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Bastian Schweinsteiger und der FC Bayern kassieren auf Schalke die vierte Saisonpleite © getty

Nach dem Rückschlag auf Schalke sind die FCB-Bosse sprachlos. Beckenbauer ruft ein neues Ziel aus. Magath schiebt die Stars vor.

Aus Gelsenkirchen berichtet Gregor Derichs

Gelsenkirchen - Die Mundwinkel von Uli Hoeneß hingen herunter bis auf die Kinnlade.

Völlig bedient war der Präsident des FC Bayern.

Um ihn herum auf der VIP-Tribüne triumphierte die Führungsriege des FC Schalke 04. Ihre blau-weiße Welt war wieder in Ordnung.

Mit dem 2:0 (0:0) gegen den Noch-Meister von der Isar hatte die Schalker Mannschaft die aufbrechende Krise beruhigt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das war eine aufregende Woche", sagte Trainer Felix Magath. "Wir sind supererleichtert", erklärte Manuel Neuer.

Die Duelle gegen die Bayern sind auf Schalke die wichtigsten mit dem Derby gegen Dortmund.

Wortlos schritten Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge aus dem Stadion.

"Unglaublich" ist das Wort des Jahres beim Rekordmeister. Schon wieder benutzte Trainer Louis van Gaal vor allem diese Vokabel für die Leistung seiner Mannschaft.

Miserable Chancenverwertung

Die Bayern-Fans fallen wirklich langsam vom Glauben ab, weil es die Spieler einfach nicht schaffen, die Wende zu erzwingen. "Es hat nichts gepasst", rügte Franz Beckenbauer den Auftritt, der zwei Fakten brutal aufdeckte, die die Bayern in dieser Saison zu einem Durchschnittsteam stempeln.

Die Chancenverwertung war erneut hundsmiserabel. "Wir hatten fünf, sechs hundertprozentige Chancen in der ersten Halbzeit. Wir haben das Spiel gemacht. Aber das Wichtigste sind Tore im Fußball", erklärte van Gaal.

"Ich kann sie nicht selbst machen", sagte der 59-Jährige frustriert. Bei LIGA total! schrieb er die Meisterschaft ab: "Wir müssen uns auf einen Champions League-Platz konzentrieren!"

Wie gegen Gladbach und Rom

Hinzu kommt ein riesiges Zweite-Halbzeit-Problem: Schalke schoss in der Klassepartie durch Jose Manuel Jurado das 1:0 (58.). Danach fiel der Meister förmlich auseinander. Benedikt Höwedes legte nach (67.)320637(DIASHOW: Der 15. Spieltag).

Ähnliche Auflösungserscheinungen hatten die Bayern schon in Gladbach (3:3 nach 2:1), in Leverkusen (1:1 nach 1:0) und beim AS Rom (2:3 nach 2:0) gezeigt.

Nicht spielerisch stark wie gegen Lyon oder Bremen errangen die Schalker den ersten Heimsieg gegen die Bayern seit fast sechs Jahren.

Schalke mit purer Kampfkraft

Mit purer Kampfkraft, extrem willig und gierig auf dem Erfolg, zwangen sie nach dem 0:5-Debakel in Lautern den Gegner in die Knie.

Nichts mehr war übrig von den alten Bayern, die über Jahre gefürchtet waren, weil sie Spiele in der Schlussphase cool und clever mit Klasse und Selbstbewusstsein für sich entschieden.

Die Titelverteidigung hatten sie schon nach dem 1:1 in Leverkusen abgehakt. Meister könnten sie noch immer werden, meinte van Gaal.

Beckenbauer: "Wenigstens Zweiter"

"Aber wir verringern den Abstand auf Dortmund nicht." Selbst das bescheidene Ziel von 30 Punkten bis zur Winterpause ist nicht mehr erfüllbar.

"Wenn der FC Bayern nicht Meister wird, dann geht die Welt nicht unter. Dann aber, bitte schön, wenigstens Zweiter werden", sagte Beckenbauer.

Dann warf er ein Auge auf den Nationalkeeper: "Neuer war absolute Weltklasse, der auch die unmöglichen hält."

Neuer: England statt FCB?

Und auch van Gaal ging auf ein mögliches Angebot an den Super-Torwart ein. "Das bespreche ich mit dem Vorstand", sagte der Bayern-Coach.

Neuer hat an diesem Thema aktuell wenig Interesse.

Als Ur-Schalker kommt für den 24-Jährigen München kaum in Frage. Hält er seine Form, wären wohl Manchester United, Arsenal oder Chelsea eines Tages bereit, für ihn so viel zu bieten, wie sonst nur für Weltklassestürmer aufgerufen werden.

Frieden auf Schalke

Mit Neuer benötigt ein Team im Prinzip einen Mittelfeldspieler weniger, mit einem Abschlag über 80 Meter leitete er das 1:0 ein.

Nach dem Abpfiff wurde er zum Bodyguard von Magath. "Der Trainer ist unser Leitwolf, wir hören auf ihn", betonte er.

Nach einer turbulenten Woche, in der die Schalker auf Befehl von "Quälix" Magath bei Eiseskälte ohne Mütze und Schal trainieren mussten und den Urlaub verkürzt bekamen, herrschte wieder Siegfrieden.

Magath nicht zum Knuddeln

Magath, der von Klubchef Clemens Tönnies zum Rapport beordert worden war, warb mit sanfter Stimme um Verständnis.

"Ich bin nun mal kein Trainer zum Knuddeln und Liebhaben. Sollen die Fans doch Manu Neuer und Raul knuddeln und liebhaben."

Bei den Bayern existiert das Thema nicht. Niemand käme momentan auf die Idee, der kantige General van Gaal sei ein Teddy zum Knuddeln.

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