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Übersetzer und Co-Trainer das waren bis vor kurzem die wichtigsten Aufgaben von Pierre Littbarski (l.) beim VfL Wolfsburg. Jetzt hat er von Steve McClaren das Amt als Chefcoach übernommen. SPORT1 zeigt die schönsten Bilder von "Littis" Karriere
Pierre Littbarski (l.) ist seit Anfang der Saison Co-Trainer beim VfL Wolfsburg © getty

Mit Wolfsburg kehrt Pierre Littbarski nach Köln zurück. Im SPORT1-Interview spricht er über die alte Liebe und aktuelle Probleme.

Von Mathias Frohnapfel

München - In Köln ist Pierre Littbarski eine Kultfigur. 406 Bundesligaspiele absolvierte er für die "Geißböcke" und erzielte dabei 116 Tore.

Mit Thomas Häßler verknotete der offensive Mittelfekldspieler in gemeinsamen Kölner Zeiten so manchem Gegner die Beine.

Nun kehrt "Litti" in die Domstadt zurück - allerdings als Gegner.

Wenn am Sonntag der VfL Wolfsburg ins RheinEnergieStadion kommt (ab 17.15 im LIVE-TICKER), steht der 50-Jährige als Co-Trainer der "Wölfe" an der Seitenlinie.

Im SPORT1-Interview spricht Littbarski über die Kontakte zum FC, seine Rolle in Wolfsburg, lustige Sprachmissverständnisse und die unbefriedigende Tabellensituation.

SPORT1: Herr Littbarski, was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an Thomas Häßler denken?

Littbarski: Klasse Fußballer, er ist wie ein Bruder für mich. Und ich bin traurig, weil er Köln so früh verlassen hat. Wir telefonieren noch des Öfteren.

SPORT1: Gibt es vor dem Spiel Köln - Wolfsburg zwischen Ihnen und "Icke" Häßler, der ja als Techniktrainer beim FC arbeitet, kleine Sticheleien unter Freunden?

Littbarski: Nein. Das lassen wir außen vor. Wir wollen beide gewinnen. Der Bessere soll gewinnen und ich hoffe, dass wir das sind.

SPORT1: Wird es für Sie am Sonntag besonders emotional, wenn Sie nach Köln zurückkehren?

Littbarski: Absolut. Aber es fehlt heutzutage die Zeit, dass ältere Leute melancholisch werden und traurig sind. Es geht um die Punkte und das ist das Wichtigste für uns.

SPORT1: Leiden Sie noch mit Köln mit?

Littbarski: Um leiden zu können, ist die Zeit in Köln schon zu lange her. Es freut mich aber schon, wenn der FC in der Bundesliga spielt.

SPORT1: Diego wird gegen Köln gelbgesperrt fehlen. Wie sehr schwächt das Ihr Team?

Littbarski: Wir haben die Qualität, dass andere Spieler für ihn einspringen können. Wir könnten auch das System ändern, doch da wollen wir nicht zu viel verraten.

SPORT1:In Wolfsburg arbeiten Sie seit dieser Saison an der Seite von Steve McClaren. Ihr Schicksal ist sozusagen mit dem Erfolg des Trainers verknüpft.

Littbarski: Moment, Schicksal klingt immer so, als sei Fußball etwas sehr Anstrengendes und Trauriges. Ich habe eine andere Sichtweise: Ich arbeite gerne und deshalb ist Schicksal nicht das richtige Wort.

SPORT1:Sind Sie jemand, der in schwierigen Zeiten versucht, die Stimmung rund um die Mannschaft hochzuhalten?

Littbarski: Unbedingt. Als Co-Trainer bin ich das Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft. Da muss man erkennen, wie das Stimmungsbarometer ist. Gerade heutzutage mit den vielen Ausländern in jeder Mannschaft ist es wichtig, dass man auf die Spieler zugeht. Man muss die Kulturen verstehen und dann kann man mit den Menschen auch besser umgehen.

SPORT1: Wie sehen Sie Ihre eigene Rolle in Wolfsburg?

Littbarski: Außer Bindeglied bin ich auch Übersetzer. Die ausländischen Spieler müssen natürlich alles verstehen, nicht nur akustisch, sondern auch den Sinn.

SPORT1: Gibt es dabei manchmal auch lustige Missverständnisse?

Littbarski: Engländer verwechseln zum Beispiel gerne "ei" mit "ie". Bei Wörtern wie Fleiß oder schießen kann das schon amüsant sein.

SPORT1: Fühlen Sie sich in erster Linie als Übersetzer oder als Co-Trainer?

Littbarski: Ich arbeite natürlich vor allem als Co-Trainer. Steve McClaren hat klare Vorgaben. Es ist also nicht so, dass wir auf dem Platz stehen und warten, bis uns der Trainer seine Anweisungen übersetzen lässt.

SPORT1: Momentan steht Wolfsburg nur auf dem elften Rang. Welche Gründe sehen Sie für den missglückten Start?

Littbarski: Wir hatten Probleme wegen der WM-Spieler, die nicht sofort ihre Leistung bringen konnten. Außerdem müssen viele Neuzugänge gleich als Führungsspieler agieren. Aber die Neuen müssen sich erstmal etablieren, bevor sie zum Führungsspieler reifen. Dazu kommt, dass wir es bisher nicht geschafft haben, über 90 Minuten konstant zu spielen.

SPORT1: In Wolfsburg scheint es den Spielern fast wie in einem Luxushotel zu gehen: Sie werden gut umsorgt, sind bestens bezahlt. Geht es den VfL-Profis zu gut?

Littbarski: Das kann ich nicht beurteilen, da ich nicht weiß, wie es in anderen Klubs aussieht. Wir haben keine Probleme mit den Spielern. Es zählt das Erfolgserlebnis und ich denke nicht, dass die Spieler hier faul sind.

SPORT1: Gegen St. Pauli gab?s ein 1:1. Man hatte den Eindruck, die Hamburger rennen Wolfsburg in Grund und Boden. Müsste Wolfsburg mehr kämpfen?

Littbarski: Die Hamburger leben ja vom Kampf. Mit Hilfe der Zuschauer wollen sie die Gegner dann überrennen. Nur Kämpfen reicht im Fußball aber nicht aus, nur Spielen auch nicht. Die Mischung macht?s. Wir haben damals gegen Mainz super Fußball gespielt und verlieren das Spiel 3:4.

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