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Uli Hoeneß hielt einen flammenden Appell an die Mtiglieder © imago

Die Jahreshauptversammlung wird zum Werben um Schweinsteiger. Währenddessen bekommt van Gaal neben Lob auch leise Kritik zu hören.

Vom FC Bayern berichtetMathias Frohnapfel

München - Welch ein Kontrast: Vor einem Jahr bekam Bastian Schweinsteiger auf der Jahreshauptversammlung noch Pfiffe ab.

Pfiffe, die dem Nationalspieler lange wehtaten.

Jetzt wurde die Jahreshauptversammlung zur flehenden Bitte des Klubs an seinen Nationalspieler, doch unbedingt seinen Vertrag in München zu verlängern.

"Ich sage dir Basti, für uns ist es ganz wichtig, dass du bei Bayern München bleibst", rief Präsident Uli Hoeneß dem Nationalspieler in der Olympiahalle zu.

Minutenlanger Applaus

Und die Reaktion der 2807 Mitglieder hätte am Dienstagabend nicht deutlicher ausfallen können: Mehrere Minuten standen alle Mitglieder und klatschten und klatschten.

Zuvor hatte Hoeneß den Nationalspieler bereits mit einem dickem Kompliment versehen und festgestellt: "Er ist riesig gewachsen als Spieler und Mensch."

Hoeneß appellierte bei der Versammlung, zu der keine Wahlen anstanden, nicht als Erster an den Mittelfeldspieler.

Rummenigge optimistisch

Karl-Heinz Rummenigge hatte sich ähnlich leidenschaftlich um Schweinsteiger bemüht.

"Ich möchte Ihnen ausdrücklich sagen, dass es unser erklärtes Ziel ist, mit Bastian Schweinsteiger den Vertag langfristig zu verlängern", erklärte der Vorstandschef unter dem Jubel der Mitglieder.

"Wir finden, dass Bastian eine großartige Entwicklung genommen hat. Ich bin optimistisch, dass wir uns mit Bastian und seinen Beratern einigen können."

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Auch mit Trainer Louis van Gaal sei man sich jetzt einig, dass Schweinsteiger aber auf jeden Fall seinen Vertrag bis 2012 erfüllen solle.

Van Gaal stürmisch empfangen

Für Schweinsteiger war es angesichts all dieser Kompliment ein deutlich angenehmerer Abend als noch ein Jahr zuvor.

Ebenso wie seine Teamkollegen Mark van Bommel und Philipp Lahm war er mit viel Applaus in der Halle begrüßt worden - genauso wie das Basketball-Team des FC Bayern und Fußballcheftrainer Louis van Gaal. (301503DIASHOW: Transferkandiaten des FC Bayern)

Der durfte sich allerdings außer Komplimenten für eine starke Vorsaison auch einige versteckte Kritik anhören.

"Du musst nur gewinnen"

"Er ist ein besonderer Charakter mit hoher Emotionalität", sagte Rummenigge über van Gaal und bekannte: "Manchmal macht er es uns nicht ganz einfach. Wir sind überzeugt, dass Louis ein großartiger Trainer ist."

Zugleich nahm er den Niederländer in die Pflicht, indem er mit einer Prise Ironie sagte: "Du musst nur die Spiele gewinnen, dann sind alle zufrieden." Schließlich, meinte Rummenigge, müsse van Gaal ja seinen Ruf als "Feierbiest" verteidigen.

[kaltura id="0_jss9p69j" class="full_size" title="Best of Jahreshauptversammlungen"]

"Als Feierbiest hat man immer eine Verantwortung, dass nächstes Jahr auch wieder gefeiert wird. Also: Leg los."

Hoeneß zunächst Oberaufseher

Indessen ging Uli Hoeneß in seiner Rede nicht auf den jüngsten Machtkampf mit van Gaal ein, sondern versprach dem 59-Jährigen: "Wir werden dir, Louis, alle Unterstützung geben, um diese Ziele zu erreichen."

Nach seinem ersten Jahr als Bayern-Präsident führte Hoeneß in der Olympiahalle nun auch zum ersten Mal durch die Veranstaltung.

Und anders als sein Amtsvorgänger Franz Beckenbauer machte er das beinahe ohne joviale Anspielungen oder witzige Bemerkungen, sondern eben als präziser Oberaufseher der Tagesordnung.

"Bis zum letzten Tropfen"

Erst bei seiner eigenen Rede wurde das anders. Mit einem Lächeln schritt der frühere Bayern-Manager um 20.59 Uhr zum Pult, legte dann mit viel Pathos los.

Erster Angriffspunkt war die missliche Lage in der Tabelle, in der die Bayern quasi mit dem Fernrohr den Spitzenreiter aus Dortmund beobachten müssen.

"Ich beschwöre euch alle, nicht aufzugeben, Bayern München muss bis zum letzten Blutstropfen kämpfen und dann schauen wir, was geht", donnerte Hoeneß kämpferisch den Mitgliedern entgegen.

Champions League bleibt das Ziel

Zweiter Angriffspunkt war das Fernziel Champions-League-Finale im eigenen Stadion.

"Wir müssen die Qualifikation zur Champions League schaffen, egal wie", wandte sich Hoeneß direkt ans Team. "Denn vergesst nicht, 2012 findet Finale in Allianz Arena statt, da müssen wir dabei sein."

Nach diesem kämpferischen Auftritt registrierte Hoeneß erfreut, dass die erwünschte Satzungsänderung von den Mitgliedern durchgewunken wurde.

Satzungsänderung gebilligt

Der Klub verpflichtet sich darin, nur maximal 30 Prozent seiner Aktienanteile zu verkaufen. Sollte die FC Bayern AG mehr als 30 Prozent verkaufen wollen, benötigt sie dafür künftig eine Dreiviertelmehrheit der Mitglieder.

Und auch die Geschäftszahlen, die die Münchner zu ihrer Jahreshauptversammlung verkündeten, machten Hoeneß stolz.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/'10 verzeichnete die FC Bayern München AG einen Umsatz von 312,0 Millionen Euro, gemeinsam mit der Allianz Arena München GmbH sogar von 350,2 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr waren es 268,7 Millionen Euro (303,8).

Starke Eigenkapital-Quote

Noch beeindruckender ist der Blick auf das Eigenkapital der Bayern München AG. Die verfügte zum 30. Juni über ein Eigenkapital von 206,4 Millionen Euro und über 63,7 Millionen an freier Liquidität.

Im Vorjahr waren es 33,7 Millionen Euro an freien Mitteln gewesen.

Finanzielle Lockmittel, um Schweinsteiger zu halten, sind somit durchaus vorhanden.

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