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Claus Horstmann ist seit 1999 beim 1. FC Köln tätig © imago

Nach dem Meier-Aus laufen in Köln die Aufräumarbeiten an. Ein starker Sportdirektor wird gesucht, Kandidatennamen kursieren.

Von Matthias Becker

München - Eine unerfreuliche Randerscheinung vom ohnehin unerfreulichen Naturphänomen des Erdbebens ist, dass es nicht vorherzusagen ist.

Seit über 100 Jahren versuchen Seismologen weltweit ein Vorwarnsystem für Erdstöße zu entwickeln, bislang erfolglos.

Dass die Entlassung von Manager Michael Meier beim 1. FC Köln in der Domstadt als "Meier-Beben" bezeichnet wird, ist deshalb auch irreführend.

Denn die Demission des 61-Jährigen war beides: unabwendbar und vorherzusehen.

Nichtsdestotrotz herrscht am Tag danach in Köln ein Zustand, der sehr wohl mit den Folgen eines Erdbebens zu vergleichen ist. Beim FC läuft der Wiederaufbau auf vollen Touren.

Die Kölner haben sich mit Meier jener Person entledigt, die in der öffentlichen Wahrnehmung für alle Fehler der vergangenen Jahre stand: Trainer-Fehlgriffe, überteuerte Transfers - und den daraus folgenden Schuldenberg von 24 Millionen Euro.

Nun sucht Claus Horstmann, einer der beiden verbliebenen Geschäftsführer und starker Mann im Hintergrund, einen geeigneten Nachfolger. Und dabei wird auch gleich die ganze Struktur des Traditionsklubs auf den Prüfstand gestellt.

Kölner Modell hat ausgedient

"Claus Horstmann wird beauftragt, die Prozesse des 1. FC Köln zu überprüfen und die notwendigen Anpassungen in Abstimmung mit der Gesellschafterversammlung vorzunehmen", hieß es am Montag in der offiziellen Mitteilung des Klubs:

"Des Weiteren wird der Vorstand gemeinsam mit dem Verwaltungsrat die zukünftigen Strukturen überprüfen."

Heißt: Das Kölner Modell hat ausgedient. Ein allmächtiger Präsidenten, wie es Wolfgang Overath bislang war, ist ein Relikt aus alten Zeiten. Als Meier-Nachfolger wird ein Fachmann gesucht, der eine Richtung, eine sportliche Philosophie, vorgibt und nicht nur Verhandlungen führt.

[kaltura id="0_cbtb048k" class="full_size" title="Sündenbock Meier muss gehen"]

Dazu passen die Kandidaten, die am Rhein für diesen Posten des Sportdirektors gehandelt werden.

Der "Express" bringt Bremens Klaus Allofs, Magath-Adlatus Horst Heldt und Ex-HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer, heute bei Brause-Gigant Red Bull für die Koordination der Fußball-Aktivitäten zuständig, ins Gespräch.

Problem bei allen dreien: Sie stehen bei ihren aktuellen Arbeitgebern teils noch langfristig unter Vertrag. Gerade im Fall von Allofs dürfte es sich wohl eher um einen Wunschtraum im Kölner Umfeld als um Realismus handeln.

Auch Schmadtke wird genannt

Ebenfalls gebunden - und derzeit deutlich erfolgreicher als die Kölner - ist Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke, der von der "Bild" genannt wird.

Vor einigen Monaten, als Schmadtke mit Hannover-Trainer Mirko Slomka noch häufiger über Kreuz lag, wäre diese Personalie denkbar gewesen. Inzwischen überdeckt der sportliche Aufschwung bei 96 aber auch frühere Differenzen von Schmadtke und Slomka.

Deutlich naheliegender ist da ein anderer, derzeit freier, Kandidat: Jan Schindelmeiser.

Schindelmeiser erfüllt Anforderungen

Der kennt Slomka auch gut, beide wirkten einst zusammen bei Tennis Borussia Berlin. Über den heutigen 96-Coach lernte Schindelmeiser auch dessen früheren Chef Ralf Ragnick kennen.

An Rangnicks Seite führte der Inhaber der A-Trainer-Lizenz 1899 Hoffenheim ab 2006 als Manager aus der Regionalliga bis zur Bundesliga-Herbstmeisterschaft 2008.

Schindelmeiser brachte Top-Talente wie Chinedu Obasi, Demba Ba und Carlos Eduardo in die Liga, die Hoffenheimer begeisterten mit frischem, offensivem Fußball.

"Müssen den Richtigen finden"

Davon träumen sie auch in Köln: Ein gutes Händchen und eine klare Handschrift.

"Die Personalie ist so wichtig, da müssen wir auch in aller Ruhe vorgehen. Wir müssen jetzt den Richtigen finden?, fordert FC-Vize Jürgen Glowacz im "Express".

Die Suche nach "Mr. Right" - eine Mammutaufgabe für Geschäftsführer Horstmann. Vielleicht wäre es leichter, ein Erdbebenwarnsystem zu entwickeln.

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