffte zudem via Stuttgart den Sprung in Italiens Nationalelf. Jetzt will er unbedingt beweisen, dass er sich dieses Qualitätssiegel verdient hat.

Vor dem Spiel beim Hamburger SV (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht der Italiener im SPORT1-Interview über seine Ambitionen, die strenge Linie von Trainer Jens Keller und Landsmann Mauro Camoranesi.

SPORT1: Herr Molinaro, Stuttgart steckt seit Wochen im Abstiegskampf. Fehlt im Vergleich zur Vorsaison eventuell eine Persönlichkeit wie Jens Lehmann oder Sami Khedira, die das Team mehr antreiben könnte?

Cristian Molinaro: Es ist klar, dass wir sehr wichtige Spieler verloren haben. Es war nicht leicht sie zu ersetzen.

SPORT1: Braucht der VfB also eine spezielle Führungsfigur?

Molinaro: Ich denke nicht, dass es an einer einzigen Person liegt. Es liegt nicht daran, dass wir einen brauchen, der für uns die Entscheidungen trifft.

SPORT1: Sondern?

Molinaro: Wir Spieler, die auf dem Platz stehen, müssen uns einfach steigern. Wir sind einfach zu unkonstant, es geht zu viel hoch und runter. Ich finde, wir müssen uns an den Dingen hochziehen, die wir gut gemacht haben, als wir als Mannschaft aufgetreten sind.

SPORT1: In der Europa League sind dem VfB ja bisher starke Auftritten gelungen, meinen Sie solche Momente?

Molinaro: Ja, in manchen Partien gelang es uns, mit diesem Esprit anzutreten, in anderen Fällen haben wir den sozusagen fast gänzlich zu Hause vergessen. In der Europa League haben wir gezeigt, dass wir gegen jedes Team gute Chancen haben. In der Bundesliga haben wir gegen Lautern und Köln Punkte verschenkt. Bei allem Respekt vor diesen Gegnern: Die Spiele hätten wir gewinnen können.

SPORT1: Und wie sieht bisher Ihre persönliche Saisonbilanz aus?

Molinaro: Ich fühle mich in Stuttgart weiterhin sehr wohl, leider befindet sich die Mannschaft in keiner einfachen Lage. Das schmeckt uns allen nicht gut. Nach der letzten Rückrunde haben manche gedacht, dass es weiter gut läuft. Wir müssen jetzt einfach in die Hände spucken und weiterkämpfen. Ich persönlich versuche das Maximum zu geben und trotzdem mit einem Lächeln meinen Job zu machen.

SPORT1: Beim VfB haben Sie den Aufstieg zum italienischen Nationalspieler geschafft, im August ihr Debüt gefeiert. Was bedeutet Ihnen das?

Molinaro: Es war mein ganz großer Traum, für die "squadra azzurra" zu spielen. Ich hoffe, dass noch viele Einsätze hinzukommen. Und ich möchte mich auch beim VfB Stuttgart und der ganzen Mannschaft dafür bedanken, die es mir sehr leicht gemacht haben, mich sofort hier einzuleben. Das Team hat gut gespielt, ich auch. So habe ich mir auch die Nominierung für Italiens Nationalteam verdient.

SPORT1: Haben Sie keine Angst, dass Ihre Karriere in der Nationalelf ins Stocken gerät, wenn die VfB-Defensive weiter so viele Tore zulässt?

Molinaro: Ich bin mir natürlich bewusst, dass es für einen Italiener, der bei einem Klub im Ausland unter Vertrag steht, besonders schwer ist, nominiert zu werden. Und ich weiß, dass ich den Platz in der Nationalelf wieder verlieren kann, wenn es für Stuttgart und mich weiterhin nicht gut laufen sollte. Doch wir werden alles dafür tun, damit es wieder aufwärts geht.

SPORT1: Mauro Camoranesi wurde kurz vor Ende der Transferperiode verpflichtet. Helfen Sie ihm auch, sich im Schwabenland einzugewöhnen?

Molinaro: Camoranesi integriert sich sehr schnell und er ist bescheiden, kein Lautsprecher. Wenn er Hilfe braucht, auch mit der Sprache, bin ich für ihn da. Im Moment spielt er nicht, aber er kann gewiss der Mannschaft helfen, denn er ist ein starker Spieler und fühlt sich hier wohl. Das wird er auch noch zeigen.

SPORT1: Camoranesi gilt als ein Beispiel dafür, dass Jens Keller auf große Namen keine Rücksicht nimmt. Wie sehen Sie das?

Molinaro: Es ist sehr positiv, wenn die Spieler auflaufen, die beim Trainer den besten Eindruck hinterlassen. Wir arbeiten aber alle viel, können in den nächsten Wochen mit den schwierigen Aufgaben jeden Spieler gebrauchen.

SPORT1: Hat denn der Trainerwechsel hin zu Jens Keller einen positiven Umschwung gebracht?

Molinaro: Ich denke, dass so ein Wechsel etwas freisetzen kann. Wir arbeiten gut, trainieren gut. Wir sind aber nicht auf dem Niveau, das der Trainer von uns verlangt. Er macht eine sehr gute Arbeit, sowohl was den technischen als auch den taktischen Bereich betrifft.

SPORT1: Am Samstag tritt der VfB in Hamburg an. Wie schätzen Sie den HSV ein?

Molinaro: Die Hamburger haben eine gute Mannschaft, die sogar das Zeug hätte, Meister zu werden. Aber sie sind eben - wie wir - noch nicht konstant.

SPORT1: Wie wichtig wird die Auswärtspartie für den Abstiegskampf?

Molinaro: Das wird dort bestimmt nicht leicht. Aber wir können eben keine Rücksicht mehr darauf nehmen, wo und gegen wen wir spielen.

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