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Bremens Almeida (r., mit Frings) erzielte die Saisontore sieben, acht und neun © imago

Almeida besiegt St. Pauli im Alleingang, zeigt sich aber nach seiner Tätlichkeit reumütig. Bei Bremen ist "noch nicht alles rosig".

Von Christian Stüwe und Jürgen Blöhs

München/Bremen - Hugo Almeida konnte sich nicht so recht freuen.

Warm eingepackt und mit einer dicken Mütze auf dem Kopf suchte er nach Erklärungsversuchen für eines der verrücktesten Spiele in seiner Karriere. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Beim 3:0 (2:0) von Werder Bremen gegen den FC St. Pauli war der Portugiese nach seinem ersten Dreierpack in der Bundesliga zunächst als Held gefeiert worden. 317507(DIASHOW: Der 14. Spieltag)

Dann erwies er seiner Mannschaft aber noch einen Bärendienst, als er in der 80. Minute nach einer Tätlichkeit an Carlos Zambrano zu Recht die Rote Karte sah.

Almeida entschuldigt sich

"Ich bin im ganzen Spiel sehr viel gefoult worden. In dieser Szene sind mir dann die Nerven durchgegangen. Das darf nicht passieren, ich muss mich beim Trainer, der Mannschaft und den Fans entschuldigen", sagte der 26-Jährige nach Abpfiff.

Reumütig fügte er an: "Die drei Tore sind zwar schön, aber dass ich jetzt der Mannschaft fehle, ist natürlich nicht gut."

Pro Tor muss Almeida nun eine Partie pausieren. Der DFB sperrte den Stürmer für drei Bundesligaspiele, die Hinrunde ist für den Portugiesen beendet.

Personalsituation spitzt sich zu

Werder-Trainer Thomas Schaaf, dessen Personalprobleme sich durch die Sperre seines besten Torschützen verschärfen, stimmte zu.

"Zu so einer Szene darf er sich nicht hinreißen lassen. Das ist in unserer Personalsituation nicht gerade gut", erklärte der Coach

"Uns fehlen zehn Spieler, jetzt komme ich noch dazu", ärgerte sich Almeida bei "LIGA total!": "Das darf mir nicht passieren."

Deutlicher wurde Kapitän Torsten Frings: "Wir schwächen uns selbst. In unserer Situation ist das fast unentschuldbar."

Dabei war Almeida zunächst der überragende Mann auf dem Platz gewesen.

Erster Treffer nach 450 Minuten

Der Portugiese beendete nicht nur die 450 Pflichtspiel-Minuten andauernde Torflaute der Bremer, sondern er besiegte St. Pauli praktisch im Alleingang.

Sein Dreierpack (1./20./63. Minute) zum 3:0 (2:0) bescherte Werder den ersten Sieg seit acht Spielen. Zuletzt hatten die Bremer in fünf Partien 0:15 Tore kassiert.

Vom Ende der Krise wollte bei den Bremern aber trotz des Erfolgs noch niemand sprechen.

"Noch nicht alles rosig"

"Das war noch nicht alles rosig", sagte Per Mertesacker: "Das Spiel war ein hartes Stück Arbeit. Von Sicherheit zu sprechen ist nicht der richtige Ansatz. Wir müssen von Glück reden, trotz des klaren 3:0."

Auch Verteidigerkollege Clemens Fritz war mit der Vorstellung seiner Mannschaft nicht voll und ganz zufrieden.

"Das war nicht optimal, was wir heute gezeigt haben. Aber wir haben wenigsten hinten kompakt gestanden und kein Tor kassiert", sagte Fritz.

Schaaf wähnte seine Mannschaft immerhin auf dem richtigen Weg.

"Es läuft nicht alles rund", sagte der Trainer: "Aber ich habe viele kleine Schritte gesehen, aber wir müssen auch mal wieder einen großen Schritten nach vorne machen."

St. Pauli steckt im Abstiegskampf

Davon kann auch der FC St. Pauli derzeit nur träumen. "Spätestens jetzt hat der Abstiegskampf bekommen", erkannte Fin Bartels.

Vor allem die Chancenauswertung der Kiezkicker war trotz zweier Lattentreffer bedenklich.

"Uns fehlt die Konsequenz vor dem Tor", schimpfte Bastian Oczipka: ?Wir schieben uns den Ball hin und her. Wenn wir aus zehn Metern nicht schießen, wann dann? Wir sind selber schuld."

Thorandt: "War ein bisschen spät dran"

Deutliche Worte fand auch Holger Stanislawski.

"Ich bin restlos enttäuscht", schlug der Trainer Alarm: "Da nimmt man sich viel vor und nach 50 Sekunden geht das Theater schon los. Es fehlt jegliche Konsequenz. Kein Zug zum Tor und hinten passieren haarsträubende Gehler. So holen wir bis zur Winterpause keine Punkte mehr."

Und auch Stanislawski wird in den kommenden Wochen umbauen müssen.

Markus Thorandt sah kurz vor Schluss die Rote Karte für ein grobes Foulspiel an Frings.

"Ich wollte den Ball spielen, war aber ein bisschen spät dran", erklärte der Innenverteidiger nach Abpfiff: "Man kann die Rote Karte geben, aber es war wohl eine Gelbe Karte."

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