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Wie geht's weiter auf Schalke? Aufsichtsrats-Chef Tönnies (l.) und Coach Magath © imago

Nach dem Lautern-Debakel beruft Aufsichtsrats-Chef Tönnies den Coach zum Krisengipfel ein. Magath streicht die Winterpause.

Von Martin Hoffmann

München - Jetzt könnte es auch für Felix Magath höchst ungemütlich werden.

Nach dem 0:5-Debakel beim 1. FC Kaiserslautern muss der immer stärker in die Kritik geratene Trainer des FC Schalke 04 zum Rapport bei den Klub-Verantwortlichen.

"Ich bin erschüttert! Die ganze Euphorie der Champions League von einem Aufsteiger zerschlagen, das ist der Hammer!", polterte Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies via "Bild".

Und ergänzte: "Der Trainer und Manager Felix Magath muss uns jetzt erklären und darstellen, wie wir da wieder rauskommen." 317507(DIASHOW: Der 14. Spieltag)

Auch Heldt beim Krisengipfel

Der Krisengipfel, bei dem auch die Vorstandsmitglieder Horst Heldt und Peter Peters dabei sein sollen, ist für Montag anberaumt.

Dass dabei auch über Magaths Zukunft (Vertrag bis 2013) - sprich eine Trennung - gesprochen wird, scheint aber ausgeschlossen.

"Darüber reden wir nicht. Wir sprechen über die Leistung der Mannschaft", so Tönnies. "Ich habe zwar keine Angst, dass Schalke absteigt. Ich hatte und habe an Felix Magath aber eine viel höhere Erwartung als den Klassenerhalt. Wir müssen nun Tacheles reden."

Magath streicht Winterpause

Das tat Magath gegenüber der Mannschaft wohl bereits am Sonntagmorgen: Um Punkt 10.50 Uhr trotteten die Schalker Spieler mit betretenen Mienen auf den Trainingsplatz.

50 Minuten früher hätte das Training eigentlich beginnen sollen. Der Coach hatte sich seine Schützlinge in der Kabine also offenbar in aller Ausführlichkeit zur Brust genommen.

Einige Stunden später sickerte durch, welche Konsequenzen der Coach nun zieht: Er streicht seinen Profis de facto die Winterpause.

Nur sechs Tage Pause

Nur sechs Tage nach dem DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den FC Augsburg am 21. Dezember müssen die Schalker die Vorbereitung auf die Rückrunde aufnehmen.

[kaltura id="0_xfxkas1e" class="full_size" title="Doppelpass Diskussion Schalke 05"]

Am Montag folgte Stufe zwei: Künftig müssen die Profis noch eine Stunde früher zum ersten Training antreten, um 9.00 statt um 10.00 Uhr.

Zudem setzte Magath ein sicherliches schmerzhaftes Trainingslager vom 5. bis 14. Januar im türkischen Belek an, wo Magath mit hoher Sicherheit zu seinen berühmt-berüchtigten Medizinbällen greifen wird.

"Wir müssen mehr und härter arbeiten und werden das auch tun", kündigte der Trainer an.

Nur Neuer stellt sich

Nach der Schlappe war Kapitän Manuel Neuer war der einzige prominente S04-Spieler, der sich den Journalisten stellte.

Und es war deutlich, dass er nach Worten rang, mit denen er nicht noch mehr Schaden anrichten würde.

Fragen, die ihm Angriffe gegen die Mitspieler in den Mund zu legen versuchten, wich er aus - ohne sie klar zu verneinen.

"So vertreibt Schalke Neuer"

Ob er sich denn im Stich gelassen fühle von seinen Vorderleuten? "Will ich jetzt nichts zu sagen."

Ob sich das Team die Charakterfrage stellen müsse? Auch keine direkte Antwort, aber die Aussage: "Das ist einfach zu wenig."

Schlagzeilen wie "So vertreibt Schalke Neuer" konnte der Nationalkeeper, der weiterhin mit einem Wechsel zum FC Bayern in Verbindung gebracht wird, dennoch nicht verhindern.

"Eine eklige Strecke"

Deutlich wurde Neuer dafür gegenüber den Leuten, zu denen er selbst einst gehörte: den Schalker Anhängern.

Die hatten ihren Frust mit Worten wie "Wir ham die Schnauze voll" und auch "Magath raus!" herausgeschrien.

Und Neuer konnte aus der eigenen Fan-Erfahrung Verständnis ableiten: "Die Fahrt aus Schalke in die Pfalz, egal ob mit dem Zug oder mit dem Auto, ist ekelhaft lang. Gerade bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen. Und dann stehst du bei Minustemperaturen in der Kurve und siehst so eine Mannschaftsleistung: Da kann man die Verärgerung verstehen."

"So wird es nicht reichen für die Liga"

Neuer war es auch, der erstmals das Wort Abstiegsgefahr in den Mund nahm - das Zurückfallen auf einen Abstiegsplatz droht seinem Team schon kommende Woche, wenn im Samstagabendspiel gegen den FC Bayern kein Sieg gelingt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dass Schalke sich vorsehen muss, erkennt auch Magath an: "Manuel hat recht. Wenn wir jedes Spiel so spielen, wird es nicht ganz reichen für die Liga."

Und auch in Sachen Fanwut schlug der Coach in eine ähnliche Kerbe: "Die Spieler wissen wohl nicht, was die Fans alles investieren für so eine Reise. Es gibt Spieler, die das wohl nicht interessiert."

Kalt erwischt

Wie kalt ihn die miese Einstellung seiner Akteure Magath erwischte, konnte man auch an einer Randnotiz ablesen.

Nämlich als er bei seinen Ausführungen über den Champions-League-Sieg gegen Lyon drei Tage zuvor von "dem Spiel unter der Woche gegen Benfica Lissabon" sprach.

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