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Schalke-Trainer Felix Magath konnte mit Bayern und Wolfsburg insgesamt drei Meistertitel feiern © imago

Das Gespräch dauert mehr als zwei Stunden - am Ende spricht Schalke-Boss Tönnies dem angezählten Trainer Magath das Vertrauen aus.

Von Martin Hoffmann

Gelsenkirchen/München - Nach einer zweieinhalbstündigen Krisensitzung hat der Aufsichtsrat von Schalke 04 dem angezählten Trainer Felix Magath das Vertrauen ausgesprochen.

Ein Ultimatum oder eine Punkte-Vorgabe für Magath, der Schalke zum Titel führen wollte, nun aber im Tabellenkeller der Bundesliga feststeckt, blieb aus.

"Es war eine turnusmäßige Sitzung des Aufsichtsrates, in der auch die sportliche Lage immer ein Tagesordnungspunkt ist", sagte der Vorsitzende des Gremiums, Clemens Tönnies.

"Felix Magath hat uns aufgezeigt, wie er gemeinsam mit der Mannschaft die sportliche Situation verbessern will. Ich bin fest davon überzeugt, dass er das schafft."

Magath gab sich im Anschluss gelassen. "Ich weiß nicht, ob mir der Aufsichtsrat den Rücken gestärkt hat. Aber ich habe mitgenommen, dass alle zuversichtlich sind", sagte der 57-Jährige, der in Personalunion Manager der Königsblauen ist.

Magath musste gegenüber dem Gremium die desolate Vorstellung seiner Mannschaft beim 0:5 in Kaiserslautern am vergangenen Wochenende erläutern.

Dass es sich dabei um eine Krisensitzung gehandelt habe, wollte er aber nicht bestätigen.

[kaltura id="0_xo21y5oj" class="full_size" title="Eiskalte Stimmung auf Schalke"]

Interesse an Gross? "So ein Quatsch"

"Es ist normal, dass sich Aufsichtsrat und Vorstand treffen, um die sportliche Situation, die natürlich nicht befriedigend ist, zu erörtern. Natürlich ist es so, dass man jetzt bis zur Winterpause schaut."

Im Vorfeld war schon gemutmaßt worden, ob Magaths Job auf dem Spiel stehen könnte.

Ein mögliches Interesse am früheren Stuttgarter Trainer Christian Gross dementierte Tönnies aber entschieden.

"So ein Quatsch", sagte der Klubchef, "da ist nichts dran."

Nächster Rapport nach der Winterpause

Um 16 Uhr hatten sich Teile des elfköpfigen Aufsichtsrates in der Schalker Geschäftsstelle getroffen, um 16.45 Uhr wurde Magath dazugebeten.

Gegen 19.15 Uhr war die Sitzung auf dem verschneiten Vereinsgelände beendet. Tönnies kündigte eine weitere Gesprächsrunde mit Magath nach der Winterpause an: "Dann werden wir uns nochmal alle zusammensetzen."

Bis dahin muss Magath sein Team zurück in die Erfolgsspur bringen, sonst dürfte die Luft für ihn noch dünner werden.

Dafür griff der Trainer zuletzt hart durch.

Magath greift durch

Magath hat seinen Spielern nach dem Desaster in Kaiserslautern die Winterpause auf ein Minimum zusammengekürzt .

Zuletzt ließ er die Mannschaft bei Minusgraden in kurzen Hosen ohne Handschuhe und Mützen trainieren (319506Bilder). Drei Profis wurden in die Zweite Mannschaft verbannt.

Magaths Maßnahmen wurden aber nicht nur positiv gesehen, sondern dem Trainer teilweise auch als Schwäche ausgelegt.

Als "blanken Aktionismus" sieht die Mehrheit von 51,7 Prozent der SPORT1-User Magaths Bibber-Training (Stand: Mittwoch, 15 Uhr).

Jones-Verbannung umstritten

Umstritten ist auch die Suspendierung von Jermaine Jones, der sich bei Schalkes Publikum eigentlich einen guten Ruf als kämpferischer Dauerläufer erarbeitet hat - für seine schwache Leistung in Kaiserslautern aber auch bei den Fans Kritik auf sich gezogen hat.

Überzogen fanden seine Verbannung trotzdem viele.

Die "WAZ" urteilte: "Jones hat es getroffen, weil Magath wackelt und glaubt, dass nur die Demonstration markiger Machtmenschen-Entschlossenheit seinen Sturz noch verhindern kann."

"Trennungsjahr" hat "längst begonnen"

Für die Zeitung war im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung die Trennung von Trainer Magath ohnehin schon beschlossene Sache.

Es sei nicht mehr die Frage ob, sondern nur noch "wann diese zunehmend als Zwangsehe empfundene Verbindung geschieden wird".

Das "Trennungsjahr" jedenfalls habe "längst begonnen", das "Projekt Magath/Schalke" sei "ein Missverständnis".

Beträchtliche Eigendynamik

Und auch wenn Tönnies seinem Trainer nun einmal mehr den Rücken stärkt, die Eigendynamik, die die Diskussion um Magath angenommen hat, ist beträchtlich.

Und mit Winterpausen-Kürzen, Suspendierungen und Bibber-Training kann Magath sie nicht stoppen.

Mit einem Erfolgserlebnis gegen den FC Bayern kann er es aber sehr wohl.

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