vergrößernverkleinern
"Wir brauchen dich doch!" Hans Meyer (r.) und Matchwinner Markus Marin © imago

Marko Marin sichert Gladbach den wichtigen Sieg im Kellerduell. Bielefelds Torgarant geht leer aus und ärgert sich über die Fans.

Von Thorsten Mesch

München/Bielefeld - Nachdem er den Ball mit dem rechten Fuß in den linken Winkel des Bielefelder Tores gezirkelt hatte, gab es für Marko Marin kein Halten mehr.

Quer über das Spielfeld rannte Mönchengladbachs Mittelfeldspieler zu dem Teil des Bielefelder Stadions, wo seine Liebsten saßen.

"Ich wollte mein erstes Bundesligator mit meinen Eltern feiern", sagte der 19-Jährige nach seinem Führungstreffer in der 6. Minute.

Zehn Minuten vor dem Spielende war es erneut Marin, der dieses Mal mit einem flachen Linksschuss für den 0:2-Endstand und damit für den ersten Auswärtssieg der Borussia in dieser Saison sorgte.

Kurz vor dem Platzverweis

"Es war mein Spiel", freute sich der dribbelstarke Techniker, der im Kellerduell aber nicht nur durch seine Kunstschüsse auffiel.

Mit Markus Schuler lieferte sich Marin eine Privatfehde, sah wie der Bielefelder die Gelbe Karte und lief Gefahr, das Spielfeld vorzeitig verlassen zu müssen.

Sein Trainer rief den Nationalspieler zu sich und ermahnte ihn, er solle sich zurückhalten.

"Ich wollte ihn schützen. Er sollte eigentlich raus, hat die Klappe nicht gehalten und war hochgradig rotgefährdet", sagte Hans Meyer, der vorsorglich Karim Matmour zum Aufwärmen beordert hatte. Doch Meyer ließ Marin im Spiel.

"Marko hat fantastische Möglichkeiten"

Erst drei Minuten nach seinem zweiten Treffer bejubelten die mitgereisten Gladbacher Fans die Auswechslung des Matchwinners, der zeigte, warum er von Bundestrainer Joachim Löw in den vorläufigen EM-Kader berufen worden war.

"Um ein Großer zu werden, muss er jeden Tag hart an sich arbeiten. Wenn er das, was ihm gesagt wird, so aufnimmt wie heute, dann braucht uns um seine Karriere nicht bange zu sein", erklärte Meyer.

"Marko hat fantastische Möglichkeiten, aber mit 19 gibt es eben auch Dinge, die bei ihm noch nicht so gut sind", hatte Meyer vor dem Spiel im Sport1.de-Interview erklärt.

Zweiter Sieg unter Meyer

Am Ende bescherte ihm Marin zusammen mit dem glänzend aufgelegten Torwart Uwe Gospodarek den zweiten Sieg im vierten Spiel und die Borussia verließ die Abstiegsränge.

"In der ersten Halbzeit haben uns unser Torhüter und Glück am Leben gehalten, am Ende kann man mit viel gutem Willen von einem verdienten Sieg sprechen", sagte Meyer.

Frontzecks Team nutzt Chancen nicht

Dagegen endete das Aufeinandertreffen mit seinem ehemaligen Chef für Arminias Trainer Michael Frontzeck mit einer bitteren Niederlage. "Das sind eigentlich die Spiele, die du gewinnen musst", sagte Frontzeck, der einst in Gladbach als Profi unter Meyer spielte und schließlich als dessen Co-Trainer arbeitete.

Bielefeld erspielte sich besonders in der ersten Halbzeit zahlreiche Torgelegenheiten, die aber zum Teil kläglich vergeben wurden.

"Wir haben verloren, weil wir unsere Chancen nicht genutzt haben. Dementsprechend war die Stimmung im Stadion. Das ist aber in jedem Stadion so", sagte Frontzeck noch unmittelbar nach der Partie relativ gelassen.

"Die fordern sicher wieder meinen Kopf"

Doch nachdem die Fans weiter lautstark ihrem Frust freien Lauf ließen, reagierte Frontzeck dünnhäutiger.

"Machen Sie das Fenster auf. Hört man schon was? Die Fans fordern sicher wieder meinen Kopf", meinte der Coach auf der Pressekonferenz sarkastisch.

"Es ist eine Unsitte. Wenn man sich umhört, dann sollten sie am besten alle raus: Frontzeck, Koller, Funkel. Luhukay ist ja schon weg."

Präsident gibt Jobgarantie

Angst um seinen Job muss Frontzeck aber auch nach dem Abrutschen auf einen Abstiegsplatz - noch - nicht haben. "Es gibt hier keine Trainerdiskussion", stellte Arminia-Präsident Hans-Hermann Schwick klar.

Angesichts der kommenden Gegner, Stuttgart, Leverkusen und Hoffenheim glaube er aber, "dass wir noch bis zur Winterpause im Tabellenkeller stehen werden."

"Müssen zwei Stürmer holen"

Grund der Misere ist in erster Linie die Offensivschwäche der Arminia. Außer Artur Wichniarek, der acht der zwölf Saisontreffer erzielte, versprüht niemand Torgefahr. "Es reicht nicht, das ist Fakt. Wir müssen personell nachbessern", betonte Schwick. "Im Winter müssen wir zwei Stürmer holen."

Während Wichniarek sich mit den aufgebrachten Bielefelder Fans Wortduelle lieferte, verriet Hans Meyer, warum er seinen Matchwinner Marin nicht vor der Pause ausgewechselt hatte:

"Er kam zu mir und sagte: 'Herr Meyer, ich werde heute nicht fliegen. Ich halte meine Schnauze und foule auch nicht mehr.'"

Genau so einen hätten die Bielefelder am Samstag auch gebrauchen können.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel