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Vergebliches Anrennen auf's Tor: Werders Per Mertesacker (r), hier gegen Sinan Kaloglu © getty

Sogar Realitätssinn fehlt nach dem 0:0 und Özil-Rot in Bochum: Anstelle Selbstkritik gibt's bei Bremen Schiedsrichter-Schelte.

Von Christian Paschwitz

Bochum - Wenigstens hielten sie als schlechteste Abwehr der Liga (23 Gegentore) den Laden hinten mal sauber:

Dass Werder Bremen auf der Stelle tritt und den Befreiungsschlag aus der Krise verpasst hatte, darüber konnte das 0:0 beim VfL Bochum allerdings nicht hinwegtäuschen.

Mehr noch: Eine Rote Karte für Mesut Özil, eine Schelte an Schiedsrichter Deniz Aytekin sowie eine Einschätzung von Spielmacher Diego dokumentierten, dass bei den Grün-Weißen die Nerven blank liegen.

Selbst wenn Trainer Thomas Schaaf hinterher gute Miene zum bösen Spiel machte und sagte: "Wir wollten eine andere Leistung als gegen Athen zeigen. Das ist uns auch gelungen."

Zu wenig beim "Lieblingsgegner"

Das war aber auch schon alles. Die Erfüllung Bremer Ansprüche blieb dagegen erneut klar auf der Strecke wie zuletzt beim 0:3 in der Champions League gegen Panathinaikos.

Selbst bei ihrem Lieblingsgegner, der seit zehn Jahren zu Hause gegen Bremen nicht mehr gewonnen hat und 16. bleibt, versäumten die Weserstädter nun einen "Dreier". Der vorläufige Höhepunkt einer besorgniserregenden Negativserie (nur ein Siegs aus den letzten neun Spielen).

Offensive klemmt

"Wir waren nur im Abschluss nicht entschlossen genug und haben uns für den Aufwand nicht belohnt. Das Einzige, was fehlte, waren die Tore", redete Schaaf die Situation schön. "Bis zum Strafraum hat das gut ausgesehen."

Ein schwacher Trost, zumal es bisher gerade die Offensive war, die dem Vizemeister half, eine mäßige Saison halbwegs zu kaschieren. Jetzt klemmte es auch hier.

Nachdem in der Vorwoche gegen Hertha BSC Kurs noch ein 5:1 herausgesprungen war und Kapitän Frank Baumann vor dem Bochum-Spiel gefordert hatte: "Wir haben genug geredet. Jetzt müssen wir Taten folgen lassen."

Kein Realitätssinn

Stattdessen ließen die Bremer Realitätssinn vermissen: "Der Schiedsrichter war eine Katastrophe. So etwas habe ich noch nie erlebt", giftete Stürmer Claudio Pizarro.

Während Torsten Frings ergänzte: "Das war eine absolute Alibi-Vorstellung. Das war ein 1000-prozentiger Elfmeter."

In seinem dritten Bundesliga-Spiel verweigerte der Referee beiden Teams wohl zu Unrecht einen Strafstoß. Heftige Kritik äußerten aber nur die Bremer hinsichtlich der sie betreffenden Aktion des Bochumers Christian Fuchs gegen Pizarro (7.).

Özil lässt sich provozieren

An der Roten Karte für Özil (84.), der gegen Thomas Zdebel nachtrat, gab's jedoch nichts zu deuteln, so dass der VfL-Kapitän die Schiedsrichter-Schelte später als "schwachsinnig" abtat. "Sie sollten lieber die Fehler bei sich suchen."

Die heftigen Bremer Reaktionen resultierten womöglich auch aus dem Frust über eigene Unzulänglichkeiten: Über weite Strecken waren die Gäste dominant. Am Ende aber hätte es fast eine Pleite gesetzt, als Christoph Dabrowski frei vor Tim Wiese auftauchte, den Keeper zu einer Glanzparade zwang.

"Wir sind noch ein gutes Stück weg von alter Form. Das war ein Anfang - es muss noch mehr kommen", ordnete die Nullnummer immerhin Sportchef Klaus Allofs richtig ein. Während Diego seltsamerweise erklärte: "Ich werde nächstes Jahr mit Werder in der Champions League spielen."

Diegos Vertrauensbeweis

In der Krise sollte es vielleicht ein Vertrauensbeweis sein, nachdem der Brasilianer (Vertrag bis 2011) vor wenigen Tagen schon im Interview mit Sport1.de einen angeblichen Kontakt zu Juventus Turin ausschloss.

Eine gute Aktion gab's am Ende aber doch noch: Werder-Fans brachten im Block Anhänger der rechten Gruppierung "Nordsturm Hansestadt Bremen" zur Räson - und ließen sie mit "Nazis raus"-Rufen verstummen.

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