Bayer Leverkusen spielt attraktiven Offensivfußball. Für den Platz ganz oben wird es aber wahrscheinlich am Ende nicht reichen..

Die ganze Woche über hatte die rheinische Boulevardpresse Bayer Leverkusen und vor allem Bruno Labbadia gefeiert.

Nach vier Siegen in Folge und dem Sprung auf den zweiten Tabellenplatz wurde der Coach zu "Big Bruno" ernannt, "Bild" erdachte sich zudem die relativ sinnfreie Schlagzeile "schöner Trainer, schöner Fußball".

Und Reiner Calmund, mit dem Klub als Manager viermal Vize-Meister sowie 2002 Zweiter in Champions League und DFB-Pokal, erklärte: "Bayer kann Meister werden."

24 Minuten lang bestätigte das Team am Samstag die zahlreichen Lobeshymnen und nahm den Karlsruher SC nach allen Regeln der Kunst auseinander.

3:0 führten die Rheinländer da bereits und der KSC, nach zuletzt fünf Niederlagen hintereinander ohnehin nicht besonders selbstbewusst angetreten, war mausetot.

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Dass die Partie dann doch noch kippte, lag sicherlich auch an der tollen Moral der nie aufsteckenden Karlsruher.

Vor allem aber war das 3:3, nicht nur für Labbadia eine "gefühlte Niederlage", auf die Unfähigkeit seiner Mannschaft zurückzuführen.

Der Punktverlust war ebenso unnötig wie die bisherigen drei Pleiten gegen Dortmund, den HSV (jeweils 2:3) und Hertha BSC (0:1).

Vielmehr hätte Leverkusen nach einhelliger Expertenmeinung alle zwölf Saisonspiele gewinnen können, vielleicht sogar müssen.

Die Tatsache, dass das nicht der Fall ist, speziell aber der Leistungseinbruch in Karlsruhe dürfte bei den Fans unschöne Erinnerungen an die Zeiten von "Bayer Vizekusen" geweckt haben.

Den Tiefpunkt dieser Entwicklung bedeutete die Saison 2001/2002, als man Traum-Fußball auf höchstem Niveau spielte und am Ende trotzdem gleich in drei Wettbewerben an den eigenen Nerven scheiterte. Wie schon zuvor im Jahr 2000 in Unterhaching.

Was das Potenzial betrifft, ist die aktuelle Bayer-Elf zwar weniger erfahren als das damalige Dream Team von Klaus Toppmöller, dafür aber mit Jungstars wie Rene Adler oder Patrick Helmes gesegnet.

Dennoch spricht der bisherige Saisonverlauf nicht dafür, dass Leverkusen den Fluch des ewigen Zweiten ablegen kann.

Weil dem Team offenkundig wie damals der Killer-Instinkt in den entscheidenden Situationen fehlt. Und weil der Mannschaft allem Anschein nach wie damals die selbstbewusst-arrogante Siegermentalität eines FC Bayern abgeht.

Man darf gespannt sein, ob es Labbadia dennoch gelingen wird, diese Geister der Vergangenheit zu verjagen.

Ansonsten droht dem "schönen Mann" genau das, was er laut eigener Aussage unbedingt vermeiden will:

Ähnlich viele graue Haare zu bekommen wie sie Bayers Last-Minute-Pleiten auf dem Kopf von Rudi Völler und auch Klaus Toppmöller hinterlassen haben.

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