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Rene Adler (l.) spielt seit 2000 für Bayer Leverkusen © getty

Nach der gefühlten Niederlage gegen den Karlsruher SC steht die Bayer-Elf am Scheideweg: Titelfähig oder mal wieder nicht.

Von Thorsten Deppe

München - Stefan Kießling hält nach 37 Minuten den Kopf hin und der Ball geht ins Netz - das Wildparkstadion kocht.

Denn es ist Rene Adler, der hinter sich greifen muss. Es steht nur noch 1:3.

Der Freistoß von Antonio da Silva wäre eigentlich nicht aufs Tor gegangen und doch ist er der "Knackpunkt des Spiels", wie Tim Sebastian später feststellt.

Ein glückliches Tor, da Karlsruhe bis dahin eine Klasse schwächer als die Leverkusener gewesen war.

Helmes' Rekord-Treffer

Doch nach dem Anschlusstreffer verlor Bayer komplett die Linie, obwohl die Werkself zuvor noch eine Galavorstellung geliefert hatte.

Schon nach 33 Sekunden hatte Patrick Helmes die Gäste mit dem schnellsten Bundesligator der Saison in Führung gebracht.

In der 17. und 24. Minuten folgten das 2:0 und 3:0 durch Kießling und Michal Kadlec. Leverkusen spielte wie ein Meisterkandidat ? bis zum "Knackpunkt" in der 37. Minute.

"Die letzte Bereitschaft hat gefehlt"

"Wir haben ein paar Prozente nachgelassen", versuchte Bayer-Trainer Bruno Labbadia die Wende im Spiel zu erklären. "Die letzte Bereitschaft hat gefehlt. Das geht so nicht."

Nach vier Siegen in Folge nahm Leverkusen mit dem Remis eine "gefühlte Niederlage" (Labbadia) mit nach Hause und verpasste zudem den Sprung an die Tabellenspitze.

Obwohl punkt- und torgleich mit Spitzenreiter Hoffenheim fällt es nach dem KSC-Spie schwer, weiter an die Titelfähigkeit des Teams zu glauben.

Labbadia dennoch zuversichtlich

Auch der eigene Trainer bescheinigte seiner Elf "Nachlässigkeit" im entscheidenden Moment:

"Das kann immer passieren bei einer so jungen Mannschaft. Wir werden ganz sicher nicht auf die Mannschaft einprügeln. Dafür haben die Spieler zuletzt einfach zu gut gearabeitet."

Gerade diese Unerfahrenheit kann aber am Ende den Unterschied ausmachen.

Labbadia glaubt aber mit Blick auf die kommende schwere Aufgabe gegen Schalke 04 an die positiven Aspekte des Rückschlags von Karlsruhe: "Wir werden aus dem Spiel wieder etwas lernen."

Angsthasen statt Titelkandidaten

Lernen sollte die Werkself vor allem, wie man eine klare Führung nach Hause bringt. Denn in der zweiten Hälfte verwandelte sich Bayer vom Titelaspiranten zum Angsthasen. Nach seinem Tor zu 2:3 merkten Sebastian (60.) und der KSC: "Hier ist doch noch was zu schaffen."

So sorgte der kurz zuvor eingewechselte Alexander Iashvili ausgerechnet mit dem Kopf für den umjubelten Ausgleich (76.). Und danach hatte der KSC sogar die Chance zum Sieg. Bayer-Keeper Rene Adler fischte nur drei Minuten später den Ball gerade noch vom Fuß des heranstürmenden Sebastian Freis.

"Im Endeffekt können wir noch froh sein, dass wir einen Punkt mitnehmen", gab Tranquillo Barnetta zu.

KSC stoppt Abwärtstrend

Trotzdem herrschte beim KSC Hochstimmung, zumal der Negativtrend nach zuletzt fünf Niederlagen in Folge gestoppt wurde.

Karlsruhe gewinnt langsam wieder den Glauben an sich selbst: "Wir haben gesehen, dass man sogar ein 0:3 gegen Leverkusen egalisieren kann", meinte Sebastian.

Die Bewährungsprobe steht nun am nächsten Spieltag bei Energie Cottbus an.

"Das war ein erster Schritt. Der Punkt kann ganz wichtig werden, wenn wir in Cottbus etwas holen. Da müssen wir zeigen, dass wir häufiger diese Leistung bringen können", forderte KSC-Kapitän Christian Eichner.

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