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Michael Frontzeck ist seit Sommer 2009 Trainer bei Borussia Mönchengladbach © imago

Trotz der Pleite auch gegen 96 stützen Gladbachs Bosse den Coach. Der hadert über Rotsünder Bobadilla. Hannover feiert.

Von Christian Paschwitz

München/Mönchengladbach - Wenigstens eine gute Nachricht gab's für Michael Frontzeck:

Trotz des bitteren 1:2 (1:0) gegen Hannover 96 bleibt der 46-Jährige vorerst Trainer von Borussia Mönchengladbach.

Unmittelbar nach Abpfiff bejahte Max Eberl die Frage, ob das Schlusslicht weiter auf Kontinuität und Frontzeck setze.

"Die Niederlage hat nichts mit dem Trainer zu tun", erklärte der Manager.

"Wir haben eine verdammt schwierige Situation, aber da werden wir gemeinsam wieder herauskommen - auch mit Michael Frontzeck."

Schlüsselspiele gegen Freiburg und HSV

Die Verantwortlichen am Niederrhein werden also wohl auch die beiden letzten Hinrunden-Partien beim SC Freiburg und gegen den Hamburger SV mit Frontzeck bestreiten.

Ob es danach aber weitergeht mit dem Coach, darf zumindest angezweifelt werden.

Die Fans gehen schon jetzt auf die Barrikaden: "Wir haben die Schnauze voll", skandierte der enttäuschte Anhang, den dritten Bundesliga-Abstieg nach 1999 und 2007 vor Augen.

"Wieder einmal selbst kaputtgemacht"

Wenig hoffnungsfroh klang auch, was Frontzeck nach der Pleite gegen Hannover zu Protokoll gab.

"Was wir uns erarbeitet hatten, haben wir wieder einmal selbst kaputtgemacht", sagte der Fußball-Lehrer, der einst mit Alemannia Aachen (2007) und mit Arminia Bielefeld quasi abstieg, wo er 2009 vor dem letzten Spieltag gefeuert wurde.

"Wir stehen zu Recht da, wo wir stehen", erklärte Frontzeck nun. Einen Rücktritt indes "kann ich ausschließen", ergänzte er.

"Aber es ist für alle, die mit Gladbach zu tun haben, eine schwere Belastungsprobe."

Letzter Heimsieg vor acht Monaten

Es war gewissermaßen auch die Bankrott-Erklärung zum eigenen Wirken in dieser Saison bei der Borussia. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Denn die Fakten sind erschreckend: Auch das achte Heimspiel brachte wieder keinen Sieg, der letzte Dreier im Borussia-Park liegt schon knapp acht Monate zurück (2:0 gegen Frankfurt am 9. April).

Mit 42 Gegentreffern stellt die Borussia unter Frontzeck zudem die mit Abstand schwächste Abwehr der Liga. 320637(DIASHOW: Der 15. Spieltag)

Diesmal fliegt Bobadilla

Und: Mit der Roten Karte von Raul Bobadilla, der sich gegen Sergio Pinto zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ (43.), gab es in diesem Jahr bereits den fünften Platzverweis.

"Er hat der Mannschaft einen Bärendienst erweisen - rational so nicht zu erklären", haderte Frontzeck mit der spielentscheidenden Szene.

Dass der argentinische Stürmer, für den die Hinrunde beendet ist, danach noch den vierten Offiziellen Christian Fischer beschimpfte und eine Kabinentür eintrat, passte nur ins Bild.

Doppelschlag durch Hanke und Ya Konan

Dabei hatten die Gladbacher ordentlich begonnen, waren durch Michael Bradley (13.) in Führung gegangen, an der Bobadilla sogar maßgeblich beteiligt war.

In Unterzahl brach die Mannschaft dann aber zusammen wie ein Kartenhaus, geriet durch den Doppelschlag von Mike Hanke (73.) und Didier Ya Konan (75.) binnen weniger Augenblicke auf die Verliererstraße.

"Das war keine Ordnung bei uns. In zwei Minuten zwei Gegentore zu kassieren - das ist tödlich", kritisierte Keeper Christofer Heimeroth.

96 auf Champions-League-Kurs

Bei den Gästen dagegen war es der vierte Sieg in Serie - und zumindest für einen Tag der Sprung auf einen Champions-League-Platz.

"Wir stehen wunderbar da", jubelte Trainer Mirko Slomka über den dritten Rang.

Nicht aber ohne nachzuschieben: "Wir können nun nicht anfangen, von einem Europapokal-Platz zu träumen. Die Rote Karte hat uns in die Karten gespielt. Wir haben verdient gewonnen, weil wir auch in der zweiten Halbzeit dominant waren."

Auch Schlaudraff blüht auf

Das lag vor allem an Hanke, der auch bei seiner dritten Einwechslung hintereinander entscheidend traf, nachdem er bei den Niedersachsen bereits aussortiert war.

Der ebenfalls schon aufs Abstellgleis geschobene Jan Schlaudraff zeigte gleichermaßen einen beherzten Auftritt.

Der Ex-Nationalstürmer widerlegte damit auch die These, es passe nicht mit ihm und Hanke an der Seite von Ya Konan.

Reus gesperrt

Das Personal, das es bei der Borussia noch richten soll, schwindet unterdessen weiter:

Neben Bodadilla wird im nächsten Spiel auch Marco Reus fehlen, der die fünfte Gelbe Karte sah.

Frontzeck klingt ohnehin desillusioniert: "Wir dürfen nicht nur hoffen, dass wir, wenn die Verletzten zurückkommen, die Sache kippen können."

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