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Felix Magath ist seit Sommer 2009 Trainer des FC Schalke 04 © getty

Schalkes sportlicher Alleinherrscher besänftigt den Aufsichtsrat vorerst, steht aber unter Druck. Eine Trennung bleibt denkbar.

Von Matthias Becker

München - Ein bisschen dürfte sich Felix Magath am Mittwochabend gefühlt haben wie sein Torhüter Manuel Neuer im Nachmittagstraining.

Da war der Schalker Nationalkeeper mit Kollege Kyriakos Papadopuoulos zusammenrauscht und blieb mit schmerzverzerrtem Blick liegen.

Kurz darauf gab er via "Bild" Entwarnung: "Es ist nur eine Prellung. Gegen die Bayern spiele ich."

Magath blieb abends zwar körperlich unversehrt. Nach der im Vorfeld als "Krisengipfel" angekündigten Aufsichtsratssitzung der Königsblauen ist er aber angeschlagen.

Denn auch, wenn nach dem Zusammentreffen des Kontrollgremiums mit der sportlichen Führung alle Schalker den Schulterschluss proklamierten - hinter den Kulissen gärt es weiter gewaltig.

Überprüfung in der Winterpause

Trotz des Erreichens der Achtelfinals von Champions League und DFB-Pokal muss Magath schnellstens Ergebnisse vorweisen, sonst könnte das Ende der Liaison mit den Königsblauen nur aufgeschoben sein.

"Felix Magath hat ganz klar ausgezeigt, wie er mit der Mannschaft da rauskommen will", sagte Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies zwar. Er kündigte aber auch an:

"Die Winterpause ist nicht nur gedacht, um Urlaub zu machen, sondern auch, um die sportlichen Ziele abzugleichen."

"Ultimatum wäre das Allerdümmste"

Ein Ultimatum für Magath? Mitnichten behauptet Tönnies. "Ein Ultimatum wäre das Allerdümmste, was man machen kann", erklärte er der "WAZ".

Die Wegmarke Winterpause steht aber. Fünf Spiele hat Schalke wettbewerbsübergreifend noch bis dahin, angefangen vom Top-Spiel gegen den FC Bayern (Sa., ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER).

[kaltura id="0_j88e2yco" class="full_size" title="S04 Chronologie des Krisengipfels"]

Vor allem in den Bundesligaspielen gegen den Rekordmeister, beim Tabellenzweiten aus Mainz und gegen den 1. FC Köln müssen Punkte her. Das weiß auch Magath, der versuchte, die Unterredung herunterzuspielen:

"Ich bin nicht zum Rapport bestellt worden, es gibt auch kein Ultimatum. Das ist völliger Quatsch", betonte Magath und war um Deeskalierung der angespannten Lage bemüht. Das sei eine "völlig normale Sitzung in normaler Atmosphäre" gewesen.

Entlassung ein finanzielles Problem

Für Magath spricht momentan in erster Linie, dass sich die klammen Schalker seine Entlassung kaum leisten können.

Der sportliche Alleinherrscher kassiert nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ein Jahresgehalt von sechs Millionen Euro. Außerdem habe er sich zusichern lassen, dass er das Gehalt auch bei einer vorzeitigen Trennung bis zum Ende der Vertragslaufzeit 2013 ausbezahlt bekomme.

Neben Magath müssten auch große Teile des Trainer- und Mitarbeiterstabs ausgetauscht werden, den der frühere Meistertrainer fast ausschließlich mit langjährigen Getreuen besetzt hat.

Gross als Nachfolger?

So kämen wohl fast 20 Millionen Euro an Kosten auf die Schalker zu, wenn sie die Trennung tatsächlich vollziehen wollten. Die Stimmung im und um den Verein soll inzwischen aber so sehr umgeschwenkt sein, dass selbst dieses finanzielle Fiasko eingegangen werden könnte.

Die "Zeit" berichtet sogar schon, der frühere Stuttgarter Trainer Christian Gross stünde als möglicher Nachfolger bereit. "Das ist Quatsch", kommentierte Tönnies.

Immerhin ist Gross mit Horst Heldt, möglicher Magath-Nachfolger auf Managementebene, aus VfB-Tagen aber gut bekannt.

Kopfschütteln über Strafmaßnahmen

Die Strafmaßnahmen, die Magath nach dem desaströsen 0:5 in Kaiserslautern über seine Spieler verhängte, sind umstritten.

Mit der Vorverlegung des Trainings auf 9 Uhr konnte sich das Umfeld sicher noch anfreunden, das ominöse Training bei Minusgraden ohne Handschuhe, Mützen und lange Hosen(die 319506Bilder) löste aber verbreitet Kopfschütteln aus.

Farfan-Einsatz fraglich

Das würde wohl nur aufhören, wenn das Team am Samstag auf solche "Steinzeitmethoden" tatsächlich anspringen würde. Und Magath hat Hoffnung auf Besserung.

"Die Mannschaft hat trotz der widrigen Verhältnisse gut trainiert und in einer internen Sitzung eine positive Reaktion gezeigt. Ich denke, dass sie Charakter zeigen und sich für die Fans ins Zeug legen wird", sagte er.

Allerdings muss der Trainer um den Einsatz von Jefferson Farfan bangen. Der Peruaner, zuletzt einer der besten Schalker, liegt mit Grippe flach. Er ist wie Magath und Neuer: angeschlagen.

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