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Holger Stanislawski steht seit 2006 bei St. Pauli an der Seitenlinie © getty

St. Paulis Trainer hat die Spieler härter rangenommen und drei Stammakteure rausgeworfen - der Lautern-Sieg bestätigt ihn.

Hamburg - Es hätte ein überaus ungemütlicher Abend für Holger Stanislawski werden können.

Umso erleichterter war der Trainer des FC St. Pauli, nachdem seine Mannschaft die Talfahrt der vergangenen Wochen endlich gestoppt hatte.

"Die Jungs haben sich richtig reingehängt und für den Sieg geackert, deshalb können wir uns über die drei Punkte wirklich freuen", sagte Stanislawski nach dem 1:0 der Hamburger gegen den 1. FC Kaiserslautern320637 (DIASHOW: Der 15. Spieltag).

Das Erfolgsrezept deutete er nur kurz an: "Wir haben eine intensive Woche hinter uns. Es muss jedem klar sein, dass wir uns die Dinge immer wieder hart erarbeiten müssen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ein Satz der wohl auch an das von ihm vor dem Spiel suspendierte Trio gerichtet ist.

"Der Punkt, wo man reagieren muss"

Dass hinter der angemahnten professionellen Arbeitseinstellung mehr steckt, verdeutlichte St. Paulis Sportchef Helmut Schulte.

"Wir sind ein Verein, in dem es sehr menschlich zugeht. Aber irgendwann ist auch bei uns der Punkt erreicht, wo man mal reagieren muss", umschrieb der Manager das veränderte Klima beim Kiezklub.

Im Klartext: Bei St. Pauli wehrt seit kurzem ein rauerer Wind.

"Stani" als Schleifer

Hatte Kumpel "Stani" sein Team nach den ersten Misserfolgen im Oktober und November noch mit Samthandschuhen angefasst, so ließ er nach der 0:3-Schlappe am vergangenen Wochenende bei Werder Bremen offenbar den Schleifer raushängen.

"Wir haben in dieser Woche im Training etwas angezogen und wenig Rücksicht auf Regenerationsphasen genommen", berichtete der 41-Jährige.

Mit dem Ergebnis war er zufrieden: "Die Jungs haben einiges davon umgesetzt, auch wenn man gemerkt hat, dass am Ende etwas die Kräfte schwanden."

Zu-spät-Kommer hart bestraft

Wie sehr es scheinbar nötig war, die Spieler mal wieder zur Räson zu bringen, verdeutlichte sich anhand einer weiteren auf St. Pauli eher ungewöhnlichen Maßnahme.

Vor dem Spiel hatte Stanislawski gleich drei Stammkräfte wegen Disziplinlosigkeit aus dem Kader gestrichen: Carlos Zambrano, Charles Takyi und Deniz Naki.

Was genau vorgefallen war, wollte der Coach nicht vertiefen ("Das gehört nicht in die Öffentlichkeit.") - nur soviel: "Es gibt in jeder Gruppe Verhaltensregeln. An diesen Kodex haben sie sich nicht gehalten."

Laut "Hamburger Morgenpost" war das Trio zum Vormittagstraining zu spät gekommen, bei Zambrano und Naki soll es nicht das erste Mal gewesen sein.

"Zwei, drei Prozent auf der Straße"

Schulte machte deutlich, wie nötig die Disziplinarmaßnahme war: "Wir können es uns nicht leisten, mit Spielern zu arbeiten, die zwei, drei Prozent auf der Straße liegen lassen."

Ein Signal, das Wirkung zeigte. Bissig und kämpferisch gingen die Braun-Weißen auf dem vom Schneefall schwer zu bespielenden Rasen des Millerntor-Stadions zu Werke.

Wo es an fußballerischer Klasse mangelte, traten Zweikampfstärke und Entschlossenheit zu Tage. "Mir war vor allem wichtig, dass wir wieder mehr Zug zum Tor haben als zuletzt. Das habe ich gesehen", sagte Stanislawski.

Schneeball-Attacke auf Tiffert

Dass der Siegtreffer letztlich glücklich durch ein Eigentor des Lauterers Christian Tiffert (48. Minute) fiel, passte ins Bild.

Dessen Unglückstag wurde danach abgerundet, als er bei einem TV-Interview von einem Schneeball aus dem Publikum erwischt wurde.

"Wenn's den Fans Spaß macht", lautete seine abgeklärte Reaktion.

"Wir haben es irgendwie auch erzwungen", meinte Stanislawski über den einzigen Treffer des Spiels - das Tor, nicht den Schneeball.

Lauterer Serie reißt

Da konnte auch sein Gegenüber Marco Kurz nicht widersprechen.

"Wir waren die meiste Zeit viel zu passiv und sind erst nach dem Rückstand aufgewacht. Deshalb haben wir auch nicht mehr verdient", sagte der FCK-Coach, dessen Team nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen einen Rückschlag hinnehmen musste:

"Wir haben die große Chance verpasst, uns unten etwas abzusetzen."

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