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Mats Hummels (l.) schoss sein zweites Saisontor, Robert Lewandowski sein Fünftes © imago

Herbstmeister Dortmund dominiert nach dem 2:0 in Nürnberg die Liga wie nie ein Team zuvor - und bleibt dennoch betont kleinlaut.

Von Martin Hoffmann und Guido Huber

Nürnberg/München - Borussia Dortmund sorgt weiterhin für Verzweiflung.

Nicht nur bei den Liga-Konkurrenten, denen der Herbstmeister nach dem 2:0 in Nürnberg auf beispiellose Weise einteilt ist:

40 Punkte am 15. Spieltag, zehn Zähler Vorsprung auf den Zweiten, 17 auf den FC Bayern - alles einmalige Errungenschaften. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Schützlinge von Jürgen Klopp bringen auch die Journalisten zur Verzweiflung, die endlich aus ihrem Munde hören wollen: "Ja, wir wollen Meister werden." 320637(DIASHOW: Der 15. Spieltag)

"Ihr schafft es nicht vor Mai"

Doch die Dortmunder umdribbelten alle entsprechenden Fragen genauso gekonnt wie ihre Gegenspieler auf dem Platz.

"Das beschäftigt uns überhaupt nicht", behauptete etwa Mats Hummels bei LIGA total! weiterhin mit vollem Ernst.

Und auf die Frage, wann denn der erste Reporter es hinbekommen würde, einem Dortmunder das Bekenntnis zu den Titelambitionen zu entlocken meinte der Schütze des Führungstors: "Ich würde darauf wetten, dass Ihr das nicht vor Mai schafft."

Eine Wette, die er Gefahr läuft zu verlieren: Nicht weil ein Teamkollege schwach werden könnte, sondern weil der BVB schon im April Meister ist, wenn er so weitermacht.

"Kein Gefühl" bei Klopp

Wobei das zu den Gedanken gehört, die Klopp nicht zulässt.

Das offensivste, was ihm bei LIGA total! zum Thema Meisterschaft zu entlocken war, war die Aussage: "Wir werden das sehen."

Auch wenn er die Macht des Faktischen nicht wegdiskutieren kann, dass sein Team auf keinem besseren Wege zum Titel sein kann, beteuerte Klopp, "da kein Gefühl zu haben".

Und schob aber noch freundlich hinterher: "Ich werde Bescheid sagen, sobald es sich anders anfühlt."

Arbeit statt Rechnerei

Klopp versuchte dabei auch glaubhaft zu machen, dass die M-Wort-Vermeidung kein reines Spielchen ist, um Druck von der jungen Mannschaft fernzuhalten.

Denn es gebe durchaus Gründe zu befürchten, dass sein Team noch einbrechen könnte: "Wir haben nicht die natürliche Qualität und sind einfach besser als die anderen. Wir müssen mehr investieren."

Ihm sei natürlich "aufgefallen, dass acht Auswärtssiege in Serie außergewöhnlich sind". Alles andere aber "werden wir nur durch Arbeit erreichen - und auf die konzentrieren wir uns."

"Wir vernichten ja nicht alles"

In Nürnberg klappte das - obwohl das Duell mit dem Club zu den schwächeren Saisonleistungen des BVB zählte.

Der 2:0-Erfolg durch die Tore von Hummels und Lucas Barrios' Vertreter Robert Lewandowski war ein Lehrbeispiel für einen Arbeitssieg.

Und dass der Club so viel Arbeit verursachte, war für Hummels ein Beleg dafür, wie steinig der Weg noch sein wird: "Es ist ja nicht so, dass wir alles vernichten, was uns im Weg steht."

Schelte für Wolf

Wobei die Nürnberger den Dortmundern auch ein Stück weit selbst den Weg zum sechsten Sieg in Folge ebneten: durch ein gütiges Geschenk beim Führungstor.

"Wenn man von der Mittellinie einen Ball schlagen kann, und der 50 Meter in der Luft ist, dann ist das ein klarer individueller Fehler von Andi Wolf", meinte Coach Dieter Hecking über das Abwehrverhalten beim Freistoß von Nuri Sahin: "Da kann ich heute nicht den Mantel des Schweigens darüber legen."

Auch Wolf kam nicht um die Erkenntnis herum: "Das geht auf meine Kappe."

Gedanke an Verstärkungen

Die vierte Club-Niederlage in Folge, Harmlosigkeit im Angriff, wieder ein Gegentor nach einem ruhenden Ball: Die Entwicklung der stark gestarteten Nürnberger beunruhigt.

Auch wenn Mittelfeldmann Jens Hegeler gegenüber SPORT1 einen Schritt nach vorn in dem Spiel sah: "Von den verlorenen Spielen war es noch das beste."

Dass es dennoch nicht gut genug war, veranlasst die Entscheidungsträger, über Verstärkungen im Winter nachzudenken. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir die Augen offen halten", meinte Manager Martin Bader.

Auch Hecking, eigentlich "kein Freund von Winter-Transfers", kam ins Grübeln. Auch wenn er einschränkte: "Preis-Leistung muss stimmen, Charakter muss stimmen, er muss zu dieser Mannschaft passen."

"Außergewöhnliche Mentalität"

Sorgen, die den Dortmunder ferner nicht sein könnten.

"Die außergewöhnliche Mentalität der Truppe" ist für Klopp "neben dem Talent" der entscheidende Grund, warum der BVB steht, wo er steht.

Sie ist auch der Grund, warum das Team der Top-Anwärter auf die Meisterschaft ist - egal, ob man darüber spricht oder nicht.

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